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„Kein erhöhtes Risiko“

Die Untersuchung über den Immunstatus bei den MitarbeiterInnen des Weißen Kreuzes: Jetzt liegt die biostatistische Studie vor.

Bei der Reihenuntersuchung mittels Schnelltest zum Nachweis des Immunstatus gegen SARS-COV-2 bei den Mitarbeitern des Rettungsdienstes kam eine Positivrate von 7,7 Prozent heraus.

Nun liegt der TAGESZEITUNG die Auswertung der Daten durch den Biostatistiker Markus Falk vor.

Die Fragestellung an den Biostastiker Markus Falk lautete:

Welchen Immunstatus weisen die Mitarbeiter des Weißen Kreuzes auf?

Gibt es Unterschiede in der Art der Immunisierung zwischen den Sektionen?

Gibt es Unterschiede im Immunstatus zwischen Angestellten und freiwilligen Mitarbeitern?

Über welche Symptome wurde berichtet?

Wie stellt sich das Risiko eines Mitarbeiters im Vergleich zur Südtiroler Bevölkerung dar?

Und das ist das Ergebnis:

Die Sektion Gröden weist mit 30,8% die höchste Positivrate auf gefolgt von Brixen mit 18,5%, Alta Badia 15,7%, Klausen 11,1%, St. Vigil/Enneberg 10,2% und Bozen mit 9,6%. Von den 32 ausgewerteten Sektionen liegt die Hälfte über 6,3% und die andere darunter.

Den kleinsten Wert hat die Sektion Naturns ohne positiv getesteten Mitarbeiter, gefolgt von Mals 1,4%, Ultental und Meran mit 1,8%, sowie Prad mit 2,3%.

In einem Drittel der Sektionen liegen die Infektionsereignisse schon länger zurück, da dort nur Personen mit Kurzzeit- (IgM+) und Langzeit-Antikörper (IgG+) auffindbar waren.

In den restlichen Sektionen durchmischt sich der Anteil der Mitarbeiter mit Kurz- und Langzeitantikörpern.

Nur in den Sektionen Salurn und Ulten hatten die positiv getesteten Mitarbeiter ausschließlich Kurzzeit-Antikörper, schreibt der Biostatistiker Markus Falk.

Weder hinsichtlich der Geschlechter, noch dem Anstellungsverhältnis (angestellt, Freiwilliger) konnte ein Unterschied in der Positivrate festgestellt werden.

Auch hatte das Durchführen von Covid-19 Transporten, die Lieferung von Essen, oder der Einsatz im Altersheim keinen nachweißbaren Einfluss auf die Positivrate.

Einzig beim Alter wurde festgestellt, dass die höheren Altersklassen öfters betroffen waren, so Falk (im Bild unten).

So lag die Positivrate bei den 26-Jährigen und darunter bei 5,4%, jene der 52-Jährigen und darüber fast doppelt so hoch bei 11%.

Auffälligstes Symptom unter den positiv Getesteten im Vergleich zu den Negativen war der Verlust des Geschmacks- oder Geruchsinns, Fieber über 37,5°C über mindestens 3 Tage, Husten, Schüttelfrost und Müdigkeit.

Auch Magen/Darm-Beschwerden, das Auftreten einer Lungenentzündung (Selbstangabe) oder Atembeschwerden waren in der Gruppe der Positiven häufiger anzutreffen.

Keine Unterschiede gab es hingegen beim Auftreten von Kopf- oder Halsschmerzen wie auch dem Auftreten einer Konjunktivitis.

Die wichtigste Feststellung der Untersuchung ist aber, dass es bis auf die Sektionen Brixen mit einem 2,8-fach erhöhten Risiko, Schlanders mit einem 11,3-fachen Risiko und der Sektion Vinschgauer Oberland mit einem relativen Risiko von 6,6 keine weiteren Sektionen gab, die im Vergleich zur Bevölkerung ein erhöhtes Covid-Risiko aufweisen würden, schreibt Markus Falk.

Dabei ist das Infektionsereignis bei den 3 Fällen der Sektion Vinschgauer Oberland schon länger zurückliegend, da alle bereits Langzeitantikörper aufwiesen.

In der Sektion Schlanders ist dies bei 70% der insgesamt 10 positiv getesteten Mitarbeiter der Fall und in 56% bei den 32 Fällen der Sektion Brixen.

Erwähnenswert ist für den Biostatistiker Falk auch der Umstand, dass die Sektion Seis im Vergleich zur dortigen Bevölkerung, die ein doppelt so hohes Covid-Risiko aufweist als Südtirols Bevölkerung, deutlich weniger oft von Covid betroffen war. „Mit einem relativen Risiko von 0,4 kompensiert sich damit nicht nur die Erhöhung in der Bevölkerung, sondern liegt auch noch darunter“, so Falk.

