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Wider Willen

Michael Gantioler hat die dauernden Streitigkeiten satt. Der Kommandant der Feuerwehr Waidbruck stand bei der Neuwahl der Feuerwehrführung nicht mehr zur Verfügung. Der neue Vorstand wird vom Bürgermeister Oswald Rabanser aber nicht bestätigt – Gantioler bleibt unfreiwillig gesetzlicher Vertreter desVereins. Die Hintergründe.

Von Erna Egger

Michael Gantioler hat genug. Bei der letzten Ausschusssitzung Anfang des Jahres teilte der Feuerwehrkommandant mit, dass er sich bei den Neuwahlen der Feuerwehrführung in Waidbruck definitiv nicht mehr zur Verfügung stellen wird. „Ich habe die permanenten Streitereien und die unwürdige Behandlung, die die Feuerwehr aushalten muss, satt. Fünf Jahre lang gab es nur Probleme. Die eigentliche Tätigkeit der Wehr rückte in den Hintergrund“, kommentiert Gantioler.

Die Neuwahlen der Feuerwehrführung fanden Ende Mai statt: Eine große Erneuerung gab es nicht. Der Vizekommandant Lukas Gröber wurde zum Kommandanten gewählt und Stefan Merler, ehemaliger Kommandant, wurde zu seinem Stellvertreter ernannt.

In einem formellen, schriftlichen Akt muss der Bürgermeister als oberster Verantwortlicher für den Zivilschutz die neue Führung bestätigen. Oswald Rabanser hat dies bislang nicht getan. „Wir haben dreimal ein Schreiben an ihn gerichtet und nachgefragt, warum er diese Bestätigung nicht vollzieht. Erst nach zwei Monaten hat er darauf reagiert“, so Gantioler.

Bürgermeister Oswald Rabanser erklärt den Grund: „Die Feuerwehr hatte noch nicht die Abschlussrechnung 2019 vorgelegt.“ Die Abschlussrechnung wurde mittlerweile in der Gemeinde hinterlegt. „Doch sie ist nicht korrekt“, sagtder Bürgermeister. Er wirft der Feuerwehr vor, zu viel Geld ausgegeben zu haben. „Man hat über die Kapitel hinaus Ausgaben getätigt. Ich bin der Meinung, dass die alte Führung aufräumen muss, um das Amt in geordneten Verhältnissen übergeben zu können– auch um die ganze Geschichte endlich einem Ende zuzuführen. Das war mein Beweggrund. Die neue Führung soll sich nicht mit Altlasten der Vorgänger herumschlagen müssen“, erklärt der Bürgermeister.

Gantioler kontert: „Hier lässt der Gemeindeausschuss reine Willkür walten.“

Effektiv hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Abschlussrechnung 2019 der Feuerwehr mehrheitlich abgelehnt. „Der Sekretär hat zweimal ein negatives Gutachten abgegeben. Die Unterlagen werden dem Rechnungshof übermittelt. Es muss geklärt werden, wer für die zusätzlichen Ausgaben aufkommt“, so Rabanser.

Der Bürgermeister stellt klar: „Erst wenn die Abschlussrechnung genehmigt ist, werde ich die Bestätigung der neuen Führung vornehmen.“

Die Konsequenz: Die Neugewählten sind nach wie vor nicht im Amt. Michael Gantioler steht weiterhin der Feuerwehr als Kommandant vor und das vielleicht noch für gar einige Monate. „Ansonsten hat dies keine Konsequenzen. Die Feuerwehr ist ganz normal aktiv“, so der Bürgermeister.

Der Konflikt zwischen der Feuerwehr und dem Bürgermeister zieht sich nun schon seit Jahren hin. Zum wiederholten Male wurde die Abschlussrechnung vom Gemeinderat nicht genehmigt. Vor Jahren wurden der Waidbrucker Wehr sogar kurzzeitig die Einsätze verboten.

DerFeuerwehrverband und derzuständige Landesrat für Zivilschutz, Arnold Schuler, wurdenüber die jüngstenEntwicklungen informiert:„Diese Situation hatten wir noch nie. In der Regel werden der Kommandant und sein Vize nach den Wahlen problemlos vom Bürgermeister ernannt. Wir müssen nun mit dem Gemeindenverband und dem Landesrat die rechtliche Ebene klären“, so der Landesfeuerwehrpräsident Wolfram Gapp.

Schuler will – laut Gapp – in der nächsten Zeit mit dem Bürgermeister das Gespräch suchen. „Denn in diesem Fall muss man sich immer beide Seiten anhören“, spricht Gapp aus Erfahrung.

Auch er bestätigt: „Bis nicht die neue Führung im Amt ist, bleibt die alte – und der bisherige Kommandant fungiert als gesetzlicher Vertreter. Wenn Letztererwirklich sein Amt niederlegen möchte, müsste er beim Bürgermeister seinen Rücktritt einreichen.“

DerÜberprüfung der Abschlussrechnung seitens des Rechnungshofes sieht Gapp gelassen entgegen: „Bereits vor einem Jahr landete die Abschlussrechnung beim Rechnungshof. Damals hat dieser nichts Unregelmäßiges festgestellt. Ich bezweifle, dass die Feuerwehr Waidbruck dieses Mal etwas getan hat, was nicht regelkonform wäre. Ich vermute eher, dass einige Kleinigkeiten richtigzustellen sind. Daher bin ich zuversichtlich, dass die Abschlussrechnung vielleicht in einem zweiten Moment genehmigt und folglich die neue Führung ernannt wird.“

Durch die jahrelangen Konflikte ist der Feuerwehrverband immer wieder mit neuen Problemstellungen konfrontiert. Gapp ist etwas ratlos: „Wie sich der Streitin dieser Gemeinde löst, weiß ich nicht. Die Situation ist einfach schwierig, weil man den Eindruck hat, dass es nicht mehr um die Sache, sondern um persönliche Empfindlichkeiten geht. Mit den restlichen 305 der 306 Feuerwehren im Lande haben wir diese Sorgen nicht.“

Michael Gantioler hofft indes auf einen Wechsel an der Spitze der Gemeinde durch die Neuwahlen des Gemeinderats am 20. und 21. September und „dass mit einem neuen Bürgermeister eine Änderung eintritt.“

In Waidbruck tritt der Amtsinhaber Oswald Rabanser als Bürgermeisterkandidat für die SVP an, der Bauingenieur Philipp Kerschbaumer kämpft für die neu gegründete Bürgerliste Waidbruck – Lista civica Ponte Gardena um den Bürgermeistersessel.

Gantioler stellt klar: „Ich stehe sicherlich nicht mehr für mehrere Monate zur Verfügung.”

Sollte kein Führungswechsel in der Gemeinde stattfinden, zieht er einen schriftlichen Rücktritt in Erwägung.

 

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