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Der Zickzack-LH

Spaziergänge zu Fuß, Besuche von Kindern und Partnern, wirtschaftliche Lockerungen: Mit seinem neuen Corona-Dekret hat LH Arno Kompatscher große Erwartungen geweckt und Verwirrung gestiftet.

Von Matthias Kofler

Das neueste Dekret mit Dringlichkeitsmaßnahmen, das LH Arno Kompatscher am Montagabend unterzeichnete, hat in der Bevölkerung große Erwartungen erweckt, die in ihrer Gänze nicht erfüllt werden können. Gleichzeitig wurde mit einigen unpräzise formulierten Begrifflichkeiten im Dekret Verwirrung gestiftet, die der LH auf der virtuellen Pressekonferenz aus dem Weg räumen wollte. Ziel der neuen Verordnung sei es, eine Balance zwischen dem Gesundheitsschutz als oberstes Prinzip auf der einen Seite und dem Wunsch der Bürger nach weiteren Öffnungen und Lockerungen auf der anderen zu schaffen, erklärte Kompatscher.

Die neue Verordnung sieht vor, dass sich die Bürger in der eigenen Gemeinde zu Fuß im Freien bewegen können, ohne dass dabei eine Entfernungsgrenze zur eigenen Wohnung gilt. „Wenn ich mich vom Haus weiter wegentferne, erhöhe ich das Infektionsrisiko nicht, solange ich dabei nicht mit anderen Personen zusammenkomme“, so der LH. Das sei aber nicht als Aufforderung zu verstehen, „jetzt die schwierigsten Berge zu besteigen und damit ein großes Risiko einzugehen“. Das Problem: Die Bürgermeister haben die Möglichkeit, ihrerseits Meter-Grenzen innerhalb des Gemeindegebiets festzulegen, wodurch es keine einheitliche Regelung in Südtirol gibt.

Eine hohe Erwartungshaltung gab es auch bei der Ankündigung der Landesregierung, wonach künftig auch gegenseitige Besuche von Kindern und Lebenspartnern erlaubt sein sollen. Hier macht der LH einen Rückzieher: So ist es von nun an möglich, einen einmaligen Wohnortwechsel vorzunehmen, um zu den minderjährigen Kindern oder zum Lebenspartner zu ziehen. Der Besuch der Großeltern bleibt weiterhin verboten – mit Ausnahme von Pflegebesuchen, die aber schon zuvor erlaubt waren. Auch beim Besuch der geschiedenen Kinder ändert sich nichts, da diese nie verboten waren. „Ich bitte um Nachsicht, dass nicht jeder jeden besuchen kann und es auch kein Hin- und Herpendeln geben wird. Denn dann hätten wir keine Möglichkeit der Kontrolle mehr“, so Kompatscher.

Was die in Aussicht gestellten wirtschaftlichen Lockerungen betrifft, schickte der LH voraus, dass Südtirol zu Beginn der Krise strenger als der Staat reagiert habe. Mit den neuen Regelungen nähere man sich an jene des Staates und der anderen Regionen an: So fällt die Obergrenze von fünf Mitarbeitern bei den erlaubten Tätigkeiten. Und man kann ab jetzt im eigenen Betrieb mit den zusammenlebenden Familienmitgliedern jede Produktions- und Dienstleistungstätigkeit verrichten, wenn es dabei zu keinem Kunden- oder Lieferantenkontakt kommt.

Es sei eine „Frage des Vertrauens“, unterstrich Kompatscher. „Während andere Regionen und der Staat sagen: ,Wir müssen das so regeln, denn sonst machen die Menschen, was sie wollen‘, bauen wir auf die Eigenverantwortung der Bürger. Die Südtiroler haben mit großer Disziplin bewiesen, dass sie dieses Vertrauen verdienen.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (26)

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  • andimaxi

    Pfiatinocht. Horcht der sich monchmol a selber zua?

  • waldhexe

    Für eines sind sie gut Herr LH,einer grossen Menge von Menschen an einen Tag grosse Hoffnungen zumachen und gleich am nächsten Tag wieder zu nehmen.
    z.B.Wenn ich mich jetzt entscheide zu meinen Freund zu ziehen,darf dann noch in meine eigene Wohnung zurück? Immer das selbe,Fragen über Fragen

  • leser

    Ist zwar kein führertyp aber umgänglich istHalt ein lieblingsschwiegersohn

  • wollpertinger

    Der Landeshauptmann könnte sich seine vollkommen überflüssigen Verordnungen und Präzisierungen sparen. Polizei, Carabinieri und Militär hören ohnehin nicht auf das, was dieser für sie vollkommen unbedeutende „governatore“ sagt. Aber zumindest hat er seine Speichellecker von der RAI, die ihn täglich hochleben lassen. Die Realität interessiert diese Menschen nicht.

