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„Man wird nicht verurteilt“

Joe Morandell war einer der ersten Südtiroler, der ganz offen über seine Corona-Infektion gesprochen hat. Warum er sich jederzeit wieder outen würde.

von Lisi Lang

Er war einer der wenigen Covid-Patienten, der von Anfang an ganz offen über seine Corona-Infektion gesprochen hat. Mit einem Krankenhaus-Foto hat sich Joe Morandell aus St. Pauls Anfang März auf Facebook gemeldet, seine Corona-Infektion öffentlich gemacht und dazu aufgerufen, sich an die Vorschriften und Regeln zu halten. „Da ich als Musiker ziemlich viel unterwegs bin, konnte ich nicht mehr richtig rekonstruieren, mit wem ich in Kontakt war, bevor ich positiv auf Covid-19 getestet wurde, deswegen habe ich über meine Infektion offen gesprochen, damit sich jeder selbst beim Sanitätsbetrieb melden oder besser aufpassen konnte“, erklärt Joe Morandell.

Und auch nach diesem 1. Post hat Morandell mehrfach über seinen schweren Verlauf, die Zeit im Krankenhaus und die Langzeitschäden, mit denen er auch fünf Monate nach der Infektion noch zu kämpfen hat, gesprochen. „Ich hatte am Anfang etwas Angst vor den Reaktionen, im Nachhinein hat sich aber herausgestellt, dass das wirklich unbegründet war. Einige Leute haben sich bei mir sogar bedankt, dass ich so offen und ehrlich war“, erläutert der Eppaner.

Diesen offenen und vor allem öffentlichen Umgang mit seiner Infektion bereut der Eppaner deswegen keineswegs – im Gegenteil: Er würde heute wieder genauso offen damit umgehen. „Ich habe mich als erster in Südtirol mit einer Covid-19-Infektion geoutet, ich wurde deswegen aber weder an den Pranger gestellt, noch wurde ich bloßgestellt oder irgendwie negativ behandelt“, unterstreicht Joe Morandell.

Niemand habe mit dem Finger auf ihn gezeigt, ihn beschimpft, ihn ausgegrenzt oder nach seiner Genesung aus Angst die Straßenseite gewechselt. Vielmehr zeigt sich der Eppaner überrascht, über die vielen positiven Nachrichten, die er in den letzten Monaten erhalten hat. „Ich habe mehr als 3.000 positive Mitteilungen bekommen, und würde mich auch jederzeit wieder zum Schutz meiner Mitmenschen outen“, erklärt Joe Morandell.

In den letzten Tagen haben mehrere Bürgermeister gefordert, Namen von Hotels oder Covid-positiven Personen veröffentlichen zu dürfen, um Infektionsketten schneller durchbrechen zu können. Bisher ist dies aus Privacy-Gründen aber nicht möglich und laut Sanitätsbetrieb auch nicht geplant.

Joe Morandell möchten Betroffenen dennoch Mut machen, von sich aus ganz offen mit einer Covid-Infektion umzugehen, man müsse einen positiven Test aus Angst vor einer Stigmatisierung nämlich auf keinen Fall verheimlichen. „Es muss niemand Angst haben, dass man an den Pranger gestellt wird – wirklich jeder Mensch kann sich mit dem Coronavirus infizieren und deswegen muss man sich für eine Infektion absolut nicht schämen“, unterstreicht der ehemalige Corona-Patient. Zudem sei es vielen Menschen wichtig, selbst ausschließen zu können, ob man mit einem Infizierten in Kontakt stand – und da hilft es, wenn man die Identität der Infizierten kennt. „Die Leute sind sogar dankbar, wenn man ganz offen mit einer Infektion umgeht und sie darüber informiert werden.“ Eines steht für Joe Morandell fest: „Diese Krankheit ist schlimm. Die Menschen sind nicht dumm. Sie verurteilen einen Covid-Kranken nicht!“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (6)

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  • lillli80

    die kommunikation der landesregierung war von anfang an falsch. beginnend bei der panikmache in den pressekonferenzen, weiter über den erhobenen zeigefinger und nun die maskengesichter, die mit den fingern ein lächeln (oder, wie ich zunächst glaubte den anfang der zweiten welle) symbolisieren sollten.
    coronainfizierte werden stigmatisiert, das ist so.
    niemand möchte sich infizieren, nicht aber primär aus angst vor der krankheit, sondern aus angst vor dem was dann rundherum passieren wird. ich mache mir große sorgen, wie das im herbst weitergehen soll, wenn erkältungskrankheiten und grippale infekte wieder aufkommen…

    • mannik

      Corona-Infizierte werden stigmatisiert? Wohl doch nur solche, die es sich selbst zuzuschreiben haben und vielleicht noch vorher die allgemeinen Regeln ablehnten. In diesem Fall ist es auch verständlich.

      • lillli80

        Lieber mannik. Ich weiss, dass es bei dir nur schwarz und weiss gibt, nur mannik oder vollpfosten. Ich bin kein covidiot, kein leugner dieser erkrankung, jedoch wird durch die kommunikation, die berichterstattung durch die medien ein feindbild erschaffen und die gesellschaft geteilt. Somit wird diese erkrankung zum stigma, ob mannik das nun gefällt oder nicht. Das hat auch nichts mit den allgemeinen regeln zu tun.

  • leser

    Ja die beitragsbettler wollen auch nicht erkannt werden
    Dank corona sind jetzt alle in finanzieller notlage und mūssen gerettet werden
    Dafūr gibts wieder alles SVP būrgermeister und referenten

  • netzexperte

    Der gesundheitliche Status jedes Einzelnen ist absolute Privatsache und geht niemanden etwas an, egal ob es um Covid19, HIV, Demenz o. a. geht. Ist sicher gut gemeint von Herrn Morandell, aber man nicht immer von sich auf alle anderen schließen.

  • vagabund

    Zum Thema PRIVACY!

    Da haben so viele Menschen bei der Covid-Studie Angst um uhre Privacy….
    …. aber dann bei jedem FAKE-Gewinnspiel auf Facebook mitmachen!
    Was glaubt ihr was mit euren Daten da gemacht wird?!!!

    Wenn Jemand Angst um seine Privacy hat, sollte er/sie SCHNELLSTENS das eigene Handy in den Müll schmeissen!!!

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