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„Gegeneinander ausgespielt“

Felix von Wohlgemuth

Die Grünen kritisieren die Landesregierung: In Sachen Bildung gingen die Vorschläge und Ansätze in eine rein wirtschaftsfreundliche Richtung.

„Erst wenn die letzte Interessensgruppe befriedigt und dem letzten Lobbyisten eine Förderung versprochen wurde, scheint diese Landesregierung an die Schule und ihren wichtigen gesellschaftlichen Auftrag zu denken“, schreiben die Grünen Markus Frei und Felix von Wohlgemuth in einer Aussendung.

Aber auch bei diesem letzten Gedanken stehe offensichtlich nicht das Wohl der Kinder, sondern einzig das Wohl der Wirtschaft im Mittelpunkt. Wie bereits während des Lockdowns, so sei auch jetzt die größte Sorge nicht die Bildung unserer Kinder, sondern wie sie „fachgerecht“ verwahrt werden können, damit wir Eltern arbeiten können, so die Grünen.

Aus Sicht der Grünen gehen die Vorschläge und die Ansätze der Bildungsdirektion und des Landesrat in eine rein “wirtschaftsfreundliche” Richtung, indem man mit dem Betretungsangebot am Nachmittag versucht jene Eltern zu “unterstützen” (oder zu besänftigen) die sich zurecht um ihre Existenzgrundlage sorgen.

Mit dieser Strategie würden jedoch LehrerInnen und Eltern, die sich jetzt intensiv und konstruktiv um die Belange “ihrer” Kinder sorgen, gnadenlos gegeneinander ausgespielt. Hier die „faulen“ Lehrpersonen, dort die egoistischen Eltern, welche ihren Beruf vor die Familie stellen, kritisieren Frei und von Wohlgemuth.

Markus Frei

In der Aussendung heißt es weiter:

„Die Wahrheit ist, dass im Bildungsbereich, genauso wie in den einzelnen Wirtschaftssektoren, der Sanität, oder der Betreuung unserer älteren oder beeinträchtigten MitbürgerInnen, erhebliche Investitionen notwendig sind, um die dringend notwendige Qualität aufrecht zu erhalten.

Wenn Klassen geteilt werden müssen, um die gesetzlichen Abstandsregeln einzuhalten, dann bedarf es schlicht und ergreifend mehr Personal, um die didaktische Tätigkeit aufrecht zu erhalten. Unterreicht und Betreuung sind keine Synonyme, wie Landesrat Achammer zu glauben scheint. Wenn jetzt professioneller Unterricht durch Betreuung über Vereine ersetzt wird, geht dies immer zu Laste der Bildung unserer Kinder.

Die Bildung ist (oder war) die Errungenschaft der zivilisierten und demokratischen Welt: durch Bildung wurde die Teilhabe ermöglicht und die Chancengleichheit verbessert.

Unter dem Druck der Notsituation werden nun Strukturen und Ressourcen abgebaut, die auf die lange Sicht das Bildungssystem schwächen, die Chancengleichheit abschaffen und Zugang zu Bildung immer mehr individualisieren und somit unserer Gesellschaft als Ganzem schweren Schaden zufügen.

Die Kinder haben in dieser Krise gezeigt, wie kooperativ und flexibel sie sind! Sie haben auch gezeigt, was sie an der Schule schätzen und was die Schule ihnen bedeutet.

Die Stärke der Schule ist ihre Offenheit, ihr niederschwelliger Zugang und die Inklusion. Mit den Auflagen denen die Schule unterworfen wird, verliert sie einen großen Teil ihrer so wichtigen Funktionen für die Kinder und in weiterer Folge für die Gesellschaft.

Jetzt umso mehr, gehört die Gegenwart den Kindern. Geben wir sie ihnen zurück!“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (15)

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  • unglaublich

    Bildung? Nein, um Bildung geht es in Südtirol sicher nicht. Schule soll Kinder aufbewahren, Punkt. Eltern sollen möglichst ganztätig arbeiten gehen, dann braucht man auch keine höheren Löhne zahlen.

  • jennylein

    Und was will uns Herr von Wohlgemuth sagen? Blablabla und die Wirtschaft ist schlecht. Sehr wertvoller Beitrag.

  • vinsch

    Weshalb müssen Klassen aufgeteilt werden? Nachmittags treffen sich die Kinder sowieso beim Spielen und Jugendliche treffen sich ebenfalls. Die SVP soll endlich hier ihren eigenen Weg gehen. Nirgendwo sind Klassen aufgeteilt worden. Ich verstehe überhaupt nicht, weshalb die SVP diese Regierung unterstützt.
    Was die Wirtschaft anbelangt, da kann ich Sie beruhigen. Die SVP hat sich um uns Kleinbetriebe überhaupt nicht gekümmert. Wir mussten zusperren und das wars.

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