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Rückkehr in Normalbetrieb

Sanitätslandesrat Thomas Widmann hat den Übergang in Phase 2 eingeleitet: Ziel ist es, die Krankenhäuser schrittweise in den Normalbetrieb zurückzuführen.

Die schrittweise Wiederaufnahme der normalen Versorgungstätigkeit in Südtirols Gesundheitswesen bei gleichzeitiger Behandlung der Covid-19-Patienten stand im Mittelpunkt der Medienkonferenz.

An die außerordentlichen Herausforderungen, mit denen das Gesundheitswesen durch den Covid-19-Notstand konfrontiert war, erinnerte Gesundheitslandesrat Thomas Widmann in der Landesmedienkonferenz. Vor dem Hintergrund einer kritischen Ausgangsphase mit unzureichenden Intensivbetten und keinerlei Erfahrungswerten im Umgang mit dem neuartigen Corona-Virus habe die ad-hoc eingesetzte medizinische Einsatzleitung in kürzester Zeit reagiert.

„Die Bettenkapazität für Intensivbetreuung wurde fast verdreifacht, die Versorgung der Patienten täglich krankenhausübergreifend organisiert, zugleich wurde die Notversorgung mit dringenden Leistungen in allen Krankenhäusern immer aufrechterhalten“, so der Landesrat, der auch auf die wichtige Rolle der Grundversorgungskrankenhäuser verwies und die „beeindruckende Gemeinschaftsleistung aller Akteure im Gesundheitsbereich“ hervorhob.

Die Eckpunkte des Stufenplans für die Rückkehr zum Normalbetrieb parallel zur Betreuung der Covid-19-Patienten erläuterte der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer. Der Stufenplan wurde von der Betriebsdirektion in enger Abstimmung mit den Bezirksdirektionen und den Verantwortlichen der ärztlichen und pflegerischen Bereiche festgelegt und werde nun Schritt für Schritt den neuen Gegebenheiten angepasst. Es handle sich um einen komplexen und dynamischen Prozess. „Wir blicken vorsichtig optimistisch Richtung Phase 2. Dies deshalb, weil wir mittlerweile Erfahrung in der Prävention, Epidemiologie und Behandlung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten gesammelt haben. Trotzdem muss betont werden: Es ist noch nicht vorbei, die Bevölkerung muss sich weiterhin an die Regeln halten“, so Zerzer. Der Eintritt in Phase 2 bedeute nicht, dass sofort wieder der Vollbetrieb angeboten werden könne. Geplant sei, schrittweise die Leistungen in allen Bereichen – ambulant, stationär, chirurgisch-operativ, Prävention und Rehabilitation und anderen mehr – wieder auszubauen. „Vorausgesetzt, die Infektionszahlen bleiben so gering wie jetzt, wird dieser Prozess trotzdem mehrere Monate in Anspruch nehmen und Woche für Woche angepasst werden“, sagte Zerzer.

Die Rückkehr zum Normalbetrieb muss auch im Gesundheitswesen von den allgemeinen Vorsorgemaßnahmen flankiert werden, wie Hände- und Oberflächendesinfektion, Temperaturmessungen, Schutzausrüstung für Personal, Patienten und Besucher, sowie die Einschränkung der zugelassenen Personenanzahl, um die soziale Distanz zu gewährleisten.

Der Medizinische Einsatzleiter Covid-19 und Primar der Notfallmedizin, Marc Kaufmann, erläuterte im Anschluss die weitere Rolle der Medizinischen Einsatzleitung. Die akute Phase sei nun abgeschlossen. Die engmaschige Vernetzung mit täglicher Videokonferenz mit allen sieben Krankenhäusern, die in dieser Zeit aufgebaut wurde, kann nun auf eine geringere Frequenz zurückgefahren werden. Die Medizinische Einsatzleitung bleibe aber weiterhin im „Stand-by-Betrieb“ und werde die wichtige Rolle der Überwachung der Patientenströme, der Covid-19-Fälle und die Aktivitäten auf den Anästhesie- und Intensivstationen übernehmen. „Im Moment sind wir positiv gestimmt, weil wir viel Erfahrung und Wissen gesammelt haben und nun auch infrastrukturell und bezüglich Medizintechnik sehr gut ausgestattet sind, sodass wir bei einer höheren Zahl an Intensivbetten als Grundlage relativ schnell wieder auf das hohe Niveau der Bettenkapazität in der Akutphase hochfahren können“, so Kaufmann.

