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Flugzeuge am Himmel

Ohne Titel (submission) 2019, Ölmalerei auf Offsetplatten (237 x 213 cm): Das Bild zeigt die Prostratio, das Sich-Niederwerfen eines Priesteranwärters im Altarraum. Vertikal ist der sakrale Raum, vertikal das Bild, horizontal der Akt der Unterwerfung als Sinnbild des menschlichen Seins. Meine Arbeiten zeigen immer Momente, die das Vorher oder Nachher eines Zeitbruches thematisieren.

Inspirieren das Coronavirus und die Quarantäne die Künstler*innen zu neuen Werken? Wenn ja, zu welchen? Die Corona-Galerie der Tageszeitung sucht Bilder und fragt mit Marcel Proust und Max Frisch nach. Heute der Lanaer Künstler Arnold Mario Dall’O .

Wie geht´s?

Gut, danke für die Nachfrage.

Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Den Umständen entsprechend abwechselnd nervös, melancholisch, glücklich.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Yuval Noah Harari. Eine kurze Geschichte der Menschheit.

Was ist Ihre erste Erinnerung?

Als Rennfahrer auf einem Dreiradl, der Runde um Runde um den Wohnbaublock radelt.

Was wollten Sie als Kind werden?

Koch oder Künstler.

Warum sind Sie Künstler geworden?

Zufall. Dann Arbeit und die Anstrengung, es unbedingt zu wollen.

Bereuen Sie diese Entscheidung manchmal?

Selten.

Wenn Sie nicht Künstler wären, wer oder was möchten Sie sein?

Irgendwas mit Sternenforschung, Sternenzähler, Sternenentdecker.

Welche/r Künstler/in hat Sie am stärksten beeinflusst?

Emilio Vedova. Nicht unbedingt künstlerisch, jedoch von der Haltung als Mensch und der Ethik der Arbeit.

Welches künstlerische Werk hätten Sie gern selbst gemacht?

Die Mosaike der Wölbung, der Lunette und der Kuppel im Mausoleum von Galla Placidia, Ravenna

Welchem/r Künstler/in möchten Sie gerne begegnen?

Einem Marginalienmaler des Mittelalters.

Was würden Sie ihn/sie fragen?

Erzähl mir von deiner Welt.

Zweifeln Sie manchmal an der Kunst?

Täglich. Mehrmals. Doch es gelingt mir, dies immer wieder auszublenden.

Was nervt Sie an der Kunstwelt?

Die fehlende Ethik, wenn es um das Geld geht. Bei Künstlern wie bei Sammlern.

Was vermissen Sie in der Quarantäne am meisten?

Die Flugzeuge am Himmel. In dem Sinne, dass sie Linien in den Himmel schreiben, die eine Möglichkeit des Reisens und der Ferne aufzeigen.

Verändert die Quarantäne Ihre Kunst oder machen Sie einfach weiter wie bisher?

Mache gleich weiter. Vielleicht wird diese Krise Themen meiner Arbeit beeinflussen. Irgendwann. Unmittelbar nicht.

Ist die Corona-Pandemie ein Thema Ihrer Kunst oder halten Sie sie davon frei?

Siehe oben. Die Pandemie mit all den Toten geht mir nah. Menschlich.

Wovor fürchten Sie sich?

Zu sterben. Habe noch viel zu tun.

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Wenig. Bin nahe dran.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Nahestehende Menschen zu verlieren. Alles andere ist ersetzbar.

Möchten Sie gerne reich sein?

Ja. Ermöglicht sorgenfrei arbeiten zu dürfen.

Welche Hoffnung haben Sie schon aufgegeben?

Sternenforscher zu werden.

Welches ist Ihr liebstes Vorurteil?

Künstler haben Narrenfreiheit.

Lieben Sie jemand?

Ja.

Sind Sie sich selbst ein/e gute/r Freund/in?

Im Großen und Ganzen komme ich mit mir recht gut zurecht.

Was würden Sie an Ihrem Äußeren am liebsten ändern?

Nichts.

Was ist Ihr größter Fehler?

Ungeduld.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Falschheit. Gier.

Wie alt möchten Sie werden?

99

Wie möchten Sie sterben?

Entspannt.

Glauben Sie an die Wiedergeburt?

Nein. Aber ich arbeite daran dies zu ändern.

 

Zur Person

Arnold Mario Dall’O, 1960 in Lana geboren,  Ausbildung zum Lithografen und Schriftsetzer. Studium an der Akademie der Schönen Künste Venedig in der Klasse von Emilio Vedova.  Stipendiat des Bundesministerium für Kultur Wien. Stipendiat der Stadt Budapest. Ab den 80er Jahren Ausstellungen in Galerien und Museen, u.a.: Galleria Goethe, Bolzano ; Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg, Galleria Paolo Maria Deanesi, Rovereto; Galleria Lipanjepuntin, Triest, Galleria Sergio Tossi, Firenze,  Manifesta 7, Parallelevent, Rovereto; Museumsquartier, Wien, Merano Arte/Kunst Meran, Österreichische Galerie im Belvedere, Wien, Galleria Civica di Arte Contemporanea, Trient.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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