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Falsche Partei

Obwohl selbst Mitglied im Ortsbauernrat und viele Jahre lang lvh-Vorsitzender in St. Lorenzen unterstützen die Verbände die Kandidatur von Manfred Huber nicht. Weil er für die falsche Partei antritt.

von Silke Hinterwaldner

„Ich nehmen die Angelegenheit gelassen“, sagt Manfred Huber, „und ich werde auch in Zukunft die Interessen der Bauern und der Handwerker vertreten. Auch wenn die Vorgehensweise äußerst undemokratisch ist.“

Manfred Huber ist Bauer in Onach, Busunternehmer und derzeit SVP-Gemeinderat in St. Lorenzen. Letzteres aber ist er nicht mehr lange. Denn: Bei den Gemeindewahlen im September tritt Manfred Huber für die neue Freie Liste in St. Lorenzen an, als Kandidat für das Amt des Bürgermeisters.

Eben weil Manfred Huber schon seit vielen Jahren auch bei den Organisationen und Verbänden aktiv ist, konnte er eigentlich davon ausgehen, dass die Gremien vor Ort, also der Ortsbauernrat und der lvh-Ausschuss ihn bei der Wahl die Unterstützung zusagen, auch wenn er nicht mehr für die Volkspartei ins Rennen geht. Der Bauernbund und der Landesverband der Handwerker sprechen mittlerweile nicht mehr ausschließlich den SVP-Kandidaten ihre Unterstützung aus, zumindest auf Landesebene.

Anders in St. Lorenzen. Dort haben sowohl der Ortsbauernrat als auch der Ortsausschuss des lvh gegen eine Unterstützung für Manfred Huber und die Freie Liste gestimmt.

Manfred Harrasser ist der Vorsitzende des Ortsbauernrates in St. Lorenzen. Er erklärt:

„Vor der Coronakrise hatten wir die Unterstützung für Manfred Huber zugesichert. Aber damals sollte er noch für die SVP antreten. Das hat sich mittlerweile geändert. Das Problem war nun: Wir können nicht die Kandidaten auf zwei Listen unterstützen, weil wir damit sehr viele ungültige Stimmen riskieren würden. Und das können wir uns nicht leisten.“

Man befürchtet also, dass die bäuerlichen Wähler die Kandidaten der Freien Liste mit jenen von SVP und Bürgerliste vermischen, die dieses Mal gemeinsam antreten. Damit könnten die Wahlzettel nicht mehr eindeutig zugewiesen werden und könnten für ungültig erklärt werden. Aber ist das gerecht? „Ob die Entscheidung gut ist oder nicht, darüber kann man streiten“, sagt Harrasser, „aber die Mehrheit hat den entsprechenden Beschluss gefasst.“ Kurios dabei: Manfred Huber ist selbst Mitglied im Ortsbauernrat, mehr noch: Er ist auch Mitglied im Bezirksausschuss des Bauernbundes. Dass er jetzt nicht bei den Gemeindewahlen unterstützt wird, veranlasst ihn trotzdem nicht zum Rücktritt aus allen Gremien. Er sagt nur: „Ich bin der Meinung, dass es mehr um Sachpolitik und weniger um Parteipolitik gehen sollte.“

Die Entscheidung des Ortsbauernrates ist eindeutig: Zehn von zwölf Mitgliedern haben sich gegen eine Unterstützung von Huber ausgesprochen, dazu kam eine Enthaltung und eine Ja-Stimme. Keine Unterstützung gibt es übrigens auch für Michael Niedermair, Bauer, der ebenfalls nicht für die SVP, sondern für die Freie Liste antritt. Der Vorsitzende sagt: „Wenn der Manfred auf der SVP-Liste wäre, wäre das alles kein Problem. Es geht nicht gegen ihn persönlich, sondern nur darum, dass wir nicht zwei Listen unterstützen können.“ Für Manfred Harrasser ist die Diskussion damit beendet.

Auch der örtliche Ableger des Landesverbandes der Handwerker sagt Manfred Huber offiziell keine Unterstützung zu, dabei war er zwölf Jahre lang deren Vorsitzender. Sein Nachfolger hatte den Antrag von Manfred Huber im Vorstand zur Abstimmung gebracht, aber dort fand er keine Mehrheit.

„Ich kann das alles nur zur Kenntnis nehmen“, sagt Manfred Huber. Beirren lässt er sich dadurch jedoch nicht: Er will für die Freie Liste Gemeindepolitik machen, auch im Sinne der Bauern und der Handwerker.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (9)

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  • rota

    Manfred Harrasser, die politische Entscheidungsfähigkeit der Wählerschaft so in Frage zu stellen ist für mich Ausdruck von politischer Unvernunft, Präpotenz und Arroganz.
    Schönen Sonntag.

    • drhonz

      Die bevölkerung wird als unmündige wahlschafe betrachtet die zu blöd sind zwei kreuze auf dem wahlzettel zu machen…
      In wirklichkeit geht es aber wohl um reine pragmatik. Wer nicht das svp-siegel auf dem schlegel hat darf nicht gleichermaßen zum futtertrog in bozen.
      Menschlich eine feige, rückgradlose bagage

  • alsobi

    ja so ist es bei den bauern, da ist das edel…..ß eingimpft und es bedarf einer theraphie um von dieser plage loszukommen.

  • rasputin

    Die SVP ist eine Bauernpartei und nur dort fällt Manna (Beiträge) vom Himmel, alles andere ist Blasphemie und wird mit der Austreibung aus dem Paradies geahndet.

  • drhonz

    Wer nicht den svp-stempel trägt kommt halt schwieriger ran an den futtertrog in bozen.. und das wissen die bauernschlauen wähler (allzu schlau braucht man dazu auch nicht zu sein… )
    Dieser sumpf muss zuerst auf landesebene geklärt werden.

  • waldhexe

    Da ist wieder einmal klar ersichtlich wie unabhägig diese Vorfedorganisationen eigentlich sind.Alles was nicht den SVP Virus in sich hat wird gnadenlos bekämpft.Hier geht es lange nicht mehr um Sachpolitik,sondern nur um den Machterhalt der SVP.

  • franz1

    Schickt sie den Boch ninunter dei SVP nuar kennen sui blärrn.
    Des dürfte in der jetzigen Situation, nach dem wiederholten Skandal ein klieneres Problem sein wenn die Bürger den eigenen Kopf benutzen und nicht den des Tiefenthalers….

  • novo

    Also, dass die SVP nicht ihre Konkurrenten unterstützt, kann ich ja verstehen.
    Was ich weniger verstehe ist, wie man als Bauer und Handwerker mit unserer Sammelpartei unzufrieden sein kann!
    Oder die 600€ zu wenig?

  • sorgenfrei

    Herr harrasser meint also, dass die st. Lorenzner total verblödet sind? Wenn sie herrn huber wählen, werden sie sich bewusst gegen die svp entscheiden… das ist das problem des südtiroler volksparteibauernbundes… nicht die ungültigkeit von wahlzettel… und außerdem: wenn man nur ein liste unterstützen kann, warum nicht die freie liste statt svp… dann bestünde doch auch keine verwechslungsgefahr, oder?

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