Du befindest dich hier: Home » Wirtschaft » Der Milch-Ärger

Der Milch-Ärger

Foto: 123RF.com

Südtirols Krankenhäuser werden mit Milchprodukten aus anderen Regionen beliefert. Der Bauernbund fordert schon seit langem eine Anpassung der Ausschreibungen.

Wer in einem der Südtiroler Krankenhäuser ist, wird sich wundern: Statt Milch und Milchprodukte von heimischen Milchhöfen kommen Produkte aus anderen Regionen auf den Tisch. Die Ausschreibung hat ein Unternehmen aus Padua gewonnen. Seit kurzem beliefert das Unternehmen nun die Krankenhäuser.

Letztlich hat der Preis bei der Ausschreibung den Ausschlag gegeben: Das Südtiroler Angebot lag nur um drei Prozent höher.

Das sorgt nicht nur bei den Milchhöfen, sondern auch bei den Milchbauern und beim Südtiroler Bauernbund für viel Ärger.

„Wir fordern seit langem, dass bei der Bewertung der Angebote andere Kriterien höher bewertet werden müssen. Beim Preis können wir mit unseren nachhaltig und auf kleinen Höfen produzierten, qualitativ hochwertigen Erzeugnissen vom Berg nicht leicht mithalten. In den großen Ställen in der Ebene sind die Produktionskosten niedriger“, sagt Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.

Kriterien, wie etwa die nachhaltige Produktion oder die Lieferfähigkeit, müssten bei der Bewertung der Angebote deutlich stärker berücksichtigt werden. „Vor allem, wenn man weiß, dass bei der Angebotserstellung alles versprochen wird, dann aber häufig vieles nicht eingehalten werden kann.“

Ärgerlich sei darüber hinaus, dass im konkreten Fall die Milch teilweise in Plastikflaschen angeliefert wird.

Auch kürzere Transportwege bei lokalen Produkten müssten mehr zählen. „Gerade in diesen Zeiten zeigt sich, wie wertvoll lokale Kreisläufe sind. Kurze Transportwege schützen zudem das Klima“, meint Tiefenthaler.

Für Sennereiverbands-Obmann Joachim Reinalter müsse bei Ausschreibungen auch auf die Auswahl des Sortiments geachtet werden: „Wenn in einer Ausschreibung Asiago-Käse verlangt wird, kommen die Südtiroler Käsesorten nicht zum Zuge, da der Asiago-Käse nicht in Südtirol produziert werden darf.“

„Ziel muss sein, lokale Kreisläufe im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zu stärken“, stellt Leo Tiefenthaler klar. „Und dazu gehören auch die öffentlichen Ausschreibungen, nicht nur des Sanitätsbetriebes, sondern aller öffentlichen Strukturen und unabhängig vom Volumen der Ausschreibung.“

Hier sei die Politik gefordert, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass zukünftig vermehrt heimische Lebensmittel auf den Tisch kommen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (19)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • nix.nuis

    Sind Tetrapacks besser als Plastikflaschen, welche womöglich mehrfach verwendet werden?

    Lokale Kreisläufe… heißt, dass die Bürger lokal kaufen, die Bauern aber Arbeitsplätze nicht lokal bezahlen…

  • andi182

    Kürzere Transportwege bedeutet auch niedriger Preis Herr Rainalter!!!
    Leider nicht bei den Milchprodukten Made in Südtirol.

    • wolweg

      @andi
      wahrscheinlich sind die Südtiroler Milchpreise höher, weil die Höfe kleiner und die Wiesen steiler sind?!
      Mit 1000 Kühen in einem Stall und im Winter keine negativen Temperaturen kann man leicht billiger sein. Aber diese Bauern in der Poebene pflegen nicht die Bergwiesen, wegen denen die Touristen zu uns kommen und das Land auch für uns lebenswert ist.

