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„digital. kompetent. menschlich“

Werner Steiner

Im Arbeitsjahr 2020-2021 hat der KVW die Digitalisierung als Jahresthema gewählt.  Dabei soll stets der Mensch im Mittelpunkt stehen.

Die Digitalisierung ist – nicht erst seit dem Lockdown – in aller Munde. Für einige ist sie die beste aller Entwicklungen und es geht alles noch zu langsam. Für andere verändert sich alles zu schnell, und sie sehen schon das Ende der Menschheit. Der Katholische Verband der Werktätigen (KVW) möchte mit seinem Jahresthema „digital. kompetent. menschlich“ den Menschen die Angst vor dem Prozess der Digitalisierung nehmen. Er ist nämlich nicht mehr aufzuhalten. Deshalb will sich der KVW in diesem Jahr damit beschäftigen, wie die Digitalisierung mitgestaltet werden kann. „Für uns im KVW muss der Mensch stets im Mittelpunkt der Entwicklung stehen, wir sehen es als unsere Aufgabe, hinzuschauen, wo dies nicht geschieht und auf eventuelle Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen“, erklärt KVW Landesvorsitzender Werner Steiner. Die Vorteile der Digitalisierung haben viele Menschen in den ersten Monaten dieses Jahres hautnah miterlebt: private Kommunikation fand online statt, viele Großeltern sahen ihre Enkelkinder auf Fotos oder führten Videoanrufe. Dasdigitale Zeitalter ist längst nicht mehr den jungen Menschen überlassen. „Trotzdem darf nicht übersehen werden, dass nicht alle mithalten können“, so Werner Steiner. Wenn alles digitalisiert wird, bleiben einige Menschen auf der Strecke, sie können zum Beispiel ihr Abo nicht verlängern oder Krankenbefunde nicht abholen. „Neben den Vorteilen muss stets auch darauf geachtet werden, dass die Gesellschaft nicht gespalten wird, dass wir bildungsferne und wirtschaftlich schwächere Bürgerinnen und Bürger nicht ausschließen und dadurch neue Verlierer schaffen“, appelliert Steiner an Politik und Wirtschaft.

Um einer Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken, ist Weiterbildung wichtig. Es braucht neue Kenntnisse, das lebenslange Lernen ist und bleibt eine Herausforderung für die Zukunft. Der KVW setzt seit über 70 Jahren auf Aus- und Weiterbildung. Im Bereich der Digitalisierung wurden zum Beispiel Senioren zu Online-Coachs ausgebildet, die anderen Senioren bei der Handhabung von Handy, Computer und Internet behilflich sind. „Es gehört zu den Hauptanliegen der KVW Bildung, durch Aus- und Weiterbildung vor allem sozial Schwächeren den Zugang zu den gesellschaftliche Gütern und den sozialen und kulturellen Aufstieg in unserer Gesellschaft zu erleichtern“, sagt Helga Mutschlechner, Landesvorsitzende der Frauen im KVW.
Durch die Digitalisierung gehen Arbeitsplätze verloren, neue werden geschaffen. Wer seinen Arbeitsplatz verliert ist nicht automatisch dafür qualifiziert, einen der neu geschaffenen annehmen zu können. Fortbildung ist hier ein wichtiger Ansatz, um Menschen die abgehängt werden, aufzufangen und ihnen neue Chancen zu eröffnen.
Dem KVW ist es auch ein Anliegen, die Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien und mit persönlichen Daten zu erziehen. Es braucht eigenverantwortliche und selbstkritische  Bürgerinnen und Bürger, die über ihre Rechte und Pflichten Bescheid wissen, die sich selber schützen und sich auch mal schützend vor andere stellen, die auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung achten.

„Der Mensch muss im Mittelpunkt der Entwicklung stehen“, fordert Karl H. Brunner, geistlicher Assistent im KVW. Die Digitalisierung ist keinWert für sich. Wie bei jeder technischen Innovation ist ihr Wert daran zu messen, inwiefern sie dem Menschen dient. Deshalb möchte Karl H. Brunner mit dem Jahresthema „digital. kompetent. menschlich“ die KVW Mitglieder und die Ehrenamtlichen dazu anregen, über einige Punkte nachzudenken. „Der Mensch ist mehr als seine Daten“ und „Menschen sind trotz aller Unterschiede gleich an Würde“; wie können gleiche Chancen für alle ermöglicht werden, wenn weltweit fast 40 Prozent der Bevölkerung keinen Internetzugang haben, fragt sich Brunner. Er lenkt das Augenmerk auf die geänderten Arbeitsbedingungen: „Auch digitale Leistung muss fair entlohnt werden. Es darf zu keiner Globalisierung der Ausbeutung unter dem Vorwand der Flexibilisierung kommen“.
Für den geistlichen Assistenten im KVW, Karl H. Brunner, ist klar, dass es um die Gestaltung des Prozesses geht: „Daher“, so Brunner, „ist es für uns im KVW Chance und Auftrag zugleich, die Digitalisierung durch unsere Wertehaltung mitzuprägen und damit auch unserer Verantwortung für das Gemeinwohl gerecht zu werden“.

Das KVW Jahresthema wird demnächst in einer Klausur weiter vertieft. Anschließend finden zwischen September und Frühjahr 2021 in allen sechs Bezirken Tagungen statt, auf denen es Referate zum Thema der Digitalisierung gibt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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