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Wochenendausflug mit RaiPlay

Reise zu Adele Cucci nach Palermo und zu den Homeless in New Mexico. 

von Renate Mumelter

Zwar können wir inzwischen ein paar Schritte gehen, aber nach Palermo oder New Mexico kommen wir noch nicht. Deshalb lade ich dazu ein, mit RaiPlay zu fliegen und sich Luciano Manuzzi und Gianfranco Rosi anzuvertrauen. 

Beide erzählen Aktuelles. Es wird nur gerade von der alles beherrschenden Seuche aus dem Blickfeld gedrängt. Aktuell wären unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Obdachlose schon. Pesante? Eigentlich nicht. Interessant? Ja.

„Tutto il giorno davanti“ spielt in Palermo und versetzt in einen Tag des Jahres 2016, als dort fast täglich Flüchtlingsboote ankamen. Die Sozialstadträtin Agnese Ciulla wurde automatisch zu deren Sachwalterin. Bald schon waren ihr Hunderte anvertraut. „Große Mutter“ nannten sie damals die Medien. Sie selbst kam an ihre Grenzen, auch weil sie selbst zwei Kinder hatte. In einer einzigartigen Aktion schaffte es Ciulla, ein Gesetz durchzubringen, das es Freiwilligen erlaubt, Vormundschaften zu übernehmen. Vorbereitungkurse dafür gab und gibt es bis heute auch hierzulande. 

Im Film heißt Agnese Ciulla Adele Cucci, gespielt wird sie von Isabella Ragonese. Die erfolgte war nötig, weil dieser Spielfilm vor allem Ciullas Privatleben nicht 1:1 übernimmt. Zweifache Mutter ist sie wirklich. Manuzzis Film kam kürzlich heraus. Wie er auf der Leinwand wirken würde, weiß ich nicht, auf dem kleinen Bildschirm jedenfalls funktioniert er. Das Erzählte ist aufschlussreich, Ragonese überzeugt.  

„Below Sea Level“ von Gianfranco Rosi ist schon etwas älter. Jahre bevor er „Fuocoammare“  drehte, brachte der Preisgekrönte einen Dokumentarfilm heraus, den er über längere Zeit in der Wüste von New Mexico 40m unter dem Meeresspiegel gedreht hatte. Dort hatten sich Obdachlose, Homeless also, angesiedelt, die in einer anarchischen aber doch funktionierenden Gemeinschaft lebten, oder vielleicht dort immer noch leben. 

Zur Zeit der Dreharbeiten waren es jüngere und ältere Männer, einige Frauen, eine Frau, die früher ein Mann war, Glückliche und Unglückliche, Desperados und Hoffnungsvolle.

Rosi nähert sich ihnen schrittweise an, langsam bekommen die Figuren Kontur, Lebensgeschichten werden deutlich, es werden Lebensmodelle vorgestellt, die für uns Obdach Habende schwer vorstellbar sind. Eine spannende Angelegenheit. Die bluesige Musik liefern die Protagonisten selbst. Noch ein Vorteil: Beim Filmschauen lassen sich die eigenen Amerikanisch-Kenntnisse aufbessern, denn der Film läuft in Originalsprache mit Untertiteln. Das Untertitel-Lesen macht allerdings auch keine besondere Mühe.  

„Tutto il giorno davanti“ (I, 2020), 99 Min., Regie Luciano Manuzzi, mit Isabella Ragonese. Bewertung: Sehenswert und kostenlos auf RaiPlay 

https://www.raiplay.it/video/2020/03/tutto-il-giorno-davanti-84b1c0d4-b70a-47c6-aeac-9bacf99d8620.html

„Below Sea Level“ (USA, I, 2008), 110 Min., Regie: Gianfranco Rosi. Bewertung: Sehenswert und kostenlos auf RaiPlay

https://www.raiplay.it/video/2017/08/Below-Sea-Level-8b7b159c-d41a-42f5-84de-8588f5dae314.html

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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