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Das Netzwerk

Landesrätin Deeg hat mit dem Netzwerk Psyhelp Covid-19 die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Senioren in der Nach-Krisenzeit thematisiert. Die Zusammenarbeit soll intensiviert werden.

Die Coronakrise hatte nicht nur wirtschaftlich und sozial weitreichende Folgen, sondern hatte und hat auch emotionale und psychosoziale Auswirkungen. Bei einer Videokonferenz mit Soziallandesrätin Waltraud Deeg berichtete davon das Netzwerk Psyhelp Covid-19.

Dieses wurde anlässlich der Krise am 5. März ins Leben gerufen und umfasst inzwischen 15 Gesundheitsdienste und 20 sozial tätige Organisationen. „Wir haben in allen bisherigen Phasen dieser Krise auch emotionale Belastungen miterlebt, die besonders häufig von Senioren, Menschen mit Behinderungen oder Kindern und Jugendlichen erlebt wurde. Doch auch für viele berufstätige Eltern oder Alleinerziehende, die vor allem durch die Übernahme des Unterrichts ihrer Kinder einem zusätzlichen Druck ausgesetzt waren, waren die vergangenen Monaten alles andere als einfach“, gab Landesrätin Deeg bei der Videokonferenz zu bedenken. Auch sei die starke psychische Spannung, unter der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Seniorenwohnheimen stehen, zu berücksichtigen, brachte Michela Trentini, Direktorin der Landesabteilung Soziales im Gespräch ein. Das Netzwerk Psyhelp Covid-19, das in der Videokonferenz von Roger Pycha, Bettina Meraner und Sabine Cagol vertreten wurde, könne bei der Bewältigung dieser kritischen Situationen eine wichtige Unterstützung bieten.

Familien und Pflegekräfte besser begleiten

Mit vielen kleinen Schritten, die in einer engen Zusammenarbeit von Gesundheits- und Sozialwesen erarbeitet werden, könnten brennende Fragen im Netzwerk angegangen und gelöst werden, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig. „Wir brauchen eine Krisenethik, die gemeinsame, positive Botschaften betont und beleidigtes Klagen oder spektakuläres Protestieren unterlässt. Die Südtiroler Gesellschaft sollte sich mehr auf gute Zwischenlösungen einlassen, als immer nur neue Probleme zu sehen. Dieses Bewusstsein wollen wir stärken“, unterstrich Psychologin Sabine Cagol. Entwicklungen sollten nicht aus einem Bauchgefühl heraus, sondern aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse beschrieben werden. Vor allem um den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen entgegenzukommen, seien flexible Modelle nötig. Auch aus diesem Grund werden künftig Vertreter von Psyhelp in die Arbeitsgruppe Familienfreundliche Zeitmodelle des Familienressorts einbezogen, um dadurch auch die psychosozialen Aspekte stärker berücksichtigen zu können.

In der Videokonferenz wurde zudem das Augenmerk auf die Seniorenwohnheime gelegt. So wurde besprochen, dass den Mitarbeiterteams verstärkt Supervision und ein regelmäßiges Debriefing, also eine geleitete Nachbesprechung nach belastenden Einsätzen oder Zeiten, angeboten werden sollten. Diese Leistungen könnten die Notfallpsychologie oder der zuständige psychologische Dienst erbringen. „Dadurch verbessern sich das Klima und die Qualität der Arbeit in den Heimen grundsätzlich“, ist sich Psychologin Bettina Meranersicher.

Netzwerk Psyhelp Covid: Anlaufstellen für kritische Situationen

Das Netzwerk bietet, koordiniert von einer sechsköpfigen Einsatzleitung, psychische Notfallversorgung, klinische Behandlung und niederschwellige, einfach zugängliche Beratung an. Psychologe Roger Pycha umriss die Angebote im sanitären und sozialen Bereich in der Akutphase der Pandemie: „Der Notfallpsychologie kam dabei anfangs die wichtigste Rolle zu: Sie wurde sofort ergänzt durch die telefonische und direkte Beratungstätigkeit aller psychologischen Dienste für die Bevölkerung, für Menschen in Quarantäne, in Isolation, auf Covid-Stationen und für Mitarbeiter des Gesundheits- und Pflegebereichs sowie der Rettungskräfte.“ Über die Akutphase hinaus sammelt die Website www.dubistnichtallein.it die verfügbaren Anlaufstellen für besonders kritische Situationen.

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