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„Europa schaut auf uns“

In Ischgl gibt es auch einen Südtiroler, der für eine Après-Ski-Hütte verantwortlich ist: Der Klausner Alf Gamper. Wie der Geschäftsführer  auf die neuen Regeln reagiert.

Herr Gamper, werden Sie Ihr Lokal in Ischgl im Winter öffnen?

Alf Gamper: Ja, auf jeden Fall. Après-Ski wird es weiterhin geben, nur wird sich die heurige Saison deutlich von den vorhergehenden unterscheiden. Wir hatten bisher 630 Leute auf drei Etagen Platz, heuer dürfen wir rund ein Drittel, also 210 Personen ins Lokal lassen. Diese werden auf alle drei Etagen verteilt. Alle Türen werden mit Türstehern besetzt werden und Leute dürfen erst dann wieder reinkommen, wenn andere Gäste wieder hinausgehen.

Essen und Trinken dürfen nur im Sitzen konsumiert werden. Ist so Après-Ski überhaupt möglich?

Ja, durchaus. Natürlich wird es keine große Tanzfläche und laute Musik dazu geben, aber im Hintergrund wird weiterhin Musik laufen. Außerdem werden wir unsere Tische vermieten. Somit wird zum einen gewährleistet, dass nicht mehr Leute ins Lokal kommen, als erlaubt, zum andern wird sichergestellt, dass die Gäste auf ihren Tischen bleiben. Eventuell werden wir auch die Theke vermieten, das werden wir aber noch entscheiden. Wir werden Après-Ski heuer aber hauptsächlich als Restaurant verkaufen.

Wie meinen Sie das?

Wir werden uns primär auf das Essen konzentrieren. Das werden nicht nur wir, sondern auch alle anderen 18 Après-Ski-Lokale in Ischgl machen. Früher haben die Gäste eine regelrechte Lokal-Tour gemacht, heuer wird das nicht mehr möglich sein, weil man in jedem Lokal eine Reservierung vornehmen muss.

Die Regeln sind für Sie also durchaus akzeptabel?

Die Alternative wäre, die Lokale zuzusperren, also gehen die Bedingungen schon in Ordnung. Natürlich müssen wir mit großen Einbußen rechnen, deshalb sind wir auch mit der Belegschaft stark zurückgefahren. Im letzten Jahr hatten wir 36 Angestellte, heuer werden es nur mehr 19 sein. Im Lokal dürfen sich zwar nur 630 Leute aufhalten, mit Terrasse und Außenbereich kamen manchmal aber auch 1.000 Gäste. Dann auf 210 Gäste zurückzufahren, bringt zwangsläufig Einbußen mit sich.

Ischgl ist bekannt für seine Après-Ski-Feten…

Ja, das stimmt. Ischgl war das Monte Carlo des Après-Ski. Das war ein Nachtleben wie in keinem anderen Skigebiet. Das war ein Magnet, der Leute von überall her angezogen hat.

Wie viele Gäste kommen im Normalfall nach Ischgl?

Wir haben in Ischgl 20.000 Gästebetten, die im Normallfall besetzt sind. Heuer werden es weniger sein, nicht nur wegen des Virus: Ich weiß aus sicherer Quelle, dass man keine Tagestouristen, die in der Früh betrunken nach Ischgl kommen und am Abend auch noch ins Lokal gehen, aufnehmen will. Die anderen Gäste kommen aber mit Sicherheit. Corona hat zwar viele Probleme mit sich gebracht, aber auch viel Werbung für Ischgl. Jeder in Europa weiß, wo Ischgl ist und dass man dort feiern kann. Ich bin überzeugt, dass die Nachfrage stark sein wird.

Es wird also irgendwann wieder einen Aufschwung geben?

Ja, genau. Als Beispiel: Unser Nachbar hat seine gesamte Hütte abgerissen und für 15 Millionen Euro einen neuen Après-Ski-Tempel aufgestellt. Er hat nicht daran gedacht, den Bau zu verschieben. Es muss und wird auch weitergehen. Wir haben die Marke Ischgl über 25 Jahre lang aufgebaut, wenn man nicht hundert Prozent davon überzeugt ist, dass das gut ist, dann muss man das Gesamtkonzept Ischgl überdenken. Ich für meinen Teil bin mir sicher, dass es spätestens, sobald ein Impfstoff vorhanden ist, wieder aufwärts gehen wird.

Wenn es zu einem Corona-Fall in Ischgl kommen sollte, ist schlechte Presse vorprogrammiert. Sehen Sie darin kein Risiko?

Sicher, wenn ein Corona-Fall in Gröden oder sonst irgendwo auftritt, wird dieser nicht so beachtet werden, wie in Ischgl. Die Presse wird sich auf einen Fall in Ischgl draufstürzen. Wir werden langsam starten, schauen, wie es sich entwickelt. Die Behörden sind derzeit auf Nadeln. Wenn es einen Corona-Fall geben wird, kann ich mir auch vorstellen, dass das jeweilige Lokal vorsorglich zugesperrt wird, um Kritik zu vermeiden. Ich bin aber nicht der Tourismus-Verbandspräsident und habe das nicht zu entscheiden. Das wird auf jeden Fall kein Zuckerschlecken, ganz Europa wird auf Ischgl schauen.

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