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Extreme Bedingungen

Foto: Philipp Reiter

Nach dem Wintereinbruch herrschen auf der sechsten Etappe des AlpFrontTrail extreme Bedingungen. Vom Rifugio Larici ging es für das internationale Team bei eisigem Wind, Schneefall oder heftigen Regenschauern auf einer Strecke von fast 140 Kilometern und 6.700 Höhenmetern bis nach Riva del Garda. 

Warm und wasserdicht anziehen hieß es am Sonntag für die AlpFrontTrail-Teilnehmer. So auch für Startläuferin Laura Dahlmeier (Garmisch-Partenkirchen), die von Organisator Philipp Reiter (Bad Reichenhall) in den frühen Morgenstunden auf dem zirka 38 Kilometern langen Abschnitt mit 1200 Höhenmetern vom Rifugio Larici in Richtung Lusérn bei „apokalyptischen Zuständen mit eisigem Wind und Schneeregen“ (O-Ton Reiter) begleitet wurde. Im Gebiet angekommen, wo auch heute noch die Zimbern und somit eine bairische Sprachminderheit lebt, übernahmen Ina Forchthammer (St. Johann), Eva Sperger (München) und Tom Wagner (Graz) – bei nicht weniger widrigen Bedingungen.

Für das Trio ging es auf einer Distanz von rund 35 Kilometern mit 1900 Höhenmetern über Lastebasse und die Forcella Valbona bis nach Posina. Die meisten Höhenmeter spulten im Anschluss Hannes Perkmann (Sarntal) und Marco De Gasperi (Bormio) herunter, die bis nach Raossi liefen. Ebenfalls etwas mehr als 30 Kilometer lang war schließlich der Schlussteil, den Jakob Hermann (Werfenweng), Hannes Namberger (Ruhpolding) und Daniel Jung (Vinschgau) über Chizzola und Loppio zum Etappenziel in Riva bewältigten. Wohl auf keinem anderen Teilstück des AlpFrontTrails hatten sich die zehn Trail-Spezialisten nach getaner Arbeit mehr auf eine warme Dusche und ein Heißgetränk gefreut, als eben nach der drittletzten Etappe.

Erstes ziviles Opfer nach Italiens Kriegseintritt fiel in Lusérn

Kultureller Höhepunkt am Sonntag war eine Führung im Dokumentationszentrum Lusérn. Dabei handelt es sich um ein Museum mit Abteilungen, die der zimbrischen Geschichte und Tradition, dem Ersten Weltkrieg, der Fauna der zimbrischen Alpen und den bronzezeitlichen Schmelzöfen gewidmet sind. „Die Führung, die uns Vize-Bürgermeister Luigi Nicolussi Castellan gehalten hat, war wirklich sehr aufschlussreich. Zum einen, weil wir sehr viel über die Zimbern als Minderheit erfahren durften. Zum anderen, weil die Schrecken des Krieges auch hier gewütet haben. So wurde im Ersten Weltkrieg nach Italiens Kriegserklärung an das Habsburgerreich am 24. Mai 1915 in Lusérn die erste Zivilperson nach einem Bombenangriff getötet – die damals 16-jährige Berta Nicolussi Zatta“, erzählte Harald Wisthaler (Innichen), der den AlpFrontTrail gemeinsam mit Philipp Reiter aus der Taufe gehoben hat.

Wichtig sei Wisthaler und Reiter im Rahmen des Grenzlaufs aber nicht nur, in die Geschichte von damals einzutauchen. Vielmehr gehe es den Veranstaltern auch darum, heute Lehren aus den Handlungen jener düsteren Tage zu ziehen. „Wenn wir sehen, dass Großbritannien aus der EU austritt oder dass im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 oder heuer inmitten der Corona-Pandemie innerhalb weniger Stunden wieder überall in Europa Grenzzäune hochgezogen werden, dann ist das schon eine Entwicklung, die uns nachdenklich stimmt. Wir wollen mit dem AlpFrontTrail schließlich die Einheit und Freiheit Europas und nicht zuletzt in der Europaregion Tirol Südtirol Trentino feiern“, so Wisthaler und Reiter.

Von Riva del Garda auf den Tonalepass

Der AlpFrontTrail, der in den sozialen Medien auf den Kanälen von Partner Suunto verfolgt werden kann, wird am Montag mit der siebten von insgesamt acht Etappen fortgesetzt. Von Riva geht es über den Passo del Ballino, Borgo Lares, Lagomago und im späteren Verlauf Vermiglio hinauf zum Tonalepass. Die Strecke wird 105,5 Kilometer lang sein und 4625 positive Höhenmeter vorweisen. Neben Suunto ist auch die Region 3 Zinnen Dolomiten Partner des Grenzlaufs, der am vergangenen Dienstag mit der ersten Etappe in Grado begonnen hatte.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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