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„Hier spricht Gullotta“

Der höchste Schulbeamte des Landes, Vincenzo Gullotta, soll in der Schule seines Sohnes angerufen und erwirkten haben, dass zwei Noten nach oben korrigiert wurden. Die Protokolle.

von Artur Oberhofer

Man kann sich die Szene, die sich im Hause Gullotta abgespielt haben könnte, wie folgt vorstellen: Der Sohn des höchsten Schulbeamten des Landes, der in diesem superturbulenten Schuljahr die zweite Klasse der Mittelschule besucht hat, bringt sein Zeugnis heim.

Der Vater, der als Bildungsdirektor der italienischen Schule in Südtirol formal sogar höhergestellt ist als die Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner, ist ganz und gar nicht zufrieden. Der Grund: Sein Sohn hat im Fach Musikerziehung nur eine 7 – und im Fach Technik gar nur eine 6 bekommen.

Der möglicherweise in seinem Beamtenstolz verletzte Bildungsdirektor Vincenzo Gullotta ruft in der Schule – es ist die Mittelschule „Ugo Foscolo“ in Bozen – an. Daraufhin wird der Klassenrat zu einer Sondersitzung einberufen, die am Freitag, 12. Juni ab 15.20 Uhr stattfindet.

In dieser Sitzung, die eine halbe Stunde dauert, werden die beiden Noten des Gullotta-Sohnes jeweils auf die Note 8 nach oben korrigiert.

Vater zufrieden! Alle zufrieden?

Nachdem der Corriere dell’Alto Adige und salto.bz zuerst über diesen mutmaßlichen Fall von bildungspolitischer Einflussnahme berichtet haben, hat zuerst der Direktor der Foscolo-Mittelschule, Franco Lever, den Anruf des Bildungsdirektors bestritten. „Es hat keinen solchen Anruf gegeben.“

Auch vonseiten Vincenzo Gullottas kam ein flammendes Dementi: „Die Darstellung (des Corriere dell’ Alto Adige, Anm. d. R.) entspricht nicht der Wahrheit und beruht auf Fakten, die es nie gegeben hat.“

Pech für Schuldirektor Franco Lever und Bildungsdirektor Vincenzo Gullotta: Es gibt ein offizielles Protokoll der Sondersitzung des Klassenrates der 2 F vom 12. Juni dieses Jahres, bei der es nur einen einzigen Tagesordnungspunkt gab: „Revision des Abschlussbewertung“ des Schülers (…) Gullotta.

Laut diesem offiziellen Sitzungsprotokoll, das samt Zeugnis auch der TAGESZEITUNG vorliegt, habe es sehr wohl einen Anruf der „Familie Gullotta“ beim Schulleiter gegeben („A seguito della comunicazione telefonica ricevuta dalla famiglia …“). Schuldirektor Franco Lever muss in der Folge die betroffenen Professoren zum Rapport gerufen haben. Denn Fakt ist, dass in der Sondersitzung des Klassenrates vom vergangenen Freitag eine schriftliche Stellungnahme des Technik-Professors, dessen Note beanstandet wurde, vorgelegt wurde. In dieser Erklärung spricht Professor Francesco Migliaccio – der in der Sitzung auch persönlich anwesend war – von einem „Formfehler bei der Abschlussbewertung“ der Leistungen des Schülers Gullotta und ersucht das Gremium, die Note nach oben zu korrigieren – „von 6 auf 8“.

Etwas schwieriger und komplexer gestaltete sich offenbar die Korrektur der Musiknote des Schülers Gullotta von 7 auf 8: Musikprofessor Michele Di Mauro war nämlich nicht bereit, seine ursprüngliche Bewertung zu korrigieren. Warum auch? Der Notendurchschnitt des Schülers Gullotta lag – laut digitalem Klassenregister – bei 7 (im Fach Technik bei 6,17). Also beharrte Professor Di Mauro auf seiner Bewertung.

Wie konnte der Klassenrat dennoch die Musik-Note nach oben korrigieren?

Ganz einfach: Mit einem Verweis auf bestimmte Noten aus dem Fernunterricht, die angeblich nicht in die Abschlussbewertung (bzw. in das digitale Klassenregister) eingeflossen seien, wurde auch die Musik-Note von 7 auf 8 angehoben.

Der Fall Gullotta wirft zwei Fragen auf: Wie hätte die Schule reagiert, wenn der Vater des Jungen nicht der höchste Schulbeamte des Landes gewesen wäre?

Und: Wie kommt ein Spitzenbeamter eigentlich dazu, wegen einer 6 und einer 7 im Zeugnis so einen Zinober zu veranstalten?

Eines ist sicher: Der Fall Gullotta wird auf politischer Ebene ein Nachspiel haben. PD-Chef Alessandro Huber erklärte, der Bildungsdirektor müsse die Konsequenzen ziehen, falls sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten. Und Bildungs-Landesrat Giuliano Vettorato hat eine interne Untersuchung eingeleitet.

PD-Mann Sandro Repetto hat eine Anfrage im Landtag eingebracht.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (9)

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  • lillli80

    …und täglich grüsst das murmeltier…

  • schwarzesschaf

    Und dann wundert man sich das wir sollche vollposten danachbin der Politik haben, mit einen schulischen Bildung von null aber wenn man die Noten von Papi korrigiert werden, wird der kariere nix im wege stehen

  • criticus

    Wenn das so vorgefallen ist, dann hat Herr Gullotta nicht verstanden, was Schule für den heranwachsenden Jugendlichen bedeutet. In solch einem Fall gibt es nur den Rücktritt dieses „Bildungsdirektors“!

  • goggile

    Gehälter veröffentlichen, ALLER beamten, JUSTIZ, polizei, Schul, landes und eiererbeamten!

    MIT ZUCKERLEN!

    Und alle megadotierten rai gehälter.

    Alles von una STEUERBUGGLERN finanzierte!

  • abodechto

    in Mittel- und Nordeuropa würde ein Vater-Bildungsdirektor so argumentieren „Nur eine 7 ? Dann setzen wir die Note herab auf eine 6“ (in der Hoffnung, dass der Sohn/Schüler sich aufrappelt und danach auf eine 8 hinaufarbeitet).

    Dabei geht es hier nur um die 2. Klasse… aber Hauptsache eine schöne Krawatte tragen und streng dreinschaugen. Streng bei den Anderen, versteht sich.

  • bettina75

    Jo do bisch ban PD sicher, dasse die Konsequenzen ziehen…..

  • kirke

    Es ist alles kein Problem. Die Telefongespräche dieses Herrn können ja dafür verwendet werden um seine Unschuld zu beweisen.
    Er braucht nur zustimmen, dass sie veröffentlicht werden, und schon ist alles geklärt.
    Wenn es allerdings stimmt, dass einzelne Lehrer die Noten zu Unrecht gefälscht haben, kann er doch nichts dafür!
    Da sind die Lehrer persönlich haftbar und müssen entlassen werden!

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