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13 Sonnenschutz-Mythen

Schützt Vorbräunen vor Sonnenbrand? Ist Sonnencreme im Schatten überhaupt notwendig? Und führt zu viel Sonnencreme zu Vitamin-D-Mangel? Die Tageszeitung räumt mit den gängigsten Sonnenschutz-Mythen auf.

von Eva Maria Gapp

Rund ums Sonnenbad ranken sich zahlreiche Mythen und Halbwahrheiten. Doch was ist wirklich dran? Die TAGESZEITUNG macht gemeinsam mit dem Bozner Dermatologie-Primar Klaus Eisendle einen Faktencheck.

1. Mythos: Im Schatten und hinter Glas braucht man keinen Sonnenschutz

Stimmt nur bedingt.

Klaus Eisendle: „Die Strahlungsintensität ist zwar geringer, aber man kann trotzdem im Schatten einen Sonnenbrand bekommen. Denn Schatten reduziert die Sonnenstrahlung um lediglich 50 Prozent. Auch Wolken schützen kaum vor UV-Strahlen. Bis zu 70 Prozent der UV-Strahlung können durch Wolken hindurchgelangen. Ausreichender Schutz ist also auch im Schatten erforderlich. Und auch hinter Glas ist man vor einem Sonnenbrand nicht geschützt. Denn normales Fensterglas lässt schädliche UV-Strahlen durch. Man weiß auch von Menschen, die sehr viel Auto fahren, dass sie auf der linken Gesichtshälfte mehr Hautkrebs entwickeln als auf der rechten. Denn auf der linken Seite sind sie ständiger Sonnenstrahlung ausgesetzt. Glas schützt also nicht.

2. Mythos: Im Wasser ist man sicher

Stimmt nicht.

Klaus Eisendle: „Wasser ist besonders gefährlich, da die Oberfläche des Wassers die Strahlen reflektiert und sie dadurch verstärkt. Am Strand und am Wasser kann man sich also besonders schnell einen Sonnenbrand holen. Und auch unter Wasser ist man nicht vor der Sonne sicher.“

3. Mythos: Nur teure Sonnencreme schützt

Stimmt nicht.

Klaus Eisendle: „Das ist eindeutig falsch. Billiger Sonnenschutz wirkt gleich gut. Zahlreiche Tests haben bewiesen, dass der Preis nichts über die Qualität von Sonnencremes aussagt. Es muss also nicht das teuerste Produkt sein. Allerdings sind teurere Produkte oft auch für Allergiker getestet.“

4. Mythos: Mehr Sonnencreme heißt mehr Sonnenschutz

Stimmt.

Klaus Eisendle: „Es ist wichtig, viel Sonnencreme auf der Haut aufzutragen. Das Problem ist aber, und das zeigen auch Studien, dass die meisten zu wenig Creme verwenden. Als Faustregel gilt: Zwischen zwei und vier Zentiliter Sonnenschutzmittel pro Ganzkörperanwendung. Das entspricht ungefähr ein bis zwei Schnapsgläsern. Ein Klacks Creme auf die Nase, ein Klacks auf den Bauch reicht also nicht aus. Dabei sollte es eine Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 sein, am besten 50. Unter 30 schützt eine Creme nicht vor Hautkrebs.“

5. Mythos: Sonnencreme muss einmassiert werden, damit sie wirkt

Stimmt nicht.

Klaus Eisendle: „Es reicht, die Sonnencreme locker einzumassieren. Sie muss nicht intensiv eingerieben werden. Das heißt aber nicht, dass gründliches Einmassieren schlecht ist oder weniger Schutz bietet. Grundsätzlich ist wichtig, dass man Körperpartien nicht vergisst und mit der Creme nicht spart. Außerdem sollte man sich 30 Minuten vor dem Sonnenbad eincremen.

6. Mythos: Vorbräunen im Solarium schützt vor Sonnenbrand

Stimmt nicht.

Klaus Eisendle: „Ich halte generell nichts von Solarien, weil sie das Schlimmste sind, was man seiner Haut antun kann. Da züchtet man sich den Krebs regelrecht an. Sie werden auch von der EU als krebserregend eingestuft. Und Vorbräunen im Solarium schützt auch nicht vor einem Sonnenbrand. Vielmehr steigt das Risiko für Hautkrebs. Solarien filtern zwar die UV-B-Strahlen weitestgehend heraus, da sie eine der Hauptursache für schwarzen Hautkrebs sind. Doch mittlerweile weiß man, dass auch UV-A Strahlen zu Schäden führen. Sie lassen die Haut schneller altern und können ebenfalls Hautkrebs verursachen. Und man darf nicht vergessen: Im Solarium legen sich die Menschen nackt hinein, sie kriegen also die Sonnenstrahlen von allen Seiten ab. Im Freien ist das meist nicht der Fall. Das macht das Solarium umso schädlicher. Und was noch hinzu kommt: Selbst eine optimal gebräunte Haut entspricht höchstens einem Lichtschutzfaktor von vier bis sechs. Das ist viel zu wenig.“

7. Mythos: Kleidung schützt vor Sonnenbrand

Stimmt nur teilweise.

