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Fitness, tanzen, heiraten

Mit dem Filmemacher Karl Prossliner zu Menschen und Leidenschaften in Südtirol.

von Renate Mumelter

Sein Erzählstil hat hohen Wiedererkennungswert. Karl Prossliner setzt in den Dokumentarfilmen auf klare, durchkomponierte Bilder. Der Regisseur selbst bleibt im Hintergrund, stellt keine Fragen, verzichtet auf jeden Kommentar, lässt einfach erzählen. Das bedeutet nicht, dass die erzählten Geschichten kommentarlos daherkommen. Das Dargestellte spricht für sich, und dem Publikum steht es frei, sich eine eigene Meinung zu bilden. 

Die Protagonistinnen und Protagonisten wählt Prossliner so aus, dass sie unterschiedliche Aspekte zum Erzählten beleuchten, weil sie unterschiedliche Haltungen zum Thema haben. Was sie verbindet, ist die Leidenschaft für das, was sie tun. Das kann sehr amüsant sein, ohne dass es auf Kosten der Menschen  geht.

„Im Fitness Studio“ beispielsweise trifft Prossliner einen jungen Mann mit muskelbepacktem Körper, der begeistert davon erzählt, wie gern er seinen Körper modelliert und davon, wie lange er das noch machen will – sehr lange. Der junge Mann wirkt sympathisch, auch wenn Muskelpakete und Fitness Studios kein besonderes Interesse wecken wie das bei mir der Fall ist. 

Beim Film über das „Tanzen“ ist das so ähnlich. Zwischen Schuhplatteln, Line-Dance, Mutter-Kind-Tanzen, Tango und der Tanzschule Spetzger ist alles dabei. Für mich übrigens eine einzigartige Gelegenheit, nach Jahrzehnten wieder in den Spetzger’schen Tanzsaal zu schauen – alles unverändert übrigens. Das, was unabhängig vom Tanzstil herüberkommt, ist die Begeisterung der Tanzenden für das, was sie tun, und das macht gute Laune.

Etwas komplexer ist „Für die Ewigkeit“. Da geht’s nämlich ums Heiraten und zwar ums aufwändige Heiraten. Wenn man erst in späten Jahren und in Minimalbesetzung am Standesamt geheiratet hat, ist dieses Pompösere eine fremde Welt. Andere ticken eben anders, und das dürfen sie auch gerne. Mit alten Ehepaaren und Super-8-Filmausschnitten von deren Hochzeit, beleuchtet Prossliner den Aspekt Ewigkeit. Die Paare erinnern sich an ihre Hochzeit, daran, wie es damals war, und sie sprechen darüber, wie sie heute zurechtkommen. Eine Witwe ist auch dabei.

Karl Prossliner ist 1953 in Mals geboren, hat 1977 bis 1983  Regie an der Universität für Musik und darstellende Kunst, Abteilung Film und Fernsehen, in Wien studiert, lebt als freischaffender Filmemacher in Meran.

Unter K.Filmproduktion gibt es insgesamt 35 Videos von Karl Prossliner zu sehen. Die Filme behandeln ganz unterschiedliche Themen, und sie sie kommen aus verschiedenen Jahrzehnten. Der älteste ist „Das seltsame Haus“ aus dem Jahr 1985, damals noch auf 16mm gedreht.

https://vimeo.com/user11977881

„Tanzen“, 31.35 Min., Regie Karl Prossliner

„Im Fitness Studio“ (2017), 28.18 Min., Regie Karl Prossliner

„Am Beginn der Ewigkeit“ (2018), 46.40 Min., Regie Karl Prossliner 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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