  • jennewein

    Siamo in italia die milch kann man kaufen wo man will in italien,die bauern regen sich ja auch nicht auf wenn italienische gesetze ihnen voll zu gute kommen zb steuerfreiheit für bauern

    • wolweg

      @jenneweil
      denkst du wirklich, dass der italienische Finanzminister eine ganze Sparte steuerfrei lässt?
      Informier dich mal genauer und du wirst lernen, dass die Bauern viele Steuern zahlen, zwar nicht immer Einkommenssteuern, sondern in den MwSt-Topf (in den sonst kein Unternehmer einzahlt).

  • gerhard

    3 Prozent macht auf den Liter ca.1,5 Cent
    Da wird man verdammt noch mal die Südtiroler Bauern bevorzugen können.
    Das ist doch wirklich ein Bagatellbetrag.
    Und die Milch muss nicht hundete Kilometer hergekarrt werden.
    Das verstehe ich wirklich nicht.

    • gerhard

      Und wenn Asiago Käse in der Ausschreibung steht frage ich mich, warum unbedingt dieser Käse in einem Südtiroler Krankenhaus den Patienten angeboten werden muss.
      So kann man natürlich eine Ausschreibung manipulieren.
      JA ES WIRD DOCH IN SÜDTIROL KEINE VORTEILSANNAHME GEBEN !!!
      Bestimmt nicht.
      Bestimmt
      Stimmt.
      Punkt.

      • nix.nuis

        @gerhard
        es stand aber auch Stilfser und Pusterer Bergkäse drin!
        Die Gewinner kaufen den natürlich direkt beim Produzenten ein, und müssen nicht den Zwischenhändler Gastrofresh auch noch mit Prozenten beglücken!
        Vielleicht wollten bei „Unseren“ einfach nur zuviele Mäuler mit am Kuchen naschen…

    • mannik

      Wenn das Kriterium der Preis ist, ist auch 1 Cent zu viel. Der Rechnungshof lässt grüßen.
      Wenn ein Betrieb aus der Po-Ebene, die Milch über hundert Kilometer herankarren muss und dennoch günstiger ist, dann muss sich aber auch die heimische Milchwirtschaft an der Nase fassen. Die Frage ist also: Kann die heimische Milchwrtschaft nicht auf 1,5 Cent/Liter verzichten und die Milch absetzen? So verkauft sie sie eben gar nicht.

  • meintag

    Das Problem mit Ausschreibungen im Lebensmittelbereich gibt es schon seit Jahren. Kann mich erinnern dass zur Zeit Richard Theiners als LR Dieser meinte, sollte Er Patient in einem der KH Südtirols sein, Er davon ausgeht dass Z.B. ein Apfel aus Südtirol. Er bekam Damals Apfel aus einer anderen Region so wie es Heute noch gilt. Man sieht die bestimmende Politik hat es nicht geschafft Änderungen zu machen. Den jeweiligen Chefköchen der KH kann man leider nicht die Schuld geben.

  • jennewein

    Bauern nicht jammern das ist die freie marktwirtschaft sonst profitiert ihrja auch davon.
    Milliarden beiträgeder EU

  • sepp

    Geh amol ins lidl oder wie dei olla hoassen genau dei blärer kafen walscha milch so ychaugy aus

  • freitag

    Südtiroler Milch, dh mit LKWs herangelieferte und hier verpackt?

  • paul1

    Ja ja jeder Milchbauer in Südtirol jammert und hat mit ca. 10 Kühe im Stall einen oder mehrere 100 oder 200trausend euro teuren Traktor in der Garage

  • heustadel

    mann kann die milch kaufen wo mann will das ist heute der markt die italiener kaufen auch joghurt nach italien

  • tirolersepp

    7.200.000 Euro für die Berglandwirtschaft durch die Lappen gehen lassen. Dümmeres hab ich seit langem schon nicht mehr gehört. Ist den Verantwortlichen denn eigentlich überhaupt alles mehr wurscht, kuhdreckegal ???

    Upps genau de drei Bergheinis bekommen ja einen Beitrag und mein Gehalt kommt ja ehh pünktlich !

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2020 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | Datenschutz & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen