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Giorgio Battistelli

 

Der neue künstlerische Leiter des Haydn Orchesters Giorgio Battistelli (Foto: Masotti Ricordi)

Der Verwaltungsrat der Stiftung Haydn von Bozen und Trient ernannte in seiner Sitzung vom 22. Juni 2020 einstimmig Giorgio Battistelli zum neuen künstlerischen Leiter des Haydn Orchesters. Er folgt auf den Florentiner Daniele Spini, dessen Amtszeit im August 2021 ausläuft.

In den vergangenen Monaten sichtete der Vorstand der Stiftung Haydn trotz der Covid-19-Notsituation mehr als 50 Bewerbungen aus ganz Europa. Nach einer Reihe von virtuell geführten Gesprächen fiel die Wahl auf Giorgio Battistelli, der damit ab September 2021 für die Konzertplanung des Orchesters verantwortlich zeichnet.

Battistelli beeindruckte den Vorstand mit seinem facettenreichen Curriculum, seiner langjährigen Erfahrung als künstlerischer Leiter renommierter Kulturbetriebe wie das Teatro dell’Opera di Roma, die Biennale von Venedig, die Arena von Verona und das Orchestra Regionale della Toscana sowie mit seinem visionären Blick und seiner Innovationskraft.

Netzwerk. Er überzeugte mit seinem Wunsch, das Orchester verstärkt mit kulturellen und anderen Institutionen unseres Landes zusammenzuführen und mit seiner Vision, unseren Klangkörper auch auf europäischer Ebene zu vernetzen.“

Giorgio Battistelli ist hocherfreut über seine neue Aufgabe: „Ich habe das Orchester immer als eine Einheit gedacht, das von Individuen getragen wird, die Leidenschaft und gemeinsame ethische Prinzipien vereinen. Gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen des geschätzten Haydn Orchesters freue ich mich besonders, einen Weg zu beschreiten, der in jedem Fall die Entwicklung des Klangkörpers weiter fördern wird, der aber auch die Besonderheiten eines jeden einzelnen Musikers und jeder Musikerin zum Tragen bringen soll. Wir werden ein Orchester sein, das nicht zeitgenössisch, aber hochmodern ist, das als Gemeinschaftsgut mit gesellschaftlich und spirituell relevanten Inhalten aufwartet und diese allen Menschen zugänglich macht.“

Als künstlerischer Leiter der Konzertprogramme soll Giorgio Battistelli vorerst drei Jahre im Amt bleiben. In den kommenden Monaten wird er dem Orchester sein künstlerisches Konzept vorstellen und sich mit den Kollegen des künstlerischen Leitungsteams der Stiftung – aktuell gehören diesem neben Daniele Spini, Matthias Lošek (Opernprogramm) und Emanuele Masi (Festival Tanz Bozen) an – austauschen.

Der  Präsident der Stiftung Haydn Paul Gasser dankt im Namen des Verwaltungsrates dem derzeitigen künstlerischen Leiter Daniele Spini für seinen professionellen Einsatz und die Leidenschaft, mit der er sein neunjähriges Mandat ausgeübt hat – sein Vertrag konnte aufgrund der geltenden gesetzlichen Regelungen nicht mehr verlängert werden.

Paul Gasser zur Ernennung: „Mit Giorgio Battistelli im künstlerischen Leitungsteam der Stiftung Haydn garantieren wir weiterhin die künstlerische Qualität und setzen gleichzeitig auf Innovation, so wie es in unseren strategischen Leitlinien vorgesehen ist. Der Maestro punktete mit seinem Konzept und einem großen professionellen Netzwerk. Er überzeugte mit seinem Wunsch, das Orchester verstärkt mit kulturellen und anderen Institutionen unseres Landes zusammenzuführen und mit seiner Vision, unseren Klangkörper auch auf europäischer Ebene zu vernetzen.“

 

Zur Person

 

Giorgio Battistelli studierte am Alfredo Casella-Konservatorium in L’Aquila, wo er 1978 sein Kompositionsdiplom bei Giancarlo Bizzi erwarb. Bereits 1974 gehörte er zu den Mitbegründern des Gruppo di Ricerca e Sperimentazione Musicale “Edgar Varèse”. 1975 besuchte er die Seminare von Karlheinz Stockhausen und Mauricio Kagel in Köln; 1978/79 studierte er in Paris bei Jean Pierre Drouet und Gaston Sylvestre. Seine ersten Kompositionen waren Uno e trinofür einen Schlagzeuger (1975), Comme un opéra fabuleux, wiederum für einen Perkussionisten (1979), und Il racconto di Monsieur B für Orchester (1980). seit 1986 erscheinen seine Werke im Hause Ricordi in Mailand.

