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„Eine flotte Gruppe“

Die Freiheitlichen sind nach dem Absturz bei den Landtagswahlen sehr bescheiden geworden und verkaufen 18 gewählte Gemeinderäte als Erfolg. Wie Obmann Andreas Leiter Reber die blaue Zukunft sieht.

TAGESZEITUNG Online: Herr Leiter Reber, 2010 hatten die Freiheitlichen noch über 100 Gemeinderäte, 2015 waren es noch 54, aus denen nach den internen Querelen 21 wurden. Nach der Wahl 2020 haben Sie nur noch 18 Gemeinderäte. Und Sie sprechen von einem Aufwärtstrend. Leiden Sie unter Realitätsverlust?

Andreas Leiter Reber: Nein, überhaupt nicht. Wir haben bei den Landtagswahlen 2018 zwei Drittel unserer Stimmen eingebüßt. Das war Absturz total! Wir haben bei den Gemeinderatswahlen in elf Gemeinden kandidiert, in sieben Gemeinden konnten wir unsere Gemeinderäte halten oder dazugewinnen. Ganz besonders freuen mich die Ergebnisse in Marling und Kaltern und jenes in Lana, wo wir auf Anhieb in den Gemeinderat einziehen konnten.

Sie sind sehr bescheiden geworden …

Dort, wo wir die Einbußen hatten, haben Bürgerlisten kandidiert. Das gute Abschneiden der Bürgerlisten war ein klarer Trend dieser Wahl, wobei ich dazusagen muss, dass wir viele Mitglieder hatten, die für Bürgerlisten angetreten sind. Sogar mein Bezirksobmann im Eisacktal hat auf einer Bürgerliste kandidiert. Im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern zählen wir die auf den Bürgerlisten gewählten Räte nicht mit. Ich bin ein Freund von Dorflisten, aber nicht von versteckten Parteilisten.

Aus der Identitäts- und Sinnkrise des Team K konnten die Freiheitlichen offenbar kein Kapital schlagen.

Das Team K ist ja außer den einzelnen Städten nirgendwo angetreten …

Bei den Landtagswahlen sind viele Ex-Freiheitlichen-Wähler zum Team K übergelaufen …

Ja, die Hälfte, die wir verloren haben, zum Team K, die andere Hälfte zur SVP.

Bei den Gemeinderatswahlen war kein Trend zu erkennen, dass die Blauen die verlorenen Stimmen zurückholen könnten.

Das kann man nicht sagen. Denn bei Gemeinderatswahlen in den Städten konzentriert sich alles aufgrund des Wahlsystems auf die zwei großen Blöcke und deren Bürgermeisterkandidaten. Und auch in den kleineren Orten gibt es unterschiedliche Dynamiken.

Mal ganz ehrlich: Wie sehr haben Sie sich im Stillen darüber gefreut, dass mit Paul Köllensperger der Chef der größten Oppositionspartei in den Coronabonus-Skandal verwickelt war?

Ich freue mich generell nicht, wenn die Politik eine Sch…-Figur abgibt. Und lassen Sie mich eines sagen: Bei diesen Wahlen haben 40 Bürgermeister schon im vorab festgestanden. Und in Dutzenden Gemeinden ist nur die SVP allein angetreten. Das ist ein Trauerspiel für die Demokratie! Und natürlich hat auch die Performance der Politik Auswirkungen. Man muss sich nur anschauen, wie viele ungültige Stimmen es gegeben hat. Das zeigt, welchen Stellenwert die Politik nach so einem Skandal in der öffentlichen Wahrnehmung hat.

Der Höhenflug des Team K bei den Landtagswahlen 2018 hat offenbart, dass sich jene Südtiroler, die ein starkes Gegengewicht zur SVP wollen, keine laute, volkstumspolitische Opposition wünschen, sondern eher einer bürgerlich-liberale Partei, die unaufgeregt und sachpolitisch agiert. Wo in diesem Spektrum stehen Ihre Freiheitlichen?

Nehmen Sie mich her: Als ich Obmann wurde, wurde ich als gefährlicher Schütze und volkstumspolitischer Hardliner hingestellt. Ich denke, dass ich in den letzten Jahren bewiesen habe, dass es mir um eine Politik mit Hausverstand geht und dass ich bürgerlich-liberale Interessen wunderbar vertreten kann. Ich bin davon überzeugt, dass es uns – wenn alle drei Sprachgruppen zusammenarbeiten – gelingen kann, Südtirol zu einem starken und eigenständigen Land zu machen. Wenn es um die Grundrechte unseres Landes oder um die unkontrollierte Einwanderung geht, bin ich in der Sache hart. Was das Zusammenleben angeht, so bin ich immer für eine vernünftige Politik eingetreten. Dass wir mit viel Hausverstand gearbeitet haben, sieht man auch daran, dass wir von den Oppositionsparteien am meisten Beschlüsse durchgebracht haben, obwohl wir nur eine Ein-Mann-eine-Frau-Fraktion sind.

