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Der Fanatiker

Das neue Buch von Josef Gelmi „Ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte Südtirols. Generalvikar Alois Pompanin (1889 – 1966)“ schildert das Leben und Wirken des mächtigen und umstrittenen Generalvikars Alois Pompanin. Autor Gelmi schildert wie auf Pompanin der Schatten seines geradezu fanatischen Einsatzes für die Umsiedlung nach Deutschland lastet. Bei der Buchvorstellung betonte Bischof Ivo Muser heute (25. Juni 2020), dass die Arbeit über Pompanin helfe, „sensibel, hellhörig und kritisch“ auch gegenüber heutigen Tendenzen zu sein.

Am 25. Juni 1940, also auf den Tag genau vor 80 Jahren, optierten der Brixner Fürstbischof Johannes Geisler und sein Generalvikar Alois Pompanin für das Deutsche Reich. Die überwiegende Mehrheit des Klerus hingegen optierte gegen die Auswanderung. „Die Option von Fürstbischof Geisler war ein Schock für die Dableiber und eine Ohrfeige für den Papst“, analysiert Buchautor Josef Gelmi das Vorgehen des Brixner Oberhirten im Jahr 1940, das wohl maßgeblich von Genervikar Pompanin beeinflusst war.

In seinem neuesten Buch schildert Gelmi das Leben und Wirken des wohl mächtigsten Generalvikars der Diözese Brixen. Für Gelmi stellen sich auch nach eingehender Beschäftigung mit der Person Pompanin die Fragen, „warum ein so brillanter Kopf nicht imstande war, die Gefahren des Nationalsozialismus zu erkennen, und wieso Pompanin das Heil für Südtirol einzig und allein im Deutschtum sah“.

Unleugbar sei, dass Pompanin ein bescheidener, frommer und vor allem gelehrter Priester war, sagte Gelmi bei der Buchvorstellung. „Es bleibt aber der Schatten seines geradezu fanatischen Einsatzes für die Umsiedlung nach Deutschland, was umso schwerer wiegt, als sein Einfluss auf Bischof Geisler im Laufe der Zeit immer größer wurde. Im Unterschied zu Geisler scheint Pompanin das eigene Handeln auch im Nachhinein kaum kritisch reflektiert zu haben, geschweige denn, dass er irgendwelche Formen der Reue zu erkennen gegeben hätte“, so Gelmi.

Generalvikar Eugen Runggaldier sagte bei der Buchvorstellung, dass in der nun vorliegenden Publikation viele Fragen eine Antwort finden würden. Generalvikar Runggaldier ist auch überzeugt davon, dass „dieses umfassende Werk hilft, sich sachlich mit einem Menschen und mit der Geschichte auseinanderzusetzen. In Südtirol haben wir noch viel zu tun, um gerade dieses Kapitel der Geschichte aufzuarbeiten. Dieses Buch ist ein wichtiger Schritt dazu.“

Bischof Ivo Muser bemerkte dazu, dass er in seiner Schulzeit kaum mit dem Thema Option konfrontiert wurde und es grundsätzlich schwierig sei, sich der erlebten Geschichte zu stellen. Für den Bischof trägt demnach Geschichtsvergessenheit nie zur gesellschaftlichen Aufarbeitung von Geschehenem und zur Versöhnung bei. „Deshalb bin ich dankbar für dieses Werk über Generalvikar Pompanin. Die Auseinandersetzung mit Geschichte und Persönlichkeiten soll uns helfen, uns der Vergangenheit zu stellen – in der Familie, in der Gesellschaft, in Politik und natürlich auch in der Kirche“, sagte der Bischof. Besonders zum Nachdenken angeregt hat Bischof Muser das Foto von Fürstbischof Geisler, auf dem dieser die Unterschrift unter das Optionsformular setzt. Geisler hatte sich dazu den Bischofsring vom Finger genommen und erklärt, dass er diesen Schritt als Deutscher und nicht als Bischof getan hätte. Dazu sagte Bischof Muser, dass diese Szene verdeutlicht, wie dramatisch es damals gewesen sein müsse. „Mit dem Ausziehen des Ringes ist es aber nicht getan. Amt und Mensch sind nicht zu trennen. Dieses Buch verhilft uns dazu, sensibel, hellhörig und kritisch auch gegenüber den heutigen Tendenzen zu sein. Geschichte möge immer eine Lehrmeisterin sein“, sagte Bischof Muser.

Das Buch „Ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte Südtirols. Generalvikar Alois Pompanin (1889 – 1966) ist im Weger-Verlag erschienen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • summer

    Wirklich frommes Geplappere, denn Alois Pompanin war damals natürlich der einzige Gröfaz-Fan.
    Die Rattenlinie bleibt aber weiterhin unaufgearbeitet in Bezug auf die Danaligen Priester und Klöster der Diözese, welche wissend hochrangigen Kriegsverbrechern die Türen öffneten.
    Ein Schreckgespenst, das sich bis nach Rom zog, speziell in die Anima mit Bischof Hudal und dem Roten Kreuz.

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