Die Bezirksdirektoren Christine Zelger, Irene Pechlaner, Walter Amort und Umberto Tait berichteten von der aktuellen Situation in den jeweiligen Bezirken und von den einzelnen Schritten zur Phase 2.

Stufenplan für die Gesundheitsversorgung

Das sieht der Stufenplan für die Rückkehr zum Normalbetrieb in der Gesundheitsversorgung vor (siehe dazu auch Anhang zur Pressemitteilung):

Ambulante und diagnostische Tätigkeit: Bis Ende Mai werden die prioritären und dringenden Visiten durchgeführt. Um die aufgestauten Wartelisten abzuarbeiten, werden die Öffnungszeiten nach Möglichkeit verlängert bzw. Visiten auch an Samstagen durchgeführt. Viele Abteilungen und Dienste werden bereits im Mai aufschiebbare und programmierte Leistungen vormerken und erbringen können; in den meisten Fachbereichen wird dies ab 1. Juni der Fall sein. In Bereichen, in denen besondere Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen, können die Leistungen allerdings nur zu 50% erbracht werden. Für sämtliche Leistungen, beispielsweise auch Blutabnahmen, ist in Zukunft eine Terminvereinbarung erforderlich.

Stationäre Aufenthalte: Nach Rückbau der Betten für Covid-19-Patienten können alle Krankenhäuser wieder eine breitere Bettenanzahl in den nicht betroffenen Abteilungen zur Verfügung stellen. Die Rehabilitationsabteilungen bleiben weiterhin ganz geschlossen, mit Ausnahme des Krankenhauses Brixen.

Chirurgische Tätigkeit: Die programmierte chirurgische Tätigkeit wird in reduzierter Form wieder aufgenommen. Dabei wird den onkologischen Patienten und den nicht-aufschiebbaren Eingriffen der Vorrang gegeben.

Wohnortnahe Versorgung: Im Laufe des Monats Mai bzw. Anfang Juni werden die territorialen Tätigkeiten und die Leistungen in den konventionierten Strukturen wieder aufgenommen bzw. ausgebaut. Wo es möglich ist, sollen Leistungen in die Sprengel verlegt werden. Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen können jedoch nicht alle Aktivitäten in vollem Umfang wie vor der Corona-Krise erbracht werden.

Telekonsulenz und Telemedizin: Telefonische und Videobetreuung bzw. Telekonsulenzen wurden während der Corona-Krise von mehreren Abteilungen und Diensten angeboten und sollen in einigen Bereichen auch in Zukunft angeboten oder ausgebaut werden.

Covid-19-Patienten: Alle Covid-Intensivpatienten werden seit 27. April im Krankenhaus Bozen im 2. Stock der Neuen Klinik betreut. Zudem werden über 200 Betten in den Covid-Normalstationen bereitgestellt, 113 davon in den Privatkliniken Bonvicini, Villa Melitta und St. Anna. Die Prä-Triagen bleiben weiterhin aufrecht; auch Beobachtungsstationen oder Isoliermöglichkeiten für Covid-Verdachtsfälle bleiben an allen Krankenhäusern bestehen. Zwei wichtige Pfeiler sind die Trennung von Covid- und Nicht-Covid-Betreuungspfaden sowie die Überwachung von Covid-Patienten mit leichten Symptomen bzw. nach der Entlassung zu Hause.

Wichtige organisatorische Hinweise: Da weiterhin Menschenansammlungen vermieden werden sollen, sind die Patientinnen und Patienten gebeten „auf den Punkt“ zur Visite zu erscheinen. Also nicht zu spät, aber auch nicht zu früh. Grüppchen wartender Menschen sollen damit vermieden werden.

Außerdem sind die Patientinnen und Patienten angehalten, den Fragebogen zur Beurteilung des Risikos einer Infektion (Erwachsene und Kinder) vorab von der Homepage des Sanitätsbetriebes (www.sabes.it ->Formulare) herunterzuladen, auszufüllen und mitzubringen. Falls das nicht möglich ist, sollte die benötigte Zeit zum Ausfüllen des Fragebogens vor Ort in die Zeitkalkulation miteinbezogen werden. Siehe Pünktlichkeit.

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