In den 80iger Jahren etabliert sich Battistelli als einer der interessantesten Komponisten seiner Generation.  Zu seinen wichtigsten Werken in dieser Zeit zählen Experimentum mundidas mehr als zweihundert Mal aufgeführt worden ist und den „Herald Angel Award“ gewann; Aphrodite; Jules Verne; Le combat d’Hector et d’Achille, représentation de corps et de mémoire(Straßburg); Globe Theatre, Ballett zur Jahrtausendwende zur Choreographie von Virgilio Sieni), Anarca für Orchester. 1983 erhielt er ein Stipendium vom Rundfunk in Baden-Baden, 1985/86 war er Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin.

Den deutschen Kultur- und Musikinstitutionen blieb er auch danach verbunden erhielt zahlreiche  Konpositionsaufträge, darunter: Die Entdeckung der Langsamkeit(Theater Bremen, 1996), Auf den Marmorklippen(Nationaltheater Mannheim, 2002), El otoño del patriarca(Theater Bremen, 2004), Fashion(Deutsche Oper am Rhein, 2008), Lot(Staatsoper Hannover, 2017). Aber auch Teorema, frei nach Pier Paolo Pasolini, eine Koproduktion des Maggio Musicale Fiorentino und der Münchener Biennale und Frau Frankenstein,im Auftrag des Ensemble Modern.

Seine Werke wurde im Laufe der Zeit an verschiedenen Theatern wieder aufgenommen: die Oper Richard III., in Vlaamse im Jahr 2005 uraufgeführt Oper, wurde mit großem Erfolg in Düsseldorf (2007), in Straßburg (2009), in Genf (2012) und in Venedig (2018) unter der Leitung von Robert Carson aufgeführt.  Die Oper erhielt im selben Jahr den Premio ‚Franco Abbiati‘. Ebenso erfolgreich warProva d’Orchestra (frei nach Federico Fellinis Film), ein Komissionaauftrag der Opéra National du Rhin in Straßburg 1995.  1997 wurde die Oper in Düsseldorf gezeigt, 2001 in Rom, 2004 in Linz, 2006 in Antwerpen, 2007 in Bern, 2009 in Nürnberg und 2017 in Münster.

Zu den Opernproduktionen der letzten Jahre gehören die Komödie The Mad Doctor(2014) frei nach dem gleichnamigen Stück von Eduardo Scarpetta, in Auftrag gegeben von der Opéra national de Lorraine, wurde; CO2(2015), Kommission des Teatro alla Scala; Lot(2017), eine Kommission der Staatsoper Hannover; Wake (2018), im Auftrag der Birmingham Opera Company; 7 Minuten(2019), im Auftrag der Opéra national de Lorraine.

Auch die Liste seiner sinfonischen Werke ist umfangreich: Zu seinen repräsentativsten Stücken gehören Meandri, geschrieben für Riccardo Muti und die Filarmonica della Scala (2004), Afterthought (about a Shakespearean tragedy), ein Auftragswerk der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, erstmals von Antonio Pappano dirigiert (Rom 2005); Sconcerto(2010) ein Stück zum Text von Franco Marcoaldi und interpretiert von Toni Servillo; H 375(2010), eine Kommission der Staatsoper Hannover zum 375. Jahrestag der Gründung des Niedersächsischen Staatsorchesters; Mytery Plan(2012), ein Auftragswerk für das Saint Paul Chamber Orchestra; Pacha Mama(2012) Kommission des KlangZeitFestival, Münster.

Giorgio Battistelli wirkt seit zwanzig Jahren in renommierten Musikorganisationen im In- und Ausland: von 1996 bis 2002 war er direttore artisticodes Orchestra della Toscana, von 2000 bis 2005 in der selben Funktion bei der Società Aquilana dei Concerti, 2004 bis 2007 war er Intendant der Biennale Musica in Venedig, 2005 bis 2007 direttore artisticoder Accademia Filarmonica Romana, 2005 bis 2006 war er composer in residenceder Oper in Antwerpen, 2007 bis 2008 an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf,  2006 bis 2008 künstlerischer Leiter an der Arena von Verona, 2011 wird er zum direttore artisticodes Orchestra della Toscana in Florenz ernannt .Im Jahr 2015 erhält den Posten des Künstlerischen Leiters am Teatro dell‘ Opera di Roma. Seit 2020 ist er künstlerischer Leiter des Festival Puccini di Torre del Lago.

2003 wurde er in Frankreich zum Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres ernannt; seit 2004 ist er ordentliches Mitglied der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. Und 2013 wird ihm der Verdienstorden der italienischen Republik (Komtur) verliehen.

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