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Bauforschung erzählt Geschichte des Hauses

Museum Eccel Kreuzer: Ein typisches Laubenhaus.

Wann entstand das historische Gebäude in der Altstadt von Bozen, in dem das Museum Eccel Kreuzer seinen Sitz hat? Und wie hat es sich im Laufe der Zeit entwickelt? Eine vom Betrieb Landesmuseen mit dem Denkmalamt und dem Landesamt für Hochbau durchgeführte, bauhistorische Untersuchung klärt diese Fragen.

Die Firma bauforschung-tirol übernahm dabei die Untersuchung vor Ort sowie eine Archivrecherche zur Sichtung von historischen Bildern und Plänen, während der Historiker Hannes Obermair die historischen Quellen auswertete. Zu Beginn wurden die strukturellen und funktionalen Zusammenhänge der Bauteile systematisch analysiert: Dabei sondierten die Fachleute das Mauerwerk und die Putzoberflächen, entnahmen Proben an verschiedenen Bauhölzern und datierten diese.

Das Ergebnis der nun abgeschlossenen Arbeiten lautet folgendermaßen: Bei dem Gebäude handelt es sich um ein typisches Laubenhaus, das sich von den südlichen Lauben bis zur Silbergasse erstreckt. Ursprünglich dürfte es sich um ein Handelsgebäude an den Lauben mit einem südlich angeschlossenen Lagerhaus und ein zunächst unabhängiges Wohnhaus an der Silbergasse gehandelt haben. Das jetzt bestehende Gebäude wuchs aus jenen drei einzelnen Häusern zum heutigen Bestand mit drei Lichthöfen zusammen.

Die romanischen Kernbauten aus dem 13. Jahrhundert wurden in den folgenden Jahrhunderten erweitert und ausgebaut; das Haus an der Silbergasse wurde dabei bereits im Spätmittelalter auf die heutige Breite ergänzt. Während in beiden Gebäuden die ersten gotischen Ausbauten nicht mehr oder nur an älteren Öffnungen an den Fassaden abzulesen sind, prägen folgende Ausbauten der Gotik und Renaissance noch heute das äußere Erscheinungsbild und den Raumeindruck im Inneren: So wurden im Haus an der Silbergasse um 1500 die ebenerdigen Räume eingewölbt und in den darüber liegenden Geschossen zeittypische Wohneinheiten mit Stube, Küche und Kammer geschaffen. Das nördliche Haus an den Lauben wird erst in Folge repräsentativ ausgebaut und mit charakteristischen Raumelementen eines Bozner Bürgerhauses mit Vorplatz und Küche zum Lichthof ausgestattet. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein funktional zugehöriges und über den großen Lichthof vom Wohnhaus getrennt stehendes Lagergebäude angefügt. Die Parzelle wurde somit tief bis zur Silbergasse verbaut, dass zum südlichen Haus nur noch ein weiterer, kleiner Lichthof frei blieb. Vermutlich dann, aber spätestens in der folgenden Bauphase waren alle drei Häuser unter einem Besitzer vereint. Mit Anlage des oberen Geschosses am Laubenhaus und des Abschlusses am großen Lichthof mit ansteigender Doppeltonne wurde damit die Höhenentwicklung vermutlich bereits Ende des 16. Jahrhunderts abgeschlossen. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert wurden nur Ausstattungen in den Wohnräumen erneuert und ergänzt; erst im 20. Jahrhundert kam es wieder zu prägenden baulichen Eingriffen. Bei einem Umbau der Geschäftsräume an den Lauben 1924/25 wurden die unteren Geschosse entkernt. Mit Übernahme des Besitzes durch die Familie Eccel Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude zunächst vor allem mit neuen Türen und Fenstern ausgestattet. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden dann auch die Dachgeschosse, eines davon geplant vom Südtiroler Architekten Othmar Barth, zu Wohnzwecken adaptiert und die Räumlichkeiten der Obergeschosse zunehmend für die umfangreiche Kunstsammlung genutzt.

Das Laubenhaus Kreuzer bildet mit seiner Struktur und Ausstattung ein eindrückliches Beispiel eines Bozner Bürger- und Handelshauses. Das Gebäude ist nachweislich seit seiner Errichtung als Handelsgebäude in Funktion und hat seine mittelalterlichen und gotischen Grundstrukturen weitgehend erhalten. Unter dem Besitz der Kaufmannsfamilie Eccel beginnt eine Ära als Einrichtungsgeschäft und Kunstgalerie, die dem Haus seinen heutigen Namen und die heutige Bestimmung gibt.

Zur erfolgten Bauforschung meint Landeshauptmann Arno Kompatscher: „Josef Kreuzer hat uns in der Silbergasse in Bozen ein Haus voller Kunst hinterlassen, worin seine Liebe zur Kunst und seine Liebe zur Heimat zum Ausdruck kommen. Die Bedingung, die er dabei gestellt hatte und zwar das Haus mit den vielen Kunstwerken zugänglich zu machen, haben wir uns zu Herzen genommen: Seit seinem Tod im Jahr 2017 arbeiten verschiedene Landesämter an der notwendigen Adaptierung des Hauses, sodass wir den Museumsbetrieb im September wieder mit Führungen aufnehmen können. Die nun erfolgte Bauforschung hat uns in dieser Hinsicht um ein großes Stück vorangebracht.“

Im Oktober wird das Haus wieder für das Publikum geöffnet. Neben einer Sonderausstellung im Erdgeschoss zu den Künstlerinnen der Sammlung werden dann auch wieder Führungen für kleine Gruppen durch das Haus angeboten. Anmeldungen für die Führungen unter: [email protected] oder +39 0471 301621.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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