  • markusgufler

    Es war jedenfalls einen Versuch wert an Hausverstand und Verständnis zu appellieren.

    Leider waren offensichtlich selbst gestandene Journalisten nicht in der Lage den offensichtlich nicht geläufigen Begriff „Kernfamilie“ zu googeln, und haben kräftig dazu beigetragen falsche Hoffnungen zu wecken.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kernfamilie

    Nächstes Mal erwarte ich wird es wieder eine kompliziertere und in allen Details ausformulierte Regelung geben. Dann darf sich die Sensations- und Drama-lüstige Presse wieder daran echauffieren, dass alles überregelt und zu kompliziert ist.

    • drago

      Aber dann ganz sicher nicht vom LH. Wenn man seine Notverordnungen zu Mundschutz (Nr. 16, 17 und 18, alle inzwischen gelöscht) angesehen hat, mit denen er am ersten Tag den Mundschutz verordnet hat, am 2. Tag empfohlen hat und 3 Tage später wieder verordnet hat, dann weiß man, dass der Herr oft nicht weiß wovon er spricht oder vielleicht worüber er schreibt. Oder er ließt nicht, was er unterschreibt. Usw.

  • besserwisser

    was hat er jetzt schon wieder angestellt? die schlagzeile weckt auch erwartungen die der artikel nicht erfüllt.
    die landesregierung hat ja kaum handlungsspielraum, jeder spielt sich danach im forum als allewisser auf, sie strengen sich an, aber sie können den guten virus halt auch nicht einfach wieder nach hause schicken!

  • issy

    Das kleine Tschechien zeigt Europa wie man den Virus in den Griff bekommt ohne die Wirtschaft abzuwürgen:

    https://www.youtube.com/watch?time_continue=205&v=HhNo_IOPOtU&feature=emb_logo

  • silberfuxx

    …. Man kann nur neidisch hinter den Brenner schauen wie klar, problemlos und professionell sie das machen…. Bitte leiht uns den Kurz für ein paar Tage….

  • criticus

    Werter Herr Landeshauptmann, wichtig ist, dass die bis zu den Zähnen, teilweise nur einsprachigen schwerbewaffneten Sicherheitskräfte inklusive Schulers Försterarmee ihre neuen Regeln mitbekommen haben. Sonst nützt alles nichts. Danke und einen schönen Abend!

  • sepp

    Jo losst ihn den LB ist werden woll die wahlschofe woll Mol miet kemm wie schwoch do herr isch und do lachhammer no schwächa viel blabla af facebook und nix dohinto

  • tiroler

    Es sollen doch alle froh seinb dass es Erleichterungen gibt. So kann man in den Wald gehen, Wandern und Sport treiben innerhalb des eigenen Gemeindegebietes.
    Dass man nicht zu FreundInnen im ganzen Land hin und herpendeln kann, versteht sich von selbst

  • orchidee

    Na so ein Affentheater, ich frage mich schon, warum unsere Nachbarländer, wo alles 1-2 Wochen später angefangen hat, die Wirtschaft wieder hochfahren, wo man uns in Südtirol noch die Zentimeter Abstand vorschreibt und an eine Normalität gar nicht denkt.

    In Ausnahmesituationen und beim Steuerzahlen gehören wir zu Italien, ansonsten bezeichnet man uns Südtiroler als „cruchi“ del Nord….

  • franzbach

    Weil mir orschlecho ins ollezomm von der SVP di autonomie augn schwatzn hom lossn anstelle der selbstbestimmung. Nur, die autonomie isch wianiger wert wie a rolle orschpapier, desweiteren bezweifel i, dass die selbstbestimmung bei so a entscheidungslahmen ongshosn wol guat aufkeb währe. A rattenschwanz holt

  • goggile

    Meterbeschrenkung und bürgermeiste? Ja spinnt ihr alle? Massenklagen müssen her, für die unzäligen verbrechen gegenüber steuerbuggler!

  • keepon

    Typisch Südtirol von Dorfdeppen regiert, die keine Ahnung haben und uns bereits seit über 1 Monat einsperren und einen Maulkorb verordnen. Nehmt Euch ein Beispiel an Kurz, Merkel usw., oder bestätigt endlich, dass hier etwas total schief läuft und das von Anfang an!!!!

  • sepp

    Wo laft wos schief hauptsächlich ba do sanität und solche typen sein olm no in omt

  • franz1

    Ser isch zwor kein Hellseher, doch Fakten sprechen sollte er den Virologen und Epedemiolgen überlassen.
    Nur die tgl. Pressestunde mit den „Cowboy-Tiachlan“ sagen wenig aus in der Sache.
    Aber das kann man ihm nicht übel haben, auch die Wissenschaft ändert fast tgl. die Erkenntnisse zum ConviD-19, also ……

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