Du befindest dich hier: Home » Gesellschaft » Übertragung beim Stillen?

Übertragung beim Stillen?

Foto: 123RF.com

In der Muttermilch einer Frau haben Forscher erstmals das Erbgut des Coronavirus nachgewiesen. Warum laut Gynäkologie-Primar Martin Steinkasserer dennoch kein Grund zur Sorge besteht.

von Eva Maria Gapp

Eine werdende Mutter wendet sich an die TAGESZEITUNG. Sie sei besorgt: Eine Freundin habe ihr mitgeteilt, dass Forscher das neue Coronavirus in der Muttermilch nachgewiesen hätten. Ihre Frage lautet also: Kann die Muttermilch doch das Virus übertragen? Sind Schwangere doch gefährdeter als andere Menschen?

Die Mutter bezieht sich dabei auf Ergebnisse von Virologen der Universität Ulm. Diese haben vor kurzem erstmals das Erbgut des Coronavirus in der Muttermilch einer an Covid-19 erkrankten Frau nachgewiesen. Das Neugeborene war ebenfalls mit dem Virus infiziert – teilten die Forscher mit. Ob sich das Kind tatsächlich über die Muttermilch angesteckt hat, ist allerdings unklar. Die Ergebnisse wurden im bekannten medizinischen Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht.

Eigentlich wurde bisher immer behauptet, das Coronavirus könne nicht über die Muttermilch übertragen werden. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bisher keinen Nachweis des Coronavirus in Muttermilch verzeichnet. Doch was bedeuten nun diese Ergebnisse? Gibt es Grund zur Sorge?

„Nein“, sagt Martin Steinkasserer, Primar der Gynäkologie und Geburtshilfe im Landeskrankenhaus Bozen. „Frauen brauchen sich deswegen keine Sorgen machen. Bei dem Fall aus Ulm handelt es sich um eine Einzelbeobachtung. Es gibt jetzt auch keinen Grund, das Stillen zu beenden.“ Mütter, die an Corona erkrankt sind, können also auch weiterhin, unter Einhaltung entsprechender Schutzmaßnahmen, ihr Baby stillen. „Es gibt zurzeit keinen einzigen Wissenschaftler, der vom Stillen abraten würde, wenn die Mutter an Covid-19 erkrankt ist. Dafür ist es einfach zu wichtig. Die gesundheitlichen Vorteile des Stillens sind enorm“, fügt Steinkasserer hinzu.

Er plädiert vielmehr dafür, diesen Einzelfall mit Vorsicht zu betrachten: „Generell sollte man bei Einzelfällen immer vorsichtig sein. Oft kommt es auch vor, dass irgendwelche Fehler passieren, und bei diesem besagten Fall ist noch einiges unklar. Wir wissen zum Beispiel noch nicht, ob sich das Baby auch wirklich über die Muttermilch angesteckt hat oder auf einem anderen Wege“, gibt Steinkasserer zu bedenken. Das Neugeborene könnte sich auch durch Tröpfchen, durch engen Körperkontakt angesteckt haben, zum Beispiel zu Hause…

LESEN SIE MEHR DAZU IN DER HEUTIGEN PRINT-AUSGABE DER TAGESZEITUNG.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • george

    Verschiedene Nukleotide und Nuleoside, Bausteine unseres Erbgutes, wie sie auch RNS-Viren bzw. DNS-Viren in sich haben, besitzen wir alle in unserem Körper. Wieso sollten sie dann nicht auch in der Muttermilch vorkommen? Das ist kein Grund zur Aufregung. Die Frage ist nur, wie sind sie in die Zellen vom Baby gelangt. Und darin gibt es keinerlei konkrete Nachweise. Ganz anders wäre, wenn effektiv das SARS-CoV-2 massiv in der Muttermilch vorkäme und von dort aus in die Schleimzellen des Baby gelänge. Primär wird aber die Muttermilch in den Magen des Baby befördert, wo ein ganz anderes Milieu herrscht.

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2020 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | DATENSCHUTZ & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen