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„Befürchte Rezession im Winter“

Ausnahmesituationen erfordern außerordentliche Maßnahmen: Am Freitag fand die Landesversammlung des Südtiroler Handwerks erstmals in Form einer Videokonferenz statt. Thema waren die Corona-Krise und deren langfristige Auswirkungen.

Knapp 200 Südtiroler Handwerksunternehmer und mehr als 30 Ehrengäste nahmen an der Landesversammlung des Südtiroler Handwerks teil. Das jährliche Ereignis sieht die Genehmigung der Verbandsbilanz vom Vorjahr als auch der Vorschau für das laufende Jahr vor und zählt jedes Jahr zu den wichtigsten Zusammentreffen zwischen Wirtschaft und Politik. Heuer wurde die Veranstaltung aufgrund der Einschränkungen von Corona/Covid-19 digital abgehalten.

lvh-Präsident Martin Haller nahm unmittelbar Stellung zur aktuellen Wirtschaftslage: „Die wichtigste Grundlage für das Überleben der Handwerksbetriebe ist geschaffen: Seit Montag darf der Großteil der Sektoren wieder arbeiten und damit ist ein essentieller Schritt zur Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen und sozialen Lebens erfolgt.“ Derzeit werde an weiteren Lockerungen für jene Berufe gearbeitet, die in direktem Kundenkontakt stehen wie die Friseure oder Schönheitspfleger, sodass auch diese Sparten ihre Tätigkeit schnellstmöglich wieder aufnehmen können. „Die Politik hat in diesem Zusammenhang mutige Entscheidungen getroffen. Sie hat uns das Vertrauen geschenkt, um das Wirtschaftsrad wieder in Gang zu bringen. Mir ist durchaus klar, dass es ist nicht leicht ist, verantwortungsvoll zwischen gesundheitlichen Notwendigkeiten und wirtschaftlichen Erfordernissen abzuwägen. Umso mehr möchte ich mich bei den politischen Entscheidungsträgern, allen voran Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landesrat Philipp Achammer, aber auch unserem Ansprechpartner im Südtiroler Landtag Gert Lanz für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken“, betonte Haller.

In seiner Rede ging der Verbandschef auf die aktuell größten Herausforderungen im Handwerk ein. Höchste Priorität haben derzeit die Sicherheit und der Gesundheitsschutz auf Baustellen, in Werkstätten und sonstigen Arbeitsstätten. Die Einhaltung der Sicherheits- und Hygienemaßnahmen seien unerlässlich für die Gesundheit am Arbeitsplatz. Sorgen bereitet Martin Haller die Zukunft: „Der lange Stillstand und die wirtschaftliche Unsicherheit haben vielfach die Aufträge einbrechen lassen. Während in dieser ersten Arbeitswoche nahezu alle Unternehmen enthusiastisch ihre liegengebliebenen Arbeiten wieder aufgenommen haben und bis in den Sommer hinein mit diesen Aufträgen beschäftigt sein werden, befürchte ich eine Rezession spätestens im Winter. Covid-19 hat auch den Tourismus sehr hart getroffen, sodass vielzählige Umbau-, Ausbau- oder Neuprojekte komplett storniert worden sind. Diese fehlenden Aufträge werden wir erst noch zu spüren bekommen.“

 

Damit der Neustart auch gelingen kann, hofft das Handwerk auf den weiteren Support der Politik. So zum Beispiel, wenn es darum geht, nachhaltige Prozesse zu fördern, Kooperationen zu stärken, heimischen Betrieben den Vorzug bei öffentlichen Ausschreibungen zu geben und lokale Kreisläufe zu forcieren. „Der lange Weg, der uns bevorsteht, kann nur in enger Zusammenarbeit gelingen. Das Handwerk sichert der Politik seine volle Unterstützung zu und hofft, dass die wirtschaftliche Normalisierung auch weiterhin gemeinsam mit dem Handwerk gestaltet wird“, bekräftigt Martin Haller.

Die Zusicherung für die weitere Unterstützung erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher im Rahmen der Videokonferenz: „Während es in der ersten Phase vor allem darum ging, den Gesundheitsbetrieb aufrecht zu erhalten, ist es nun in Phase zwei das Ziel, die Wirtschaft überlebensfähig zu halten. Mit Liquiditätsbeschaffung und Hilfsmaßnahmen auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene. Unerlässlich für die Zukunft wird ein Konjunkturprogramm sein, das vor allem Investitionen vorsieht.“

Klare Worte kamen auch von Wirtschafts- und Bildungslandesrat Philipp Achammer. Er richtete einen klaren Appell an die römische Regierung: „Wir benötigen endlich Planungssicherheit. Das größte Problem für viele Unternehmen stellt die Unsicherheit dar sprich nicht zu wissen, wann alle Sektoren endlich wieder arbeiten dürfen. Unser Ziel wird es auch in den nächsten Monaten sein, mit Verantwortungsbewusstsein Gesundheit und Menschen zu schützen, dafür benötigen wir aber klare Entscheidungen“, sagte Achammer.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (2)

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  • leser

    Naja lieber handwerkerverband
    Wenn man bedenkt dass grosse Wirtschaftsstrukturen bis vor drei Monaten nahezu jede Gelegenheit wahrgenommen haben um zu expandieren
    Ich nenne ein paar Beispiele aus den grossen Reihen
    Lufthansa beispielsweisehat in den letzten Jahren nahezu jede Fluggesellschaft übernommen, jetzt nach 3 Monaten pandemie verlangt sie ein Hilfspaket von 9 Milliarden ( und aller Voraussicht kriegt sie es auch)
    Oder die Autoindustrien, die in den letzten 15 Jahren sich nahezu alle kleineren Produzenten einvernommen haben und die Zulieferer nahezu totalabhängig gemacht haben, verlangen jetzt hundertemilliardenschwere Subventionen, die sie als entwicklungsprämie umbenannt haben (und kriegen diese wahrscheinlich auch)
    Tja und die Banken, die jetzt aufhalten wollen wir gar nicht beschreiben

    Dasselbe wollt ihr jetzt anstreben indem ihr eure bettel und zuschussorgien in Stellung bringt
    Die eigentlichen Verlierer scheinen schon jetzt festzustehen und dass werden wohl die kleinen Leute und Familien sein, die sich den breitspurigen Unternehmern, überschuldeten hoteliere , Bauern usw tagtäglich als die ausführende Schicht zur Verfügung stellt
    Arrogante Wirtschaftsverbände drehen den Spiess um und machen auf Opfer und Bedürftige um an den vordersten Plätzen der Zuwendungen zu stehen
    Haller und co ist eigentlich wohl verrückt oder?
    Der von euch gepriesene brotgeber wird zum Bittsteller und scheint dabei jede Art von berührungsängsten abzulegen
    Und dafür erntet ihr noch zartes Schulterklappen der Politik
    Schämen braucht man sich für nichts mehr

  • emma

    wendets IT praktiken schlauer an, a bissl grau, a bissl schworz,
    handwerker braucht jeder, net die zettl.

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