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Ausgeschlossene Schüler

Die Abendoberschüler in Südtirol sind verärgert: Wegen der aktuellen Ausnahmesituation soll ihre Maturaprüfung auf September verschoben werden. Nun versucht man in Rom eine Ausnahmeregelung für Südtirol zu erreichen.

von Lisi Lang

„Das ist einfach nur ungerecht“, ärgern sich die Schüler der Abendoberschulen in Südtirol, die heuer zur Matura antreten wollen. „Wegen der diesjährigen Ausnahmesituation hat das Unterrichtsministerium ein Dekret erlassen, dass alle Maturanten der Tagesschulen unabhängig von den Noten und Absenzen zur Abschlussprüfung zugelassen werden – aber wir nicht! Das ist eine Diskriminierung und wir wollen das so nicht hinnehmen“, unterstreicht eine Sprecherin der Abendschüler.

Sollten die Schulen nicht spätestens am 18. Mai wieder geöffnet werden, wird es heuer eine ganz neue Form der Matura geben. Das hat letzte Woche Unterrichtsministerin Lucia Azzolina verkündet und dem Ministerrat ein entsprechendes Dekret vorgelegt. Dieses Dekret sieht vor, dass einerseits weder Lernrückstände noch Absenzen von Tagesschülern Auswirkungen auf eine Zulassung zur Abschlussprüfung haben sollen. Andererseits sieht dieses Dekret auch vor, dass alle externen Kandidaten die Matura erst im September schreiben dürfen, gemeinsam mit jenen Maturanten, welche die Prüfung beispielsweise krankheitsbedingt nicht regulär absolvieren konnten. Und da jene Schüler, die in Südtirol eine Abendoberschule besuchen, als externe Kandidaten die Matura schreiben, sind sie von dieser Regelung betroffen. „Wir finden es einfach nicht richtig, dass wir für diese Ausnahmesituation bestraft werden. Wir besuchen wie alle anderen Schüler regelmäßig die Abendschule und haben uns auch bereits auf die Vorprüfungen vorbereitet. Uns jetzt einfach auszuschließen, ist nicht gerecht, auch weil man nicht beachtet, welche Probleme und Konsequenzen für uns entstehen“, so die Abendschüler.

Normalerweise würden die Abendoberschüler der 5. Klasse Ende Mai eine Vorprüfung schreiben, wenn sie diese bestehen, werden sie zur Matura zugelassen. „Die Abendoberschule gibt es in dieser Form nur in Südtirol: Es besteht zwar eine Anwesenheitspflicht, aber die Schüler werden unterm Jahr nicht benotet“, erläutert Schulinspektor Werner Sporer. „Vor der eigentlichen Maturaprüfung müssen die Kandidaten daher eine Vorprüfung bestehen“. Und genau diese Vorprüfungen werden laut Dekret auf September verschoben, sodass die Schüler erst im Anschluss zur Matura antreten können.

Da die mehr als 50 betroffenen Abendoberschüler diese Situation nicht einfach so akzeptieren wollen, hat man versucht, beim Schulamt, dem Bildungslandesrat aber auch den Senatoren in Rom zu intervenieren. „Wir müssen uns bei Benedikt Burger bedanken, dem Koordinator der Abendoberschule an der WFO in Bruneck, der uns dabei sehr unterstützt hat“, so die Schüler in Bruneck.

Benedikt Burger weiß um die Probleme der Schüler: „Sie besuchen mehrmals pro Woche abends die Schule – seit März wird ein Fernunterricht organisiert – und haben sich auch bereits auf die Vorprüfungen im Mai vorbereitet“, erklärt Benedikt Burger. „Jetzt plötzlich soll das alles verschoben werde, was natürlich auch die beruflichen, privaten und universitären Pläne der Kandidaten stark beeinflusst“, erklärt Burger.

Auch im Schulamt weiß man über diese Situation Bescheid und versucht in Rom alle Hebel in Bewegung zu setzen, um eine Ausnahme für Südtirol zu erwirken. „Die einzige Möglichkeit, um diese Schüler doch noch bei der normalen Abschlussprüfung zulassen zu können, führt über eine gesetzliche Änderung“, erläutert Schulinspektor Sporer. Autonome Kompetenzen habe man diesbezüglich nicht.

Sei es die betroffenen Schüler als auch das Schulamt haben sich daher bereits mit den Parlamentariern in Verbindung gesetzt und diese arbeiten nun gemeinsam mit dem Schulamt an einem Abänderungsantrag. „Die Abendschüler sind formal externe Kandidaten und daher müssen wir versuchen, eine Ausnahmeregelung für Südtirol zu erreichen, dass wir diesen spezifischen Fall autonom behandeln können“, erklärt Senator Meinhard Durnwalder, der davon ausgeht, dass der Gesetzestext nächste Woche im Senat behandelt wird.

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