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Die große OmU-Frage 

Originalfassung, Original mit Untertiteln, Synchronfassung, Version. Im Kino gibt’s fast nur eins davon.

von Renate Mumelter

Filme vom Festival in Venedig, die jetzt in Südtirol zu sehen sind, kommen aus Italien, in Originalfassung natürlich. Kein Problem für das Südtiroler Publikum. In Venedig werden alle Filme mit Untertiteln gezeigt, italienischen, manchmal auch englischen dazu. Das ist man dem internationalen Publikum schuldig. Und es geht.

Vor dem Kinostart wird dann synchronisiert, und das tut den Filmen selten gut. Der sprachliche Ausdruck geht verloren, vor allem wenn standardmäßig synchronisiert wird. Das kann Filme auch unerträglich machen. „La vita è bella“ von Benigni ist für mich in deutscher Fassung unvorstellbar. Dasselbe gilt für deutsche Filme, die auf einmal auf Italienisch daherkommen. Bei Filmen wie „Parasite“ ist die koreanische Originalsprache mit hilfreichen Untertiteln ein schönes Plus. Allerdings gibt es Filmschaffende, die lieber synchron laufen als untertitelt, um die Bilder und die Suspense nicht zu stören. Hitchcock gehörte dazu. 

Das Synchronisieren

Das Synchronisieren ist eine besondere Kunst, die einem Film auch etwas geben kann. Spannend bei Woody Allen, der auf Italienisch ganz anders herüberkommt als auf Deutsch. Wichtige Schauspieler haben immer dieselbe Synchronstimme. So baut sich eine Beziehung auf. Die Boznerin Krista Posch zum Beispiel ist die Stimme von Charlotte Rampling, und sie macht das richtig gut. 

Die Synchronnationen

Dass besonders in Deutschland, Italien und Spanien synchronisiert wird, hat historische Gründe, erzählt Thomas Bräutigam.  Ursprünglich war das Kino stumm, dann bekam es erklärende Tafeln, und erst in der Anfangsphase des Tonfilms stellte sich die Frage der Übersetzung. Untertitel waren dem Publikum zu anstrengend, Synchronfassungen waren weniger lippensynchron als heute. Deshalb galten sie als „künstliche Amputation“. Die „Versionen“, Remakes eines Films für die Landessprache, waren zu aufwändig. In der Zeit der Regimes stellte sich das Problem weniger, weil fast ausschließlich nationale Filme gezeigt wurden. 

Nach dem 2. Weltkrieg aber wurde Film für die Alliierten zu einem wichtigen Instrument zur „Umerziehung“ der Besiegten. Demokratische Werte sollten möglichst angenehm vermittelt werden, also wurde synchronisiert. Deutschland, Italien und Spanien wurden zu den bedeutendsten Synchronnationen. Langsam gewöhnten sich die Menschen daran und blieben dabei, das Trägheitsprinzip setze sich durch, bis heute. 

Ich freue mich allerdings immer über die seltenen OmU-Fassungen, sie lassen andere Welten besser erfühlen. Und sie tragen zur Verbesserung der Sprachkenntnisse bei.  

Mehr zum Thema hier: https://www.goethe.de/de/kul/flm/208

DOLOMITALE 2020

Am 22. September startet in St. Ulrich in Gröden das DOLOMITALE Filmfestival mit Matteo Garrones „Pinocchio“. Das Besondere daran: Der Schnitzer Bruno Walpoth hat den Pinocchio für den Film hergestellt. Beim Festival wird er von den Dreharbeiten mit Roberto Benigni erzählen. 

Preise

Sechs Südtiroler Kurzfilme stellen sich dem Wettbewerb um den Short Film Award 2020, und fünf Dokumentarfilme stellen sich der Auswahl zum Documentary Award. In der Jury sitzen Enrico Vannucci (Filmfestival Venedig), Christoph Schaub (Regisseur, Schweiz) und Ronny Trocker (Regisseur, Südtirol). 

Stargast ist der österreichische Filmemacher Werner Boote (Plastic Planet, Population Boom, Die grüne Lüge)

https://www.dolomitale.com

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