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Neue Festivalwege 

Beim Biografilm-Festival in Bologna gewinnt „Walchensee forever“, und ich war dabei. Von zu Hause aus.

von Renate Mumelter

Hoch interessant war nicht nur das Angebot des Biografilm-Festival 2020 sondern auch sein Format. 

Die Veranstalter machten aus der Corona-Not eine Tugend und ließen das Festival online laufen. Sie verzichteten sogar auf den Eintritt. Festivalleiterin Leena Pasanen war über die 45.000 Vormerkungen für das Hera Theatre an den 10 Festivaltagen selbst überrascht. „Ich bin begeistert vom Interesse an der virtuellen Festivalausgabe“, sagte sie bei der Abschlussveranstaltung. Im kommenden Jahr bleibe man zweigleisig, wolle man auch jenen „eine Möglichkeit zur Festivalteilnahme bieten, die nicht nach Bologna kommen können“. Nicht alle nämlich können Urlaub nehmen, haben genügend Geld oder wohnen nahe genug. 

Wenn es mehr Festivals schaffen würden, zweigleisig zu fahren, täte das langfristig auch dem Kino gut. Es hält das Interesse wach, und es steigert die Lust, sich auch real zu treffen. Das könnte eine der positiven Erfahrungen aus dem Lockdown sein. Logistisch und technisch ist es möglich. 

Bei „Biografilm“ fand diesmal auch die Sektion „Bio to B“ online statt. Auch hier war die Teilnahme rege. „Mehr als 160 Akkreditierte aus der ganzen Welt konnten von zu Hause miteinander in Verbindung treten“, erzählte Pasanen. „Bio to B“ ist ein Pitching-Verfahren, bei dem AutorInnen und ProduzentInnen Filmprojekte vorstellen und diskutieren lassen. Die besten bekommen einen Geldpreis und können damit gut weiter arbeiten. Alle anderen bekommen gute Tipps und neue Perspektiven. „Bandiera rossa, ovvero la storia di come a otto anni sono diventato comunista e ora non so più chi cazzo votare“ von Nicola Piovesan gewann einen der Preise. 

Frauen gewinnen

Leiterin Pasanen freute sich über den großen Frauenanteil und die hohe Qualität der Filme. „Walchensee forever“ von Janna Li Wonders gewann den Hauptpreis. Eine Familien-, Generationen- und Frauengeschichte, die unbedingt nach Südtirol kommen sollte.  

Iryna Tsilyk gewann in der Kategorie „Neue Talente“ mit „The Earth is blue as an Orange“. Eine besondere Erwähnung gab es für „Wake up on Mars“ von Dea Gjinovci und eine für „Noodle Kids“ von Huo Ning. Dieser Film erzählt von einem Jugendlichen in China, der in die große Stadt geschickt wird, um die gastronomische Kunst des Nudel-Werfens zu erlernen. Damit soll er die arme und verschuldete Familie unterstützen. 

Ein Film, der nachwirkt, genau so wie der norwegische „Self Portrait“ von Katja Hogset, Margreth Olin, Espen Wallin. In den Mittelpunkt stellt sich die schwer an Anorexie erkrankte Fotografin Lene Marie Fossen. Sie möchte nicht als Kranke sondern als die geniale Fotografin wahrgenommen werden, was sie zweifelsohne ist.

Unter www.biografilm.it gibt es noch die Gespräche mit Autorinnen und Autoren, die Vorstellungsvideos zu den Filmen und die Preisverleihung zu sehen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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