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Der begrenzte Mensch

Rollender Kopf 2020 Gips 29 x 37 x 36 cm (Foto Watzek)

Inspirieren das Coronavirus und die Quarantäne die Künstler*innen zu neuen Werken? Wenn ja, zu welchen? Die Corona-Galerie der Tageszeitung sucht Bilder und fragt mit Marcel Proust und Max Frisch nach. Heute der Gadertaler Bildhauer Lois Anvidalfarei .

Wie geht´s?    

Gut, eigentlich sehr gut.

Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?     

Ich bin immer ein Optimist gewesen, jetzt auch noch.

Welches Buch lesen Sie gerade?  

„Am Tag davor“ von Sorj Chalandon.

Was ist Ihre erste Erinnerung? 

Mit einem Jahr: Der Bagger vor dem Stall, die Mistgrube wurde gebaut.

Was wollten Sie als Kind werden?  

Bauer, dann Pfarrer und seit der dritten Volksschule Bildhauer.

Warum sind Sie Künstler geworden?

Warum weiß ich nicht, aber ich weiß, wo und wann ich verstanden habe Künstler zu werden.

Bereuen Sie diese Entscheidung manchmal?  

Nein.

Lois Anvidalfarei (Foto: Watzek)

Wenn Sie nicht Künstler wären, wer oder was möchten Sie sein?  

Jetzt stelle ich mir diese Frage nicht mehr.

Welche/r Künstler/in hat Sie am stärksten beeinflusst?  

Wilhelm Lehmbruck.

Welches künstlerische Werk hätten Sie gern selbst gemacht?  

Die Pietà von Albin Egger Lienz.

Welchem/r Künstler/in möchten Sie gerne begegnen?  

Dem Schöpfer der Venus von Willendorf.

Was würden Sie ihn/sie fragen?  

Nichts, ich möchte einfach zuschauen und erleben, wie und warum er sie gemacht hat.

Zweifeln Sie manchmal an der Kunst?

Eigentlich oft.

Was nervt Sie an der Kunstwelt?  

Jede Hitparade nervt mich, umso mehr die Einreihungen in der Kunst.

Was vermissen Sie in der Quarantäne am meisten?  

Mein Rohstoff: der Gips und meine Aktmodelle.

Verändert die Quarantäne Ihre Kunst oder machen Sie einfach weiter wie bisher?  

Ich glaube nicht viel, wir werden sehen.

Ist die Corona-Pandemie ein Thema Ihrer Kunst oder halten Sie sie davon frei?

Der begrenzte Mensch, die „Conditio Humana“ ist für mich schon längst ein Thema.

Wovor fürchten Sie sich?  

Ich fürchte mich vor dem Populismus und vor der Manipulierbarkeit der Massen.

Was fehlt Ihnen zum Glück?  

Eigentlich nichts. Ich habe schon immer tun dürfen, was ich glaube, dass ich zu tun habe.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Zu denken, dass ich morgen einberufen würde, um an die Front geschickt zu werden.

Möchten Sie gerne reich sein?  

Es war nie ein Ziel in meinem Leben. Ich fühle mich reich, hätte aber nichts dagegen reicher zu sein.

Welche Hoffnung haben Sie schon aufgegeben? 

Das Rauchen lernen und ewig leben zu müssen.

Welches ist Ihr liebstes Vorurteil? 

Kein Vorurteil ist zu lieben.

Lieben Sie jemand?  

Ja.

Sind Sie sich selbst ein/e gute/r Freund/in?

Eigentlich schon.

Was würden Sie an Ihrem Äußeren am liebsten ändern?

Nichts.

Was ist Ihr größter Fehler?

Ich tue nicht hier mein Gewissen prüfen.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Ich habe hier keine Antwort.

Wie alt möchten Sie werden?  

Mein Geburtsdatum kenne ich, das andere nicht.

Wie möchten Sie sterben?

Wissend wie mein Kalb sterben wird, so unbesorgt möchte ich sterben.

Glauben Sie an die Wiedergeburt?  

Nein.

 

Zur Person

Lois Anvidalfarei, 1962 in Abtei geboren, besuchte von 1976 bis 1981 die Staatliche Kunstschule in St. Ulrich im Grödnertal. Ab 1983 folgte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Dort erhielt Lois Anvidalfarei seine entscheidende Prägung als Zeichner und Bildhauer durch die Begegnung mit dem Werk und der Person von Prof. Joannis Avramidis. Nach Abschluss des Studiums kehrte Lois Anvidalfarei 1989 in seine Heimat zurück. In Abtei bewirtschaftet er den von den Eltern ererbten Bauernhof und arbeitet als freischaffender Bildhauer. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, 2011 war er im italienischen Pavillon der Biennale von Venedig vertreten.

 

 

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