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Coronastories

Foto: Ingo Pertramer

Josef Hader und die Filmschule ZeLIG halten fest, was – fast – vorbei ist. 

von Renate Mumelter

Keine Sorge, es geht hier weder um Coronazahlen noch um Coronasorgen, sehr wohl aber geht es um den Baumarkt, um Verschwörungstheorien, um Franz und um den Kühlschrank. Josef Hader besticht in Homestories mit seiner bösen Leichtigkeit, die lächeln, ja lachen lässt, und seziert scharf, was in Corona und darüber hinaus Sache ist. Die Studierenden der Filmschule ZeLIG hingegen haben 15 aktuelle Kurzfilme gedreht.

10 Homestories von Josef Hader stehen derzeit im Netz. Sie entstanden während des Eingesperrtseins. Jede Story dauert wenige Minuten und ist gleichzeitig Ankünder für den Film der Woche. Der ist kostenlos im Streaming zu sehen. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ‚Das Ewige Leben‘ ist Film der Woche. Amen“, heißt am Ende von „Hader hat keine Angst vor dem Virus“. 

Die Ankünder sind aber wesentlich mehr. Homestory 9 „Die große Verschwörung“ wurde letzthin zum Netzhit. Hier spricht einer über das  „Szystem“, das „uns alle im Griff hat“ und Demokratie heißt. „Is des wos für uns, frog i mi. I sog’s gonz ehrlich, es is an ausländische Idee“. Und weiter so bis zum dringenden Rat, man solle „kane Chips“ beim Filmschauen essen, denn „wenn di amol im Körper sind…“. 

Die Initiative von Hader ist eine kulturpolitische Aktion in einer kulturfeindlichen Zeit. Als Film der Woche bietet er diesmal „Der Überfall“ von Florian Flicker. Im Jahr 2000 bekam Hader in Locarno dafür einen Darstellerpreis. Der Kabarettist und Regisseur ist nämlich ein sehr guter Schauspieler, und das wiederum kommt seinem Kabarett zugute. Dieses kommt übrigens gut ohne Besserwisserei aus und lässt Selbstkritik zu. Als Schauspieler brillierte Hader in Maria Schraders „Vor der Morgenröte“. Hier ist er der Schriftsteller Stefan Zweig, der am Eingesperrtsein im Exil zerbricht. Ein immer noch hochaktueller Film.

Die Filmschule ZeLIG hat aus der Not eine Tugend gemacht. Im Rahmen eines Online-Seminars mit Marzia Mete entstand die Idee, Kurzfilme über die Coronazeiten zu drehen. In Fernverbindung kommen die Filme jetzt „remotely/related“ auf die Webseite der Schule. Der erste Film war „I Stay (Not) at Home“ des Ukrainers Kyrylo Naumko. Er hatte sich mit seiner Freundin dazu entschlossen in Bozen zu bleiben, um seine Leute zu Hause nicht zu gefährden. Es ist ein schauender Film, wie die meisten in dieser Reihe. Naumko schaut auf die leere Stadt, die Warteschlangen und in seine enge Wohnung. Er zeigt, wie die Kommunikation mit der Schule funktioniert. Außerdem spielen im Film Töne eine wichtige Rolle. Töne bekamen in dieser Zeit der Stille ein neues Gewicht. 

Die Titel der anderen 14 Kurzfilme sind so unterschiedlich wie deren Themen: „Io come voi (Me as you)“, „Entertainment kill boredom“, „Il ballo delle ore“, „Self“, „Alla finestra“ zum Beispiel. Wertvolle Dokumente über eine Zeit, der wir auch nachtrauern werden.

Jeden Tag wird ein ZeLIG-Film mehr online gestellt. 

Haders Homestories, der Wochenfilm und ein paar mehr,  Kabarettprogramme, frühe Tonfiles 

https://player.hader.at

Alles über Hader 

www.hader.at

Die ZeLIG-Kurzfilme 

https://www.zeligfilm.it/de/produzioni/remotely-related

Jeden Tag wird ein ZeLIG-Film mehr online gestellt. 

Die Filmschule

www.zeligfilm.at

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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