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„Not wird größer“

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Einsamkeit und materielle Not haben in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Nach der „Phase 1“ des Corona-Notstandes bereitet sich nun auch die Caritas jetzt auf die „Phase 2“ vor. „Jetzt gilt es, neu aufzubauen und jene zu unterstützen, die ihre Arbeit oder gar ihre Unterkunft verloren haben“, betont Caritas-Direktor Paolo Valente.

Einsamkeit, familiäre Konflikte, Schwierigkeiten, den veränderten Alltag zu bewältigen, aber auch materielle Notlagen: In den vergangenen zwei Monaten des Corona-Notstandes hat die Caritas ihre Hilfsdienste ausgeweitet, um auf die zunehmenden Anfragen nach psychologischer und materieller Unterstützung reagieren zu können. So wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Netzwerk FoodnetBz regelmäßig Lebensmittelpakete an 300 bedürftige Familien in Bozen verteilt. Die rund 100 Freiwilligen der youngCaritas waren insgesamt mehr als 440 Mal mit 680 Stunden im Einsatz, um für ältere und besonders gefährdete Menschen den Einkauf zu erledigen. „Die Einkaufsdienste werden auch in den nächsten Wochen weitergehen. Die jungen Menschen wollen weiterhin helfen. Viele von ihnen sind nicht nur für die älteren Menschen einkaufen gegangen, sondern haben in dieser Zeit der Isolation auch wertvolle Beziehungen mit ihnen geknüpft“, erklärt Brigitte Hofmann, die Leiterin des Bereiches Caritas&Gemeinschaft.

Ab Montag beginnt bei der Caritas die „Phase 2“. Unter Berücksichtigung aller von der Landesregierung und vom Staat vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen werden schrittweise auch jene Beratungsdienste wieder für den Publikumsverkehr geöffnet, die letzthin nur telefonisch und online erreichbar waren. Für jedes Beratungsgespräch ist dabei vorab eine Terminvereinbarung nötig. Die Männerberatung in Bozen und die psychosoziale Beratung in Schlanders stehen schon jetzt nach Terminabsprache wieder für persönliche Gespräche offen. „Wer schon vor der Coronakrise einsam war, hat in den vergangenen Wochen noch mehr darunter gelitten. Auch die Konflikte in den Familien haben sich durch das Zusammenleben auf engem Raum, Sorgen und Unsicherheit verschärft. Nicht nur der Telefonseelsorge haben viele Anrufende diese Probleme angesprochen“, erklärt Guido Osthoff, der Leiter des Bereiches „Zuhören und beraten“. Der telefonische Beistand der Beratungsdienste habe in solchen Situationen dazu beigetragen, dass Konflikte nicht eskalierten.

Neben seelischen Nöten sind es aber auch finanzielle Notlagen, die immer mehr Menschen in Südtirol zu schaffen machen. In den vergangenen Wochen sind die Anfragen bei der Schuldnerberatung merklich angestiegen. Von 190 Beratungen seit dem 23. April haben die Schuldnerberater 92 mit Menschen geführt, die vorher nie um Hilfe im Caritas-Dienst angefragt hatten. Insgesamt 19.000 Euro hat die Caritas bisher als Überbrückung von finanziellen Notlagen für Bedürftige zur Verfügung gestellt, die sich sonst dringend nötige Medikamente, Güter des täglichen Bedarfs und ausständige Mieten nicht hätten leisten können. „Wer schon vor der Krise nur schwer über die Runden gekommen ist, gerät jetzt noch mehr in Bedrängnis. Dazu kommen noch viele Anfragen von Menschen, die vorher keine finanziellen Probleme hatten“, sagt Guido Osthoff und gibt zu bedenken, dass diese Anfragen in den nächsten Monaten weiter ansteigen könnten. Schließlich hätten viele Berufstätige im März noch normale Gehälter ausbezahlt bekommen, während im April und in den nächsten Monaten viele Einkommen drastisch gesunken sind und gar einige sogar ohne Arbeit dastehen. Besonders schwierig sei die Situation für Saisonkräfte und Mitarbeiter in der Tourismusbranche. „Nach der sanitären Notlage müssen wir jetzt auf die sozialen Nöte reagieren, angefangen bei all jenen, die ihre Arbeit oder sogar ihre Unterkunft verloren haben. Sie brauchen unsere gemeinsame Unterstützung und Beistand, damit sie bald wieder auf eigenen Beinen stehen können“, betont Caritas-Direktor Paolo Valente.

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