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Minus fünf Prozent

Georg Lun, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstitutes, rechnet mit einem BIP-Rückgang von 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro, sieht den Imageschaden für den Tourismus doch nicht mehr so hoch – und hält die massive Schuldenaufnahme des Landes für absolut richtig.

Tageszeitung: Herr Lun, der Industriellenverband Confindustria geht von einem Rückgang des italienischen Bruttoinlandsproduktes von zehn Prozent im ersten Semester aus und von minus sechs Prozent bis Jahresende. Würden Sie das so unterschreiben?

Georg Lun: Für Italien ist das sicher realistisch. Im Vergleich mit anderen Ländern sind die Prognosen für Italien deutlich schlechter. Auch bei der Finanzkrise hatte Italien eine große Delle. Es hängt sehr viel davon ab, wie schnell man aus der jetzigen Krise wieder herauskommt. In Deutschland ist man derzeit der Meinung, schnell wieder an die alte Entwicklung anschließen zu können. In Italien habe ich eher den Eindruck, dass den Entscheidungsträgern nicht mehr ganz klar ist, ob sie wirklich so schnell wieder alles hinauffahren können. Deswegen sind die Erwartungen in Italien auch schlechter.

Die Confindustria-Schätzung basiert auf der Annahme, dass bis Ende Mai der größte Notstand überstanden ist. Welche Auswirkungen auf das BIP würden Sie in diesem Szenario für Südtirol schätzen?

Ich halte ein Minus von fünf Prozent auf das ganze Jahre gerechnet für realistisch. Man muss auch bedenken: In gewissen Branchen wie gerade im Tourismus ist es unwahrscheinlich, dass im Mai alles schon wieder läuft wie zuvor. Und der Tourismus ist in Südtirol eine wesentliche Branche. Wenn es dort länger dauert, sind die Auswirkungen entsprechend groß. Auf der anderen Seite werden jetzt in ganz Europa Pakete geschnürt, um Liquidität zu sichern – auch in Südtirol, was sicher extrem wichtig ist, damit Unternehmen nicht in Insolvenz geraten und nach der Corona-Krise wieder gleich durchstarten können. Die fünf Prozent würde ich also bestätigen, denn die unternehmerische Tätigkeit wird sicher erst im Mai wieder langsam ansteigen.

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Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (9)

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  • unglaublich

    Ich hoffe, kann es aber nicht glauben, dass die Gelder wirklich an die Bedürftigen geht. Ob Unternehmer oder Arbeitnehmer ist mir egal, aber bitte,bitte nur an die, die es wirklich brauchen. Und in Zukunft kann es doch nicht mehr so sein, dass Unternehmen praktisch keine Rücklagen haben, weil das Geld sofort reinvestiert wird (natürlich auch aus steuerlichen Gründen).

    • kirke

      Seltsam, Goldmann Sachs rechnet mit einem Rückgang von 40% in Europa. Das währen dann in Italien…
      Aber das erfahren wir natürlich nicht. Wir werden es aber bald spüren.
      Wie sagte es Markus Krall schon vor Monaten: Wenn eine geringer werdende Warenmenge auf eine immer grössere Geldmenge trifft werden die Preise explodieren.
      Die ältere Generation in Italien kennt das noch von der Lira, die Jüngeren werden bald ihr blaues Wunder mit einer Hyperinflation erleben.

  • ich1979

    Heute wieder super Nachrichten.
    Morgen Weltuntergang

  • leser

    Lun
    Ein rückgang von 5% wird verheerende auswirkungen haben
    In der realwirtschaft heisst das dass bis 30% klein und mittelbetriebe vor die hunde gehen werden
    Diese rettung ist gar nicht machbar

  • jennifer

    Minus 5% halte ich für zu optimistisch. China ist immer noch nicht bei 100%, Europa steht still und die USA fahren gerade alles runter. Tourismuslastige Volkswirtschaften trifft es am meisten. Einreisen aus anderen Staaten wird lange nur mit ärztlichem Attest möglich sein. 5% minus für Südtirol wäre realistisch in einem Jahr mit einem verregneten Sommer und einem Winter ohne Schnee. Corona 2020 hat weit größere Auswirkungen.
    Aber wer weiss, hoffen wir trotzdem dass es nur 5% werden.

  • novo

    -5% wären ungefähr die Nächtigungszahlen von 2018. Scheint mir dann doch arg optimistisch.

  • abodechto

    Minus 5 Prozent empfinde ich als zu optimistisch. Meine Milchmädchenrechnung bei einem Lockdown (bedeutet ja Stillstand) von 6 Wochen 100/52*6 = 11,50 %… bei 8 Wochen 100/52*8 = 15,40% unter der Annahme, dass die Probleme der Branchen, die den gesamten Sommer Umsatzschwäche haben werden (Gastronomie, Tourismus, Veranstaltungen uvm) die Produktion der Branchen icnirca ausgleicht, die während des Lockdowns arbeiten durften, also keinen Stillstand hatten..

    Also mein Tipp minus 11,5 – 15,4 %
    (und jetzt mache ich ein Screenshot von diesem Post -;)

  • george

    Immer nur Geld, Geld und Geld. Mehr scheint nicht in euren Köpfen zu sein. Jetzt lasst uns endlich einmal wiederdie Gesundheit zurück gewinnen, dann kann es sicher wieder aufwärts gehen und zwar ohne dass man immer nur Geld und Einnahmen im Focus hat.

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