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Die Jugend und das Geld

Wie gut kennen sich Südtirols Schüler mit Finanzen aus? Können sie mit Geld umgehen? Die zentralen Ergebnisse der Pisa-Studie zur Finanzkompetenz Jugendlicher.

von Eva Maria Gapp

Wie es ums Lesen, Rechnen und die Naturwissenschaften von 15-jährigen Schülern bestellt ist, haben die Ergebnisse der Pisa-Studie gezeigt, die im Dezember 2019 veröffentlicht wurden.

Aber wie schlagen sich eigentlich die Jugendlichen, wenn es um die Finanzkompetenz geht? Können sie mit Bankkonten, Kreditkarten und Finanzplanung umgehen, kennen sie Begriffe wie „Debitkarte“ oder „Budget“? Die Ergebnisse der Pisa-Zusatzstudie der OECD zum Finanzwissen wurden erst vor kurzem veröffentlicht. Auch Südtirols Schüler haben daran teilgenommen.

Der Evaluationsexperte Franz Hilpold hat für die TAGESZEITUNG die wichtigsten Ergebnisse ausgewertet.

Die Studie der OECD, die in 20 Ländern durchgeführt wurde, zeigt, dass italienische Schüler nur begrenztes Wissen über Finanzangelegenheiten haben. Italien liegt mit 476 Punkten statistisch unter dem OECD-Mittelwert, an 13. Stelle. 20 Prozent der 15-Jährigen verfügen nicht einmal über die Mindestkenntnisse, die notwendig wären, um gute finanzielle Entscheidungen zu treffen.

Laut Hilpold ist das vor allem der schwachen Leistung des Südens zuzuschreiben. An vorderster Stelle stehen Estland (547 Punkte), Finnland (537 Punkte), Kanada (532 Punkte), Polen (520 Punkte) und Australien (511 Punkte).

Genauso wie in den Hauptfächern der Pisa-Studie (Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften) zeigt sich auch in der Finanzkompetenz ein starkes Nord-Süd-Gefälle. „Während der Norden Italiens noch einigermaßen mit den übrigen OECD-Ländern mithalten kann, wird der Süden weit abgehängt“, so Hilpold.

Südtirol schneidet insgesamt gesehen besser ab. Es sind diesmal vor allem die ladinischsprachigen Schüler, die sehr gut abschneiden. Aber auch die deutschsprachigen Schüler erzielen gute Ergebnisse. „An die gute Leistung von 2015 kann man aber nicht mehr anknüpfen“, erklärt der Experte. Denn 2015 erzielte die deutsche Schule noch 531 Punkte, 2018 sind es nur mehr 500. Auch die anderen beiden Sprachgruppen haben sich gegenüber 2015 verschlechtert: Die ladinische Schule kam 2015 auf 517 Punkte, 2018 auf 512; in der italienischen Schule konnten 2015 noch 498 Punkte erzielt werden, 2018 nur mehr 469. Vor allem das Finanzwissen der deutschsprachigen Schüler hat sich verschlechtert.

Insgesamt könne also gesagt werden: „Südtirols Schüler sind nicht ahnungslos in Geldangelegenheiten, ihr Wissen ist aber auch nicht hervorragend“, schlussfolgert Hilpold.

Vergleicht man Südtirol mit anderen Regionen, wie etwa dem Trentino, der Toskana oder Sardinien befindet sich Südtirol mit 492 Punkten an zweiter Stelle. An erster Stelle ist das Trentino mit 496 Punkten. Der Unterschied ist also nicht signifikant. Schlusslicht ist Sardinien mit 459 Punkten. Dass das Trentino etwas besser als Südtirol ist, hängt laut Hilpold mit der eher schwachen Leistung der italienischen Schulen in Südtirol zusammen.

Sieht man sich die Ergebnisse nach den Schultypen (Gymnasien, Fachoberschulen, Lehranstalten, Berufsschulen) an, zeigt sich, dass in Italien und in der italienischen Schule in Südtirol nur die Gymnasien ein akzeptables Ergebnis erzielen.

„In der deutschen und ladinischen Schule liegen hingegen die Fachoberschulen vorne, in der deutschen Schule sogar ganz deutlich“, stellt Hilpold fest. In der deutschen Schule sind es aber nicht etwa die Wirtschaftsfachoberschulen – wie man vielleicht vermuten würde – die das gute Ergebnis ausmachen. Die besten Leistungen erzielten die technologischen Fachoberschulen.

