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Wolfram Paulus

Foto: Filmarchiv Austria

Der Regisseur und Drehbuchautor Wolfram Paulus starb vor 9 Tagen an Krebs. Nachrufe würdigten seine Bedeutung für den österreichischen Film. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass Wolfram mit Südtirol zu tun hatte.

von Renate Mumelter

Der Regisseur und Drehbuchautor Wolfram Paulus starb vor 9 Tagen an Krebs. Nachrufe würdigten seine Bedeutung für den österreichischen Film. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass Wolfram mit Südtirol zu tun hatte.

Hierher verschlug es ihn in den frühen 1980ern. Beim Filmstudium an der HFF hatte er den Mitstudenten Werner Masten aus Meran kennengelernt. Als dieser Zoderers „Das Glück beim Händewaschen“ (1982) verfilmte, war Wolfram für die Bühne zuständig. Ebenfalls am Set der Künstler Peter Kaser als Ausstatter und der Schriftsteller Kurt Lanthaler als sein Assistent. Als Lanthaler später seinen Kurzfilm „Der Gelati Killer“ (1986) drehte, war Wolfram mit dabei, diesmal im Volontaritatsmodus wie alle anderen auch. Der Bozner Martin Abram spielte die Hauptrolle, der Tiroler Komponist Bert Breit war einer der Darsteller, die Filmemacherin Edith Eisenstecken Editorin, alles Namen, die in den Schlusstiteln von Paulus-Filmen auch vorkommen:

Bert Breit komponierte die Musik für „Heidenlöcher“ (1985), Edith Eisenstecken war Schnittassistenz. Martin Abram spielte in Paulus‘ drittem Kinofilm „Die Ministranten“ (1990) den Kooperator. Die Rittner Schauspielerin Christine Mayr (später Mayn) war in „Die Fahrt in die Hauptstadt“ (1991) dabei.

Der Bozner Filmclub zeigte viele der Paulus-Filme. 1995 war er mit „Du bringst mich noch um“ bei den Bozner Filmtagen, 2006 dann als Jurymitglied.

Ein Südtirolbezug, der aus Zufällen und Wahlverwandtschaften besteht und Generationen überdauerte:  Heute arbeitet Xaver Hauss bei Rai Südtirol, seine Großmutter Gerta Rettenwender war als Frau des Deserteurs Santner eine der Laiendarstellerinnen in „Heidenlöcher“. Der Film erzählt vom Deserteur und davon, wie die Dorfgemeinschaft 1943 mit der Situation umgeht.

„Heidenlöcher“ wurde hoch gelobt, lief als einer der ersten österreichischen Beiträge bei der Berlinale. Ein „asketischer, österreichischer Heimatfilm, in dem sich ein Western versteckt“, schrieb „Die Zeit“. „Ein Alpen-B-Picture mit Bildern wie von Bresson und Pasolini“. Ich bin mir nicht sicher, ob Wolfram diese Beschreibung gefreut hat.

„Was ich wirklich will mit meinen Filmen: Meine Welt, in der ich lebe, anschauen und auf der Ebene des Films wiedergeben. Mehr ist es nicht“, sagte er selbst. Ich erinnere mich besonders gerne an „Nachsaison“ (1987).

Paulus war ein „widerständiger Einzelkämpfer, der sich gerne gegen die bestehende Ordnung auflehnte“, schreibt das Filmarchiv Austria. Er sei „engagiert, gewitzt und vor allem besonders herzlich“ gewesen. Dem kann ich nur zustimmen.

Filme gegen den Strom

Das Filmarchiv Austria hatte für März eine längst fällige Paulus-Retrospektive geplant, dann waren die Kinos zu. Wolframs Tod machte aus der Retrospektive eine In-Memoriam-Veranstaltung. Sie kommt im September in Wien und Salzburg ins Kino. „Heidenlöcher“ bietet einen Vorgeschmack darauf.

Filmarchiv Austria

Bis zum 11. Juni zeigt das Filmarchiv Austria  „Heidenlöcher“ in seinem Heimkino. Dankenswerter Weise ohne Geoblocking https://www.filmarchiv.at/digitale-sammlung/film/

Gerta Rettenwender über „Heidenlöcher“

http://www.raibz.rai.it/de/index.php?media=Pra1591352400

Und Bologna Doku-Festival

https://www.biografilm.it 5.-15.6 online, kostenlos

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