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Das Ende des Booms

Pragser Wildsee

Juli und August liefen für die Hotelbetriebe im Pustertal besser als erwartet, doch bereits nächste Woche flacht die Gästeanzahl deutlich ab.

von Markus Rufin

Wer in den letzten Wochen im Pustertal unterwegs war, der hatte fast den Eindruck, als hätte es das Coronavirus nie gegeben. Staus auf der Pustertaler Staatsstraße, Menschenansammlungen vor den Touristenattraktionen und (nahezu) volle Tourismusbetriebe.

Der Eindruck täuscht dabei nicht, wie HGV-Bezirksobmann Thomas Walch erklärt: „Die Monate Juli und August sind für unsere Betriebe deutlich besser gelaufen als erwartet, allerdings gab es auch viele Tagesgäste.“

Dabei waren es vor allem italienische Gäste, die im Pustertal in der Ferragosto-Woche und davor Urlaub gemacht haben, den deutschen Gast konnte man trotz Kampagnen nicht erreichen: „Im Kronplatzgebiet merkt man sehr stark, dass der deutsche Gast gefehlt hat. Dort kommt der Italiener eigentlich nur in der Ferragosoto-Woche. Obwohl positiv über uns berichtet wird, kommt der deutsche Gast nicht, weil sie zu Hause zu viel Angst vor dem Urlaub haben.“

Ursprünglich haben sich die Betriebe im Pustertal erwartet, bis in den Oktober hinein arbeiten zu können, doch mit relativ viel Ernüchterung müssen die Betrieben hinnehmen, dass der Boom, den die Betrieb in den letzten Wochen noch gespürt haben, relativ schnell abflachen wird: „Diese Woche wird noch gut laufen, nächste Woche flacht es schon deutlich ab, ab der zweiten Septemberwoche brechen die Buchungen dann völlig ein“, berichtet Walch.

Der Grund dafür ist, dass der italienische Gast ab September seinen Bergurlaub beendet. Das ist auch heuer der Fall. Der deutsche Gast, der im Herbst ins Pustertal kommt, wird aber auch im September fehlen. „Deshalb werden wir früher aufhören müssen, genauso wie wir später angefangen haben“, fasst Walch zusammen.

Jammern will Walch aber dennoch nicht: „Wir sehen, dass wir in einer besseren Ausgangslage im Vergleich zum restlichen Italien sind und das ist wichtig.“

Aber auch im Pustertal kann der Boom von Juli und August nicht für eine zufriedenstellende Bilanz sorgen: „Ganz nüchtern gesagt – viele werden es nicht gerne hören wollen – fehlen uns 25 bis 30 Prozent der Einnahmen“, erklärt der HGV-Bezirksobmann. „Das ist nur eine Feststellung, denn wir möchten uns wirklich nicht beklagen, wir wissen, dass wir noch Glück hatten. Vielen erging es deutlich schlechter.“

Viel mehr Gedanken als an die verlorenen Herbst-Monate verliert Walch als HGV-Funktionär derzeit ohnehin an die Wintersaison. Denn dort stehe man vor großen Schwierigkeiten: „Die Frage ist, wie wir einen gemeinsamen Nenner zwischen aktuelle Zahlen, Erwartungshaltung der Gäste, Schutz der Gäste und Möglichkeiten der Aufstiegsanlagen finden.“

Es gebe viele Lösungsansätze, aber der Markt müsse auch den Schutz gewährleisten. Soll heißen: Man kann nicht einfach weniger Leute in den Lift oder die Kabine lassen, denn dann verlagere man das Problem nur auf die Parkplätze.

Besorgt sei man aber (noch) nicht, so Walch: „Wir suchen gemeinsam mit der IDM und der Sanität nach Lösungen und hoffen eine passende finden zu können.“

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