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Der Enttäuschte


In der Lega ist seit der Ernennung von Francesca Tosolini zur Wobi-Präsidentin Feuer am Dach: Luigi Nevola, dem der lukrative Posten zuvor versprochen worden war, kehrt seiner Partei den Rücken.

Von Matthias Kofler

Luigi Nevola begründet seine Entscheidung offiziell mit „privaten Gründen“. Er wolle eine politische Pause einlegen, um mehr Zeit für seine Familie zu finden, sagt der scheidende Bozner Lega-Gemeinderat. Und Nevola betont: „Ich habe mit niemandem gestritten.“

Dennoch kommt seine Entscheidung, bei den Gemeindewahlen am 20./21. September nicht mehr antreten zu wollen, für viele überraschend: Immerhin war Nevola intern bereits zum Spitzenkandidat der „Carroccio“-Liste auserkoren worden.

Nach Informationen der TAGESZEITUNG hat der Abschied vor allem mit der Ernennung von Francesca Tosolini zur neuen Präsidentin des Wohnbauinstituts zu tun. Denn der lukrative Posten war zuvor eigentlich Luigi Nevola versprochen worden.
Doch der Reihe nach:

Am Dienstag vor einer Woche beriet die Landesregierung über die Frage, wer neuer Wobi-Vorsitzender werden soll. Die SVP hätte am liebsten an Amtsinhaber Heiner Schweigkofler festgehalten, damit dieser die angestoßenen Reformen fortsetzen kann. Die beiden Lega-Landesräte Giuliano Vettorato und Massimo Bessone machten Landeshauptmann Arno Kompatscher aber deutlich, dass sie unter enormen medialen Druck stünden. Aus ihrer Sicht sei es nicht vermittelbar, wenn nun auch dieses Amt an einen deutschsprachigen Südtiroler gehen würde, nachdem die Lega bereits zugunsten von Waltraud Deeg auf das Wohnbau-Assessorat verzichtet hatte. Kompatscher lenkte schließlich ein und gestand den italienischen Landesräten zu, einen Vorschlag für die Wobi-Präsidentschaft zu machen.

Das Problem: Die Lega ist seit den Landtagswahlen von 2018 in zwei Flügel gespalten. Auf der einen Seite steht der einflussreiche Kammerabgeordnete Filippo Maturi, der sich eines direkten Drahts zu Lega-Chef Matteo Salvini erfreut und daher bei jeder Entscheidung ein Wörtchen mitreden will. Zu Maturis Unterstützern gehört nicht nur Vize-LH Giuliano Vettorato, sondern auch der aus Mailand stammende Lega-Kommissär Maurizio Bosatra. Auf der anderen Seite stehen alle Leghisti, die mit dem selbstbewussten Parlamentarier ihre Schwierigkeiten haben – das ist vor allem die Parteibasis außerhalb Bozens.

Für den Anti-Maturi-Flügel war von Anfang an klar, wer den Posten beim Wobi übernehmen soll: nämlich Luigi Nevola. Der Bozner Anwalt ist einer der (vergleichsweise) wenigen Partei-Exponenten, die einen Studienabschluss vorweisen. Nevola war auch in die Koalitionsverhandlungen mit der SVP eingebunden worden, wo er in der Arbeitsgruppe für Raumordnung, Landschaft, Landwirtschaft, Umwelt, Energie, Städte und ländlicher Raum mitwirken konnte. „Es wäre ein schönes Zeichen gewesen, jemanden, der immer für die Lega gekämpft, Gazebos organisiert und Wahlen bestritten hat, mit diesem Amt zu belohnen“, heißt es aus der Partei. Deshalb sicherte man dem Bozner die Wobi-Präsidentschaft zu, sollte der Posten an einen Italiener gehen.

Doch die Nevola-Befürworter machten die Rechnung ohne Filippo Maturi: Als der Kammerabgeordnete von den Plänen seiner Gegenspieler Wind bekam, intervenierte er sofort bei Vize-LH Vettorato und bei Kommissär Bosatra und schlug kurzerhand Francesca Tosolini für das Amt vor. Die 40-Jährige ist zwar kein Parteimitglied, wurde von der Lega aber schon vor einem Jahr mit einem lukrativen Posten ausgestattet, als man sie in den Verwaltungsrat der Südtiroler Einzugs-AG entsandte. Böse Zungen in der Partei behaupten, dass dafür weniger ihre Ausbildung und Fähigkeiten ausschlaggebend waren, sondern die Tatsache, dass ihr Mann, der Bozner Immobilienhändler Igor Favretto, seit Jahren mit Maturi befreundet ist.

Der Kammerabgeordnete setzte sich am Ende mit seinem Vorschlag durch: Seit einer Woche leitet Francesco Tosolini nun das Südtiroler Wohnbauinstitut. Nevola hat diese Enttäuschung nicht verkraftet und kehrt seiner Partei den Rücken. Nach Carlo Vettori ist er nun schon das zweite prominente „Opfer“ des eigentlichen Lega-Chefs Maturi binnen weniger Monate.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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