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Wohin mit den Kindern?

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Wo sollen Eltern ihre Kinder unterbringen, wenn die Betriebe schrittweise wieder aufsperren, aber Schulen und Co. geschlossen bleiben und Großeltern gemieden werden sollen? Die zuständigen Landesräte Achammer und Deeg tappen selbst im Dunkeln.

von Heinrich Schwarz

Bei den Betrieben sieht es danach aus, als könnten sie in den nächsten Wochen schrittweise wieder ihre Tätigkeiten aufnehmen. Die Berufstätigen, die derzeit in Urlaub oder in Lohnausgleich sind, können somit wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Gleichzeitig sieht es bei Schulen, Kindergärten und Kitas so aus, als könnten sie vor Herbst gar nicht mehr öffnen.

Was sollen die Familien also in den nächsten Wochen und Monaten mit ihren Kindern tun, wenn sie diese zur Coronavirus-Vorbeugung nicht bei den Großeltern abgeben sollen oder wollen?

Familienlandesrätin Waltraud Deeg verweist auf Rom: „Der Gesundheitsschutz ist staatliche Kompetenz, weshalb wir in Südtirol keine Sonderregeln machen können. In Rom gibt es auf politischer Ebene unterschiedliche Sichtweisen. Die Familienministerin sagt ‚keine Öffnung der Betriebe ohne Betreuungsangebote‘. Ich teile diese Linie, denn es wäre nicht denkbar, Eltern zurück zur Arbeit zu schicken und keine Angebote für Kinder machen zu können. Doch laut meiner Erfahrung hat der Staat die Familien im Ranking nicht immer ganz oben.“

Deeg befürchtet, dass man die Eltern vergisst. Sie habe die Minister deshalb in einem Schreiben um Maßnahmen für Familien gebeten.

Geht es nach der SVP-Landesrätin, sollte zumindest Betreuung in kleineren Gruppen zugelassen werden. Zudem müsse die außerordentliche Elternzeit verlängert und finanziell aufgestockt werden. „Mindestens auf 80 Prozent des Gehaltes bis zu einem gewissen Betrag – wie beim Lohnausgleich. Denn 50 Prozent sind viel zu wenig“, so Deeg.

Sie hofft auch darauf, dass der Staat dem Land einige Spielräume lässt. „Denn auf Staatsebene ist im Moment gar nichts möglich. Es gibt keine Maßnahmen, die die Probleme der Familien lösen.“ In Deutschland und Österreich etwa sei die Kinderbetreuung bei Berufstätigen nicht gänzlich gestoppt worden.

Der letzte Ausweg wäre laut Waltraud Deeg die 1-zu-1-Betreuung nach dem Modell Baby-Voucher: „Indem man eine Plattform schafft, auf der Interessierte für die Kinderbetreuung – wie Studenten – mit Familien zusammengebracht werden und die Anstellung über das ‚libretto famiglia‘ mit dem Babysitter-Bonus abgerechnet werden kann.“

Bildungslandesrat Philipp Achammer betont, dass in Sachen Betriebe und Schulen noch nichts definitiv entschieden sei. Die Frage der Eltern sei aber berechtigt. „Ein Grundproblem bleibt, dass uns die Hände gebunden sind. Wir hätten gerne Betreuungsformen organisiert, aber das ist aufgrund der staatlichen Bestimmungen nicht möglich. Falls die Schulen tatsächlich geschlossen bleiben und die Betriebe schrittweise öffnen, werden wir in der Landesregierung sicher darüber reden müssen, wie wir die Familien unterstützen können“, sagt Achammer.

Für großes Kopfzerbrechen sorgt auch die Sommerbetreuung. Es ist nicht klar, ob und wie sie stattfinden darf. Sollen die Anbieter weiterplanen? Sollen die Eltern ihre Kinder einschreiben? „Wenn es innerhalb Mai keine Klärung gibt, ob die Anbieter die geplanten Projekte überhaupt starten können, müssen sie diese absagen“, sagt Waltraud Deeg mit verbittertem Ton.

Sie sei mit den Anbietern im Austausch: „Wir diskutieren auch, wie wir zusätzliches Angebot schaffen können, da viele Eltern Urlaub und Wartestände aufgebraucht haben. Wir suchen nach zusätzlichen Räumlichkeiten und Personal. Die Anbieter können das Angebot zwar potenzieren, aber sicher nicht alles auffangen“, verweist Deeg auf eventuelle Hilfe der Bildungslandesräte, um den Bedarf zu decken.