Die in der Brennerstraße befürchteten Einbrüche bei der SVP sind nicht eingetreten. Hat die SVP von der Krise des Team K profitiert? Haben die Verbände die Volkspartei vor einer Niederlage bewahrt? Oder ist die SVP schlicht und einfach noch sehr stark?

Die SVP ist natürlich nach wie vor die tragende Parte in den Dörfern draußen. Das muss man neidlos anerkennen. Das liegt auch am kapillaren System der Ortsgruppen, das die SVP hat, und natürlich auch an der tatkräftigen Unterstützung der Verbände, die bis in die kleinsten Nester hinein Parteipolitik machen, indem sie fast ausschließlich Kandidaten der SVP unterstützen und bewerben.

Politischen Beobachtern ist nicht verborgen geblieben, dass Sie und Ulli Mair im Landtag mehr ein friedliches Nebeneinander als ein Miteinander pflegen. Wie grün sind Sie sich wirklich?

Ich kann mich über solche Beobachtungen nur wundern. Denn wer uns sieht, der weiß, dass wir die einzige Fraktion im Landtag sind, die stets Freude an der Arbeit hat und mit einer bestimmten Gelassenheit und mit Humor reagiert, wenn wieder einmal ein Antrag abgelehnt wird. Wir tun dann nicht zwei Wochen lang mullen. Das gehört zum politischen Geschäft. Uns gelingt es aber immer wieder Akzente zu setzen. Mich freut es, wenn unsere Themen angenommen werden, denn sie tun Südtirol gut.

Blicken wir voraus auf die Landtagswahlen: Mit dem Coronabonus-Skandal ist die gelbe Welle vorerst gebrochen. Bei den Gemeinderatswahlen hat man gesehen, dass einige Team K-Wähler zu den Grünen abwandern könnten. Die STF scheint stabil zu bleiben. Bei den Blauen ist auch keine große Aufbruchsstimmung festzustellen. Wie sieht denn Ihr gefühltes Politbarometer für Südtirol aus?

Die Grünen werden meiner Meinung nach von der politischen Großwetterlage profitieren. Sie brauchen auch ganz bestimmt nicht meinen Rat, aber wenn ich sie wäre, dann wäre ich leise und täte gar nichts …

Für die Grünen arbeitet der Zeitgeist?

Ja. Was uns angeht, so rechne ich damit, dass unsere Arbeit, unsere Leistungen und unser Fleiß honoriert werden. Wir werden dazugewinnen, denn wir haben inzwischen eine flotte, geschlossene Gruppe, die mit Begeisterung und Idealismus zum Wohle unseres Landes arbeitet.

Und STF und Team K?

Beim Team K ist das eingetreten, was man bei Bewegungen, die von 0 auf 100 starten, immer wieder beobachten kann: Viele Menschen haben von dieser Partei viel mehr erwartet. Es besteht die Gefahr, dass der Erfolg von 2018 ein einmaliges Strohfeuer bleibt. Die STF hat hingegen ihre Stammwählerschaft und wird auf dieser Basis weiterarbeiten.

Durch ihre doch etwas monothematische Aufstellung ist die STF nicht mehr ausbaufähig?

Ich rede nicht gern über andere Parteien. Aber mir kommt vor, dass die STF bei den letzten Landtagswahlen nichts falsch gemacht und, wie immer, auf ihre Themen gesetzt hat. Sie konnten nicht zulegen, das könnte bedeuten, dass bestimmte Grenzen vorgegeben sind.

Interview: Artur Oberhofer

 

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Kommentare (7)

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  • andreas

    Das Problem der Freiheitlichen sind ihre Altlasten, welche sie immer noch mitschleifen.
    Außer den Feindseligkeiten der Mair nimmt man die Partei doch nicht wahr.

    Da ihr neues Hobby offensichtlich ist, nachts in aufgelassenen Tiefgaragen rumzulungern, um den dort lebenden Menschen anscheinend zu helfen, kann sie ja mal tagsüber hingehen und mit diesen Leuten reden und sich erklären lassen, warum sie dort so leben.
    Ich gehe mal davon aus, dass diese Situation nicht deren Lebensziel war, wie die Mair anscheinend annimmt.
    Sie kann auch ihren „Freund“ Bonazza mitnehmen, der hat jetzt ja Zeit, da Casa Pound glücklicherweise aus dem Gemeinderat geflogen ist, was eigentlich das einzige Gute bei den Gemeinderatswahlen war.
    .

  • besserwisser

    der obmann rockt die bude.

  • brutus

    „….und in Dutzenden Gemeinden ist nur die SVP allein angetreten. Das ist ein Trauerspiel für die Demokratie!“

    Diese Aussage steht wieder einmal für die Unfähigkeit und teils auch Überheblichkeit der Oppositionsparteien, dort Kandidaten zu mobilisieren!
    Nicht mit Fingern auf andere zeigen, wenn man selber nicht dazu imstande ist!

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