Unterschiede gibt es auch zwischen Buben und Mädchen: „Vor allem in der ladinischen Schule erzielen die Buben ein deutlich besseres Ergebnis als die Mädchen“, sagt Hilpold. Es kann somit gesagt werden: Buben verfügen über besseres Finanzwissen. Ähnlich sieht es auch in der deutschen und italienischen Schule aus. Allerdings ist es hier der Unterschied nicht so stark ausgeprägt.

Den Schülern wurden im Rahmen der Studie auch Begriffe der Finanz- und Wirtschaftswelt gezeigt. Sie mussten dann angeben, ob sie diese Begriffe in den letzten 12 Monaten schon einmal gehört bzw. etwas über sie gelernt haben. Den deutschsprachigen Schülern sind vor allem die Begriffe Gehalt, Unternehmer und Budget ein Begriff. Überraschend ist, dass die Bankomatkarte den deutschsprachigen Schülern eher nicht bekannt ist. Den italienischsprachigen Schülern ist die Bankomatkarte hingegen sehr wohl ein Begriff. Am besten schneiden die ladinischsprachigen Schüler hierbei ab. Sie wissen am Besten darüber Bescheid. Was die Altersvorsorge hingegen anbelangt, kennen sich die deutschsprachigen Schüler am besten aus.

Die bekanntesten Begriffe für die italienischsprachigen Südtiroler sind: Gehalt, Unternehmer und Bankkredit. Eher unbekannte Begriffe sind: Zinseszins, Wechselkurs und Rendite. Die ladinischsprachigen Schüler können am meisten mit den Begriffen Gehalt, Bankkredit und Unternehmer etwas anfangen. Eher unbekannt sind die Begriffe: Zinzeszins, Diversifizierung und Kreditausfallversicherung. Insgesamt gesehen schneiden die ladinischsprachigen Schüler hier am besten ab. Sie wissen gut über verschiedene Begriffe der Finanz- und Wirtschaftswelt Bescheid.

Außerdem wurde in der Studie gefragt, ob die Schüler ein eigenes Bankkonto und eine Bankomatkarte besitzen, und ob sie eine mobile App haben, mit der sich auf ihr Konto zugreifen können. Die zentralen Ergebnisse sind: Rund 40 Prozent der 15-jährigen Schüler in Südtirol besitzen eine Bankomatkarte. Im Trentino sind es rund 34 Prozent. In Italien besitzen rund 41 Prozent der Schüler eine Bankomatkarte.

Rund 71 Prozent der Südtiroler Schüler haben ein Konto bei einer Bank oder bei der Post. In Italien sind es nur rund 44 Prozent. 17,4 Prozent der Südtiroler Schüler nutzen eine mobile App, um auf das Konto zuzugreifen.

Und woher kommt das Geld? Rund 79 Prozent der Schüler erhalten es über Geschenke von Freunden oder Verwandten. Rund die Hälfte der Schüler erhält Taschengeld für das Erledigen von Arbeiten zu Hause. Fast genauso viele bekommen Taschengeld, auch wenn sie keine Arbeiten erledigen. Etwas weniger als die Hälfte verdient sich mit kleinen Jobs etwas dazu. Im Familienbetrieb arbeitet nur etwas mehr als ein Viertel der Schüler mit.

Doch können die Südtiroler Schüler auch mit Geld umgehen? Um das herauszufinden, wurde ihnen folgende Frage gestellt: „Wie sicher bist du in der Durchführung folgender Dinge.“

Etwas mehr als die Hälft der Südtiroler Schüler gibt an, sicher bzw. sehr sicher darin zu sein, den Überblick über ihren Kontostand zu behalten. Genauso viele geben an, die Ausgaben mit Rücksicht auf ihre finanzielle Situation zu planen. Rund 41 Prozent geben an, sicher bzw. sehr sicher beim Verstehen von Kontoauszügen zu sein. Nahezu zwei Drittel der Schüler fühlen sich nicht sehr sicher beim Ausfüllen von Formularen bei der Bank.

Die wichtigsten Informationen zum Umgang mit Geld erhalten die Schüler von den Eltern oder anderen bekannten Erwachsenen (rund 94 Prozent). An zweiter Stelle steht das Internet (rund 64 Prozent), gefolgt von Freunden (rund 47 Prozent). An letzter Stelle stehen Zeitschriften (rund 28 Prozent).

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