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„Unter dem Einkaufspreis“

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Weil Ministerpräsident Giuseppe Conte für chirurgische Masken einen Höchstpreis von 50 Cent pro Stück verordnet hat, werden viele Apotheken vorerst keine mehr verkaufen. Die Hintergründe. 

von Lisi Lang

Die Apotheker sind außer sich: Ministerpräsident Giuseppe Conte hat am Sonntagabend völlig unerwartet einen Höchstpreis für chirurgische Masken von 50 Cent pro Stück verkündet. Die Regierung in Rom will damit der Preistreiberei bei Atemschutzmasken einen Riegel vorschieben. Allerdings: Der neue Fixpreis wurde zuvor nicht abgesprochen. „Wir sind wirklich sehr enttäuscht! Die Apotheken im ganzen Land arbeiten momentan wirklich hart, und sie jetzt so vor vollendete Tatsachen zu stellen, ist kein Zeichen der Dankbarkeit“, ärgert sich Matteo Bonvicini, Präsident des Verbandes der Südtiroler Apothekeninhaber Federfarma.

In Italien und auch in Südtirol steht man jetzt nämlich vor dem Problem, dass dieser Höchstpreis mit den aktuellen Marktpreisen absolut nicht übereinstimmt. „In ganz Italien gibt es aktuell keine einzige Apotheke, die chirurgische Masken um weniger als 50 Cent eingekauft hat“, weiß der Präsident des Verbandes der Südtiroler Apothekeninhaber. Jetzt sollen die Apotheken aber plötzlich Masken um 50 Cent verkaufen, „wobei hier angemerkt werden muss, dass es sich um 50 Cent plus Mehrwertsteuer, also insgesamt 61 Cent handelt“, ergänzt der Apotheker Florian Peer.

Die Apotheken können ihre angekaufte Ware aber nicht um diesen verordneten Preis verkaufen: Erstens, weil sie mehr dafür bezahlt haben und aktuell im Einkauf dafür bezahlen und zweitens, weil es ihnen gesetzlich verboten ist, Ware unter dem Einkaufspreis zu verkaufen. „Selbst der italienische Zivilschutz hat letztens durchschnittlich rund einen Euro pro Maske bezahlt und nicht 50 Cent – wie man also auf diesen Preis gekommen ist, ist mir schleierhaft“, kritisiert Matteo Bonvicini.

Viele Apotheker sprechen von einem Schnellschuss der italienischen Regierung, da die Umsetzung derzeit einfach nicht möglich sei: „Ich würde die Masken auch um 10 Cent verkaufen, wenn ich sie zu einem Preis bekommen würde, der dies ermöglicht, und auch gratis verteilen, wenn sie der Zivilschutz uns liefert – aber dieser Beschluss ist wirtschaftlich einfach nicht tragbar“, unterstreicht der Apotheker Florian Peer.

Der Verband der Südtiroler Apothekeninhaber hat seinen Mitgliedern daher empfohlen, vorerst keine Masken mehr zu verkaufen – so lange, bis es klare Regeln gibt. „Wir dürfen Ware nicht unter dem Einkaufspreis verkaufen – das ist gesetzlich verboten“, betont Bonvicini noch einmal.

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