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Die Analphabeten

Foto: Landesamt für Weiterbildung

Lese- und Schreibschwächen gibt es auch unter deutschsprachigen Erwachsenen. Ein Kurs soll ihnen mehr Sicherheit geben, informiert das Landesamt für Weiterbildung zum Weltalphabetisierungstag.

Das Landesamt für Weiterbildung der Abteilung Deutsche Kultur organisiert schon seit fast 20 Jahren Kurse für Analphabetinnen und Analphabeten. Waren es anfänglich hauptsächlich Roma und Sinti, so sind es heute Menschen aus aller Welt, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht richtig lesen und schreiben können. Allein im Jahr 2019 besuchten fast 400 Menschen einen Alphabetisierungskurs in Südtirol.

Als erwachsene Person nicht genügend zusammenhängende Texte lesen oder schreiben zu können, ist keine Schande, teilt das Amt für Weiterbildung mit. Wohl aber stelle es ein Hindernis dar, sich unabhängig in der heutigen Gesellschaft zu bewegen. Aus diesem Grund richtet das Amt für Weiterbildung einen Appell an alle SüdtirolerInnen:  Wer seine Lese- und Schreib-kenntnisse in der Erstsprache Deutsch verbessern möchte, kann sich vertraulich an Frau Sonja Logiudice (Tel. 0471 413394, [email protected]) wenden. Im Herbst soll für diese Personen ein eigener Kurs veranstaltet werden, damit sie im geschützten Raum ihre Schriftkenntnisse trainieren können.

Vermutlich mehr Menschen betroffen als angenommen

Wie viele Personen hierzulande gar nicht oder nur einzelne Wörter oder Sätze lesen bzw. schreiben können, ohne jedoch deren Sinn zu verstehen, ist kaum zu ermitteln. Vermutlich ist die Situation ähnlich wie in Deutschland, wo mehr als sechs Millionen Menschen zu den sogenannten funktionalen Analphabeten gezählt werden.

Wer sind nun die Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können? Fachleute meinen, es seien nicht nur Personen, denen der Zugang zur Bildung verwehrt geblieben ist. Es sind auch Leute, die sich in der Grundschulzeit z.B. aufgrund ungünstiger Lebensbedingungen oder Krankheitsgeschichten die Lese- und Schreibkenntnisse nicht zu eigen gemacht und diese folglich wieder verlernt haben. Menschen, die sich zwar beruflich über Wasser halten ohne als Analphabet aufzufallen, aber trotzdem nicht dieselben Chancen der gesellschaftlichen Teilhabe und der individuellen Verwirklichung haben wie Schriftkundige.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (2)

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  • thefirestarter

    Löblich!
    Jedoch wage ich zu behaupten das es mehr Angestellte und Doktoren im öffentlichen Gesundheitsdienst gibt welche die Zweitsprache des Landes nicht beherrschen, als Analphabeten im ganzen Land.

    Wir sind soweit angekommen das automatisch im Krankenhaus die „lingua franca“ Italiensch verwendet wird. Den Doktoren ist es gleich ob man sie versteht oder nicht, dank EsseVP brauchen sie ja Deutsch nicht zu können.

  • exodus

    @thefirestarter
    Was die Doppelsprachigkeit betrifft, bin ich ganz Ihrer Meinung. In meinem Bekanntenkreis sind laureati- Rechtsanwälte, Architekten etc. die das Patentino für die 2. Sprache machten. Mit italienischer Muttersprache, ein miserables Deutsch, bei der Prüfung durchgekommen. Ich frage mich jedes Mal, wie diese Prüfungen ablaufen. Dann findest du diese Leute in den öffentlichen Stellen und keiner kann dir in deutsch antworten, man wird gezwungen, wenn man was erreichen will, auf die italienische Sprache einzugehen. Ich finde das sehr ungerecht den deutschsprachigen
    Kollegen gegenüber, denn die können beide Landessprachen gut anwenden.

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