Wird möglicherweise auch Lehr- und Kindergartenpersonal im Sommer eingespannt? Philipp Achammer: „In den letzten Jahren hat Kindergartenpersonal ja auch schon Sommerkindergärten übernommen – im Rahmen der geltenden Verträge. Es sind verschiedene Dinge zu diskutieren. Wir werden dabei sicherlich koordiniert vorgehen.“

Eine Frage ist auch, wie Familien die Sommerbetreuung finanzieren sollen, wenn sie derzeit weniger Einkommen haben. „Darüber werden wir in der Landesregierung sprechen“, versichert Deeg.

Es gibt derzeit also sehr viele Fragen und wenig Antworten.

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Kommentare (23)

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  • insider84

    Falls die Schulen tatsächlich geschlossen bleiben und die Betriebe schrittweise öffnen, werden wir in der Landesregierung sicher darüber reden müssen, wie wir die Familien unterstützen können“, sagt Achammer.

    Wie wär’s, wenn ihr ausnahmsweise schon mal früher drüber nachdenkt, wie’s weitergesehen soll?

  • jennewein

    Foppa und jasmin usw. sähe euch gut so als kleingruppenbetreuerinnen.
    Ihr seit ja sonst auch so einfallsreich und momentan gutbezahlte arbeitslose.

    • asterix

      Also Kinder betreuen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Die Hand an der Wiege bewegt die Welt. Da würde ich diese zwei Damen schon absolut nicht ranlassen. Das wäre mir für die Kinder zu gefährlich.

  • asterix

    Die tappen eigendlich immer im Dunkeln. Das sind die gewohnt. Tragisch nur dass es Landesräte sind. Besonders ein Wirtschaftslandesrat sollte nicht Tappen. Aber er kann ja im Weinbergweg bei seinem Chef nachfragen. Oder in der Handekskammer.

  • heinz

    Soviel wie möglich auf Homeworking umstellen und wo es nicht geht, Betriebe in die Pflicht nehmen, dass Kinderbetreuungen vor Ort von Mitarbeitern angeboten werden können.

    • leser

      Heinz
      Auf homeworking kannst du nur die Jobs der äffischen umstellen und ausschliesslich Jobs die nichts produzieren
      Eigentlich ist das ganz einfach
      Der Landeshauptmann muss nur aufstehen und sagen dass jetzt gearbeitet wird
      Ein Beispiel duka in brixen arbeitet und es gibt noch ein paar andere grosse
      Schicke er da keine Schärfen?

    • unterlandlerin

      homeworking mit 2 oder mehrere kinder drhoam isch leichter gsog wia geton!! zem muaß nor dr fernseh als babysitter herholten und sel isch a lai kurze zeit interessant

  • flottebiene

    Ich frage mich,wie eine 1-1Betreuung aussehen soll? Die Babysitter werden doch zum Spielplatz laufen,wo auch andere Kinder sein werden….
    @heinz-in den Betrieben würden dann auch wieder zu viele Kinder zusammenkommen…und Frau Foppa oder Ladurner würde 8ch mein Kind nicht anvertrauen.

    • leser

      Flottebiene
      Die sollen ihre Kinder mitnehmen
      Wenn der Angestellte schon das Kapital eines Betriebes ist wie immer gesagt wird dann kann man sich auf diesen Umstand auch einrichten
      Es ist Notstand und jeder versteht das

  • leonard

    Was nutzt uns die vielgepriesene Autonomie, wenn wir sie nicht einmal in der Kinderbetreuung anwenden können?

  • bergsteiger

    Warum geht es nicht wie in Österreich? Die Lehrer werden eh bezahlt und die könnten doch in Härtefällen in der Schule in kleinen Gruppen die Kinder betreuen?

  • mimi01

    In Deutschland weart do Kindogortn und Schuile as leschts aufgetun… weil di Kindo in dem olto no net mit Schutzmaßnahmen umgian kennen… do gibs a Gutachten… also wur des Virus weitervobreitit… und wer wuas schun ob net a por Kindo a gschwächts Immunsystem hobm, sel wuasman erst bols zu spot isch und bol Familien und Betreuer ungsteckt sein…. wio soll man sich mit de Maßnahmen voholtn wenn sich a Kindl weatuit…. in de Notgruppen sein äußerst wianige Kindo, wo di Eltern nachweisen miasn dasse kuane ondre Möglichkeiten hobm…. also bet wio des enk des vorstellt, aussodem wenn viele selbo dohuame sein wieso net di eigenen Kindo betreuen mit a Elternzeit….

  • alexbozen

    Unsere Kinder bleiben Zuhause bei der Mami. …so einfach schaut es bei uns aus.

  • flottebiene

    Vielleicht wellns die Mamis…kenn Odo terfn net aus voschiedenste Gründe…

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