Für die Mitarbeiter des Weißen Kreuzes ergibt sich anhand der Stichprobe von n=2709 Personen eine Positivrate von 7,7% mit einer Untergrenze von 6,7% und einer Obergrenze von 8,7% (Grenzen laut 95% Konfidenzintervall).

Berücksichtigt man Sensitivität (93,8%) und Spezifizität (96%) laut Herstellerangaben, dann entspricht die Positivrate von 7,7% einer Prävalenz von 4,1%, so Falk.

Mit 30,8% wurde der höchste Wert in der Sektion Gröden festgestellt, gefolgt von Brixen mit 18,5%. Die niedrigsten Raten wurden für die Sektionen Ultental (1,8%) und Mals (1,4%) ermittelt, wohingegen für Naturns kein einziger Fall gezählt wurde (Tabelle 1).

Von 1078 getesteten Frauen waren 79 (7,3%) und von den 1631 Männern deren 129 (7,9%) positiv (p=0,578).

Aufgeteilt nach Anstellungsverhältnis beträgt die Positivrate bei den Angestellten 23 auf 356 (6,5%) und bei den Freiwilligen 185 auf 2353 (7,9%) (p=0,355).

Weder der Einsatz im Altersheim (16 auf 231) mit einer Positivrate von 6,9% (7,7% kein Einsatz mit 192 auf 2478, p=0,654), wie auch die Durchführung von Covid-19 Transporten (37 auf 546) mit 6,8% (7,9% kein Transport mit 171 auf 2163, p=0,376), noch das Ausliefern von Essen (14 auf 170) mit 8,2% (7,6% kein Ausliefern mit 194 auf 2539, p=0,778) zeigen eine höhere Rate an Positiven und sind damit mit keinem erhöhten Risiko verbunden, so die Schlussfolgerung des Biostatistikers.

Teilt man nach Alter auf, wobei hierfür die 4 Quartile <= 26 Jahre, 27-37, 28-51 und alles über 52 Jahre verwendet wurden, so steigt die Positivrate von 5,4% bis 11,0% laufend an (p=0,001).

Aufgeteilt nach Sektion zeigen sich hinsichtlich der Antikörperunterguppen Unterschiede.

So weisen 20 von 31 Sektionen (65%) eine Durchmischung beider Positivgruppen auf, wobei in der Sektion Ultental und Salurn der Anteil der IgM+/IgG- Positiven bei 100% liegt, wohingegen 11 von 31 (36%) Sektionen nur IgM+/IgG+ Positive aufweisen. Nur in der Sektion Naturns wurden keine Positiven festgestellt.

Von den positiv Getesteten gaben 59% mindestens eines der abgefragten Symptome an und demnach waren 41% symptomlos, so Falk.

Auch wenn fast ein Drittel (31,7%) der Positiven über Kopfschmerzen oder 23,6% über Halsschmerzen berichteten, so liegen beide Raten nicht höher als jene bei den negativ Getesteten (28,2% Kopfschmerzen, p=0.282; 21,1% Halsschmerzen, p=0,400).

Die auffälligste Symptomatik war der Verlust des Geruchs- bzw. Geschmackssinns, der bei 21,2% der Positiven, jedoch nur in 2,4% der Negativen auftrat (Relatives Risiko 9,0, p<0,001). Auch Fieber über 37,5°C über mindestens 3 Tage hinweg und das Auftreten von Schüttelfrost war jeweils 2,4 (p<0,001) bzw. 2,5 (p<0,001) so häufig als bei den Negativen.

Die mittels logistischer Regression durchgeführte Risikobewertung, vergleicht die pro Sektion beobachtete Positivrate mit den gemeldeten Covid-19 Fällen in der jeweiligen Bevölkerung.

Als Stichtag der Fallmeldungen wurde der 01.05.2020 gemäß des Südtiroler Sanitätsbetriebs SABES herangezogen. Als Referenz dient gesamt Südtirol.

Die Risikobewertung ermittelt zunächst das Risiko der Sektionsbevölkerung verglichen mit Südtirol. Die Sektionsbevölkerung ist dabei die Summe der Einwohner der Gemeinden laut ASTAT 2018, die der Sektion zugeordnet sind. Gemessen an diesem Risiko wird dann das Zusatzrisiko für einen Mitarbeiter der Sektion ermittelt. Dieses wird ausgedrückt als relatives Risiko (RR) und Werte über 1 besagen eine Erhöhung, wohingegen Werte unter 1 eine Erniedrigung darstellen.

