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„Radikale Einschnitte“

Knapp 18.000 vorzeitig beendete Arbeitsverhältnisse: Die ersten Zahlen und Daten der Landesabteilung Arbeit zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie liegen vor. 

Die Arbeitsmarktbeobachtung der Landesabteilung Arbeit hat die ersten belastbaren Daten über die Entwicklung auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt für den Monat März 2020 herausgegeben. In Tabellen anschaulich dargestellt werden die Zahlen und Daten im neu erschienenen Informationsblatt Arbeitsmarkt news. Es nimmt die Abmeldungen von Arbeitsverhältnissen unter die Lupe, stützt sich also auf die verwaltungsbezogenen Daten: Kurzarbeit, Sonderurlaube und die beginnende Kurzarbeit (Lohnausgleich) sind nicht berücksichtigt.

Bekanntlich endete in diesem Jahr 2020 die Wintersaison abrupt am 9. März 2020 und damit drei bis vier Wochen früher als vorgesehen. Mit den Dekreten des Ministerpräsidenten vom 8. und 11. März wurden weitgehende Einschränkungen der wirtschaftlichen Tätigkeiten angeordnet, um der Corona-Pandemie Einhalt zu gebieten. Dies hat sich vor allem auf die zwei Branchen ausgewirkt, die überaus stark saisonal geprägt sind: die Beherbergung und die Gastronomie.

„Bereits auf den ersten Blick beeindrucken die hohe Anzahl und die Unmittelbarkeit der Beendigung der Arbeitsverhältnisse. In der Endwoche der Wintersaison, also vom 9. bis zum 15. März dieses Jahres, hatten wir insgesamt 17.750 Beendigungen. Es kommt selten vor, dass ein Arbeitsmarkt in wenigen Tagen einen derart radikalen Einschnitt erlebt. Dieser betrifft zudem nicht nur saisonale Arbeitsverhältnisse, sondern beispielsweise in der Gastronomie auch Betriebe, die ganzjährig geöffnet haben – denken wir an die Restaurants in den Städten“, erklärt der Direktor der Landesabteilung Arbeit, Stefan Luther.

Waren in der Beherbergung Ende Februar 2020 noch etwa 21.000 Personen abhängig beschäftigt, so sinkt dieser Wert zum 31. März auf knapp 7000. Bemerkenswert auch der Rückgang innerhalb eines Monats in der Gastronomie: der Wert sinkt von knapp 11.000 Arbeitnehmenden auf etwa 7000. Rückgänge verzeichnen auch Bereiche, die eng mit den genannten Sektoren in Verbindung stehen: die Aufstiegsanlagen, aber auch die Skilehrer, die statistisch gesehen zum Bereich Erziehung gehören, der Einzelhandel sowie das Segment Sport und Unterhaltung.

Und wie geht es weiter?

„Wie sich die Beschäftigung in Zukunft entwickeln wird, hängt zuallererst von der wirtschaftspolitischen und konjunkturellen Entwicklung ab; und zwar nicht nur in Südtirol, sondern in unseren wichtigsten Partnerländern“, erklärt Stefan Luther. „Es existieren zwar Szenarien; welche Entwicklung allerdings in der Realität eintreten wird, kann niemand einschätzen. Eine zweite, wichtige Rahmenbedingung für die Entwicklung des Südtiroler Arbeitsmarktes ist, wie der „Lohnausgleich“ – die italienische Form der Kurzarbeit – angenommen wird. Derzeit schaffen die Landespolitik und der Staat über die Zuweisungen von Geldmitteln an das INPS/NISF sowie die Sozialpartner gute Voraussetzungen dafür. Ausgleichsmaßnahmen durch Lohnausgleich stützen die Menschen unter sozialen Gesichtspunkten, aber auch den Konsum. Damit wird entscheidend zum Erhalt von Betrieben beigetragen. Diese „Prognose“ traue ich mir allerdings zu: Beständig wird in Zukunft nur der Wandel auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt sein.“

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