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Warten auf offene Grenzen

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In Kaltern werden viele Hotels erst aufsperren, wenn auch die Grenzen öffnen: „Es macht wenig Sinn, die Betriebe aufzusperren, wenn die Gäste nicht einreisen dürfen“, sagt HGV-Ortsobmann Karl Morandell. 

von Lisi Lang

Mit 25. Mai können Beherbergungsbetriebe in ganz Südtirol theoretisch wieder öffnen. So sieht es das Corona-Landesgesetz vor, welches letzte Woche vom Landtag verabschiedet wurde. Praktisch sieht die Situation allerdings anders aus: In Kaltern geht man derzeit beispielsweise nicht davon aus, dass am 25. Mai viele Betriebe aufsperren werden – vor allem nicht, wenn die Grenzen zu diesem Zeitpunkt noch dicht sind. „Vor allem größere Betriebe werden eine Wiedereröffnung nicht von diesem Datum sondern von den Grenzöffnungen abhängig machen“, weiß Sighard Rainer, Präsident des Tourismusvereins Kaltern. Kleinere Betriebe, die mit weniger Personal arbeiten oder Betriebe, die ihr Restaurant bereits geöffnet haben, könnten hingegen schon mit dem 25. Mai aufsperren. „Es macht aber wenig Sinn, die Betriebe aufzusperren, wenn die Gäste nicht einreisen dürfen“, sagt Karl Morandell, HGV-Ortsobmann von Kaltern. 

Mehr als 90 Prozent der Gäste im Überetsch kommen aus dem deutschsprachigen Raum, aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Öffnung der Grenzen, damit diese Gäste auch einreisen können, ist daher ein wesentliches Kriterium für die Beherbergungsbetriebe im Überetsch. „Die einheimischen Gäste kommen tendenziell in den Randsaisonen, aber insgesamt ist diese Summe an Übernachtungen marginal – das sind zu wenige, um kostendeckend arbeiten zu können“, erklärt Karl Morandell. Sicher werde man heuer versuchen, mehr Einheimische auszusprechen, allerdings brauche der lokale Tourismus die Gäste aus dem deutschsprachigen Raum. 

Wann diese allerdings wieder einreisen dürfen und unter welchen Bedingungen, ist aktuell noch nicht klar. Gestern Nachmittag hat der deutsche Innenminister Horst Seehofer verkündet, dass die Grenzkontrollen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz ab Samstag schrittweise gelockert werden. „Ab Mitte Juni streben wir eine Reisefreiheit an, sofern es die Zahlen zulassen“, erklärte Seehofer. Ob diese aber auch für Reisen nach Italien gilt, ist noch unklar. 

Die letzten Monate waren für die Betriebe keine leichte Zeit, weiß der HGV-Ortsobmann. „Wir haben mit Ostern und Pfingsten zwei starke Ferienzeiten und noch einige weitere Feiertage verloren“, erklärt Karl Morandell, „und wenn die Grenzen jetzt noch länger geschlossen bleiben, wird es für einige Betriebe sicher schwierig werden“. 

Die meisten Beherbergungsbetriebe in Kaltern haben laut Morandell seit Ende November geschlossen. „Wir haben hier im Überetsch nur eine Saison und keine Chance auf eine Wintersaison – erschwerend kommt dann einfach hinzu, wenn der Start dieser Saison immer weiter nach hinten verschoben wird“, sagt der HGV-Ortsobmann von Kaltern. 

Zwischen Jahresbeginn und Ende Mai haben die Betriebe in Kaltern schätzungsweise rund 150.000 Übernachtungen verloren. Da die drei Sommermonate Juni, Juli und August allerdings zu den buchungsstärksten Monaten gehören, hoffen die Touristiker so wenigstens einen Teil der Saison retten zu können. „Wenn sich die Gäste wohl und sicher fühlen, werden sie ganz sicher kommen“, ist Sighard Rainer überzeugt. 

Die Touristiker im ganzen Land hoffen, dass schon in den nächsten Wochen die Grenzen wieder geöffnet und die Reisefreiheit ohne zu große Einschränkungen hergestellt wird. Auch in Kaltern bleibt man zuversichtlich und hofft, dass man möglichst bald wieder Gäste begrüßen kann. „Wir brauchen aber klare Angaben, damit sich die Betriebe vorbereiten und die Gäste ihren Urlaub buchen können“, betont Karl Morandell.  

 

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Kommentare (16)

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  • besserwisser

    ich sehe da nur zwei möglichkeiten: entweder reisefreiheit für alle – oder nicht.
    sonst gibt es keine eu mehr, und die betriebe bleiben zu. was soll das bringen mit den auflagen einen verstümmelten service und wohlbefinden anbieten zu wollen. dafür gibt kein mensch sein geld aus, da bleibt er lieber zu hause.
    die betriebe werden halt nach und nach, je nach situation irgendwann am ende ihrer ressourcen anlagen und dann noch mit den banken reden, und irgendwann ist es halt aus.
    da bringen die flotten debattierrunden auf facebook gar nix.

  • gerhard

    Der Kurz öffnet die Grenze von Deutschland nach Österreich
    BRAVO
    Die Grenze nach Italien bleibt zu.
    Es könnten ja Hunderttausende Deutsche nach Südtirol und dem Gardasee fahren.
    FRECHHEIT, die sollen gefälligst im gelobten Land Österreich bleiben!

    In Italien lauert GEFAHR, ANSTECKUNG und TOD!!!

    Äääh, Herr Kurz, wo genau liegt eigentlich dieses ISCHGL, der Höllerort, der die Seuche nachgewiesenermaßen so beschleunigt hat???

    Ich sitz im Unterallgäu in Deutschland und warte SEHNLICHST, bis ich wieder ins gelobte Land Südtirol fahren kann.
    Wenns sein muss, dann halt eben über die Schweiz.
    Das geht.
    Auch ohne die bitterböse Österreichische Blockadepolitik.

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