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Der Überfluss ist wieder da

Es gibt so viel Sehenswertes im Kino, dass gute Planung nötig wird.

von Renate Mumelter

Im Kino behalte meine FFP2-Maske auch am dem Sitzplatz auf, weil sie mich schützt. Vorgeschrieben wäre sie nicht. Mir sagt die Maske aber auch, wie gut mir ein Film gefällt. Bei Filmen, mit denen ich nicht viel anfangen kann, beginnt sie mich zu stören, bei Filmen, die mich ansprechen, vergesse ich sie. 

Für die Filme, die heute zur Sprache kommen, ist der Maskentest nicht erfolgt, weil ich keinen gesehen habe. Einen Kinobesuch sind die wohl alle wert, auch der Multiplexx-Film „Tenet“ von Christopher Nolan. Denn es ist schon interessant zu erfahren, womit die US-Filmwirtschaft ihr Kino wieder auf die Beine bringen möchte.

Wir bleiben aber in der Programmkino-Schiene, denn da überschlagen sich die Ereignisse. 

Venezia 77

Heute werden die Löwen beim 77. Filmfestival in Venedig vergeben. In Bozen gibt es jetzt schon zwei Wettbewerbsfilme zu sehen. 

„Notturno“ von Gianfranco Rosi wurde bei seiner Premiere mit 10minütigem Applaus bedacht. Einen Goldenen Löwen hatte er 2013 mit „Il Sacro GRA“, den Grande Raccordo Anulare, die Umfahrungsstraße von Rom gewonnen. Es war der erste Dokumentarfilm, der den Goldenen Löwen gewann. Mit „Fuocoammare“ legte er 2016 seinen sehr erfolgreichen Film über Lampedusa und die Flüchtlinge nach, und dieses Jahr erzählt er von den Orten, aus denen die Menschen fliehen. Drei Jahre war er in Syrien, Libanon, Irak und Kurdistan.

Direkt vom Festival kommt auch „Le sorelle Macaluso“ der Theater- und Filmregisseurin Emma Dante. Ihr gleichnamiges Theaterstück war sehr erfolgreich. 

Nummer drei ist der Eröffnungsfilm des Festivals, Andrea Segres „Molecole“, ein Dokumentarfilm über Venedig, Corona und den Vater. Ganz klar wird nicht, was Segre erzählen wollte. Meine Maske störte zwischendurch. 

Regisseurinnen

Eine Rarität ist die Tatsache, dass gleich drei Filme von Regisseurinnen laufen. Neben Emma Dantes Venedig-Beitrag gibt es noch zwei. 

„Auf der Couch in Tunis“ von Manele Labidi bekam 2019 den Publikumspreis in Venedig. Sie stellt in ihrem Erstlingsfilm Tunis in den Mittelpunkt, erzählt in einer Komödie davon, was geschieht, nachdem die Psychoanalytikerin Selma ihre Praxis in einer Arbeitervorstadt von Tunis eröffnet. Labadi lebt in Paris, hat tunesische Wurzeln, sie weiß also, wovon sie spricht.

Die Perserin Marjane Satrapi (Persepolis) lebt auch in Paris. Sie befasst sich mit Marie Curie, einem der Idole ihrer Jugend. „Marie Curie – Elemente des Lebens“findet einen ganz anderen Zugang findet als Marie Noelles Curie-Film. Der hatte sich in der Beziehungsgeschichte verfangen. Satrapi hat sich sich bei der Lektüre von 200 Briefen der Marie Curie ein Bild über deren Persönlichkeit gemacht, und sie blickt auch in die Gegenwart. Originaltitel: „Radioactive“. 

Die Filme 

„Auf der Couch in Tunis“ (FR/TN 2019), 88 Min., Regie Malene Labadi

„Marie Curie – Elemente des Lebens“ (GB/HU 2019), 110 Min., Regie Marjane Satrapi

„Le sorelle Macaluso“ (IT 2020), 89 Min., Regie Emma Dante

„Notturno“ (IT/FR/DE 2020), 101 Min., Regie Gianfranco Rosi

„Molecole“ (IT 2020), 71 Min., Regie Andrea Segre

„Tenet“ (US/GB 2020), 150 Min., Regie Christopher Nolan

Bildtexte: 

1 „Notturno“ von Gianfranco Rosi

2 „Le sorelle Macaluso“ von Emma Dante

3 „Marie Curie – Elemente des Lebens“ von Marjane Satrapi (2 Bilder)

4 „Auf der Couch in Tunis“ von Malene Labadi (2 Bilder)

5 „Molecole“ von Andrea Segre

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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