Klaus Eisendle: „Kleidung schützt sehr gut, aber man darf nicht vergessen, dass die Sonnenstrahlen auch durch Stoff hindurchdringen können. Kleidung ist also kein 100-prozentiger UV-Schutz. Vor allem bei dünner, heller Kleidung muss man aufpassen. Deshalb ist es wichtig, dass man die Haut unter der Kleidung ebenfalls eincremt. Am besten ist es, wenn man auf spezielle Sonnenschutz-Kleidung zurückgreift.“

8. Mythos: Zu viel Sonnencreme führt zu Vitamin-D-Mangel

Stimmt nicht.

Klaus Eisendle: „Studien haben gezeigt, dass dies nicht stimmt. Es wurden Menschen untersucht, die einen ganzen Sommer lang mit einer dicken Schicht Sonnenschutz an die Sonne gegangen sind. Am Ende des Sommers hat man dann Blut abgenommen, und da hat man keinen Vitamin-D-Mangel festgestellt. Die konsequente Verwendung von Sonnencreme beeinträchtigt also nicht die Bildung des Vitamins in der menschlichen Haut. Darüber braucht man sich keine Sorgen machen.

9. Mythos: Medikamente können in der Sonne zu Pigmentflecken führen

Stimmt.

Klaus Eisendle: „Bei der Einnahme bestimmter Medikamente ist das Risiko ein Melasma, also dunkle Pigmentveränderungen zu entwickeln, erhöht. Dazu gehören zum Beispiel die Pille oder Hormonpräparate. Aber auch gewisse Antibiotika, sogenannte Tetrazykline, können die Sonnenempfindlichkeit erhöhen. Hier ist es unbedingt wichtig, beim Arzt nachzufragen, weil diese Menschen schwere Verbrennungen bekommen können. Und auch bei gewissen Parfümen ist Vorsicht geboten. Denn sie können braune Flecken auf der Haut hinterlassen, die dann fast nicht mehr weggehen. Es ist deshalb ratsam, kein Parfum auf die Haut zu sprühen, wenn man in die Sonne geht.“

10. Mythos: After-Sun-Produkte sind überflüssig

Stimmt nicht.

Klaus Eisendle: „After-Sun-Produkte sind wirklich sinnvoll. Wenn man einen Sonnenbrand hat, ist das sehr unangenehm und schmerzhaft. Man sollte deshalb kühlende Lotionen oder Cremes verwenden, am besten eignen sich After-Sun-Produkte. Sie enthalten vor allem beruhigende Substanzen und haben einen kühlenden Effekt. Auf keinen Fall sollte man fettende Cremes verwenden.“

11. Mythos: Wasserfester Sonnenschutz muss nach dem Baden nicht erneut aufgetragen werden

Stimmt nicht.

Klaus Eisendle: „Es ist unbedingt wichtig, dass man sich nach jedem Gang ins Wasser wieder eincremt. Denn selbst wasserfeste Cremes waschen sich beim Baden teilweise ab und halten nur für eine gewisse Zeit. Generell gilt auch, dass man sich alle paar Stunden erneut eincremt.“

12. Mythos: Ein Sonnenbrand verwandelt sich in Bräune

Stimmt nicht.

Klaus Eisendle: „Zunächst muss gesagt werden, dass Bräune nicht gesund ist. Denn jede Bräune bedeutet, dass die Haut einen Schaden erlitten hat. Ein Sonnenbrand ist eine Verbrennung der Haut 1. oder 2. Grades, das dürfen wir nicht vergessen. Er ist auch keine Vorbereitungsstufe für das Bräunen. Und außerdem: Man wird genauso braun, auch ohne Sonnenbrand. Es ist ebenso ein Mythos, dass man mit Lichtschutzfaktor 50 nicht braun wird. Im Gegenteil: Man schützt sich nicht nur vor einem Sonnenbrand, sondern trägt auch dazu bei, dass die Bräune länger hält. Auch im Schatten kann man braun werden. Aber wie gesagt: Bräune ist nicht gesund.“

13. Mythos: Sonnenbrand auf der Kopfhaut bekommen nur Männer mit Glatze

Stimmt nicht:

Klaus Eisendle: „Jeder kann einen Sonnenbrand auf der Kopfhaut bekommen. Vor allem der Scheitel oder der Haarwirbel sind gefährdet. Deshalb sollte man immer eine Kopfbedeckung tragen, um den Kopf vor Sonnenstrahlen zu schützen.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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