Bezogen auf gesamt Südtirol weist die Bevölkerung gemäß Tabelle 4 und Abbildung 2 in

10 von 30 Sektionen (33%) weder ein erhöhtes noch ein erniedrigtes Risiko auf: Brixen, Bruneck, Deutschnofen, Klausen, Lana, Salurn, St. Vigil/Enneberg, Sterzing, Sulden, Welschnofen.

Erhöht ist es hingegen in 9 der 30 Sektionen (30%): Gröden, Alta Badia, Seis, Überetsch, Etschtal, Passeiertal, Innichen, Unterland, Bozen.

In 11 von 30 Sektionen (37%) ist es sogar niedriger: Mühlbach, Ahrntal, Ritten, Meran, Prad, Ultental, Vinschgauer Oberland, Sarntal, Naturns, Schlanders, Mals.

Gemessen an diesen Bevölkerungsrisiken wurde dann das Zusatzrisiko der Mitarbeiter bestimmt.

Nur für die Sektion Brixen (RR=2,8, p<0,001), Schlanders (RR=11,3, p<0,001) und Vinschgauer Oberland (RR=6,6, p=0,043) zeigte sich ein erhöhtes Risiko im Vergleich zur Bevölkerung und die Sektion Seis lag sogar unter dem Bevölkerungsrisiko (RR=0,4, p=0,043).

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (8)

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  • andreas

    Das ist doch der welcher annimmt, dass er den Virus mit Gossenjargon und Mathematik wegzaubern kann. 🙂

    Was haben wir doch für Experten, ein Sarner der die Weisheit für sich gepachtet hat und ein Pusterer, der jeden beschimpft, welcher nicht seiner Meinung ist.

    • wolweg

      @andreas
      das ist einer, der im Gegensatz zu dir, intelligent ist und etwas sinnvolles macht.
      Während deine Ergüsse nur die Kläranlagen verstopfen.

    • n.g.

      Und du möchtest dir gerne deine Angst vor dem Virus erhalten? Je mehr Leute Antikörper haben um so harmloser ist bzw. war Covid!
      Aber ein Beispiel, Die Krankheit ist so gefährlich wie alle behaupten und ein Land hätte beim ersten Covid Fall in Europa sein Land komplett geschlossen. Was dann? Nehmen wir an das kein Impfstoff kommt, denn das ist absolut nicht sicher. Glaubt dann irgend jemand das sie es schaffen würden dass das Virus sie nicht erreicht? Oder wir wollen die dann so abgeschottet leben! Der Hamburger würde sagen:Wat muss dat muss! Das Land hätte das Problem nur verschoben und nichts Anderes wurde und wird jetzt gemacht. Mit allen Maßnahmen wird nicht verhindert werden das sich am Ende alle angesteckt haben und es soviel Tote geben wird wie die Krankheit eben fordert.
      Maßnahmen wie Mundschutz und Abstandsregel. z. B… wenn ich in meiner Kleinstadt rum laufe, was sehe ich da… beide Regeln werden mit Sicherheit zu 90% nicht eingehalten oder falsch angewendet. Und da glaubt irgend jemand das das helfen soll?
      Wenn der letzte angesteckt, der letzte gestorben ist, dann hört der Unsinn auf!

  • n.g.

    Merkwürdig, auf der einen Seite wird behauptet das Covid SOO ansteckend ist und auf der Anderen beweist seine Studie das sich Menschen aus beruflichen Risikogruppen weniger angesteckt haben als der normale Durchschnitt. Anders rum, wenn die sich besser geschützt haben als Andere, das nehme ich mal an, warum dann doch mehr als 7%? Kann mir das jemand erklären?

  • covid

    Diese Untersuchung beweist, dass es absolut keinen Sinn macht nur die Grödner alleine zu testen. Wenn schon bei der Mitarbeitern des Weißen Kreuzes eine Positivrate von nur 7.7% festgestellt wurde, dann wird auch die Bevölkerung im Schnitt kaum darüber liegen!
    Wenn nun die Grödner getestet werden und dort 15%-20% Antikörper haben, was heißt das für Südtirol? Vermutlich gar nichts! Weil man die Ergebnisse des Hotspots nicht auf ganz Südtirol übertragen kann – siehe Weißes Kreuz.

    • andreas

      Eben, der Wert von Gröden sagt gar nichts über Schlanders aus, wo äußerst wenig Ansteckungen waren.
      Wenn dann müsste man das Dorf mit dem durchschnittlichen Wert der Ansteckungen je 1.000 Einwohner nehmen und die testen.
      Sagt auch nicht wirklich etwas über jede Gemeinde aus, aber wenigstens etwas näher als die Ergebnisse von Gröden.

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