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Virus im Abwasser

Foto: LPA/ pexels.com

Mit Abwasserproben wollen Forscher der Uni Innsbruck die Verbreitung des Coronavirus nachweisen. Wird die Studie auch auf Südtirol ausgedehnt? 

von Lisi Lang

Wie viele Menschen sind mit dem Coronavirus infiziert? Bis heute können Mediziner nicht genau bestimmen, wie viele Menschen sich mit dem neuartigen Virus infiziert haben. Warum? Viele Infizierte zeigen keine Symptome und können das Virus daher unwissend in sich tragen.

Die große Frage nach der Dunkelziffer und der aktiven Ausbreitung des Virus beschäftigt daher derzeit verschiedene wissenschaftliche Disziplinen. Nun arbeiten Forscher weltweit daran, über das Abwasser Rückschlüsse auf die Verbreitung des Virus zu ziehen. Neueste Studien zeigen nämlich, dass zwanzig Prozent oder mehr an COVID-19- Erkrankten Sars-COV-2 über den Stuhl ausscheiden. „In den Niederlanden haben es Forscher bereits geschafft, den Erreger im Abwasser nachzuweisen“, erklärt Rudolf Markt vom Institut für Mikrobiologie an der Universität Innsbruck.

Auch Forscher der Uni Innsbruck wollen nun im Abwasser nach dem Virus suchen. Ein Team um Rudolf Markt hat bereits erste Abwasserproben genommen und will diese nun genauer analysieren. „Wir sind mit dieser Idee vor zwei Wochen gestartet und tauschen uns aktuell mit den Kollegen in den USA, in den Niederlanden und auch in Australien aus“, erläutert Rudolf Markt.

Der Grundsatz für die Analyse ist ähnlich wie bei den Abwasseranalysen im Bezug auf den Drogenkonsum der Bevölkerung. „Es sollen Virusfragmente aus dem Abwasser extrahiert werden, um anhand dieser Werte wiederum personenunabhängige Rückschlüsse auf die Verbreitung der Infektion ziehen zu können“, erläutert Rudolf Markt.

Sollten die Analysen konkrete Ergebnisse liefern, können sich die Forscher durchaus vorstellen, die Erhebungen wie beim Drogenkonsum auf Südtirol auszudehnen. Dafür seien aber erst noch Gespräche mit den Kläranlagen und Behörden notwendig.

Die entwickelte Methodik soll in Zukunft genutzt werden, um frühzeitig vor dem Wiederauftreten des Coronavirus warnen zu können und helfen, die Wirksamkeit von Interventionen abzuschätzen.

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