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„Johann war gesund“

Krankenhaus Meran (Foto: Google Street View)

Mit 68 Jahren ist der Brixner Johann Fischer der jüngste Patient, der an Covid-19 gestorben ist. Im Interview berichtet sein Bruder Josef über die Vorerkrankung und Johanns letzten Tagen.

Tageszeitung: Herr Fischer, wie geht es Ihnen nach dem Verlust ihres Bruders?

Josef Fischer: Den Umständen entsprechend. Der Tod meines Bruders kam für uns alle überraschend. Die Situation, nachdem wir von seinem Tod erfahren haben, war schwierig. Seine Familie ist ja in Quarantäne. Erst am Dienstag (gestern, Anm. d. Red.) Vormittag wurden wir darüber informiert, dass er in Bozen eingeäschert wird. Wie es jetzt weitergeht, wissen aber auch wir nicht.

Ihr Bruder litt unter Vorerkrankungen. Womit hatte er genau zu kämpfen?

Das mit der Vorerkrankung ist eine Sache, die man genauer erklären muss. Mein Bruder hatte bereits als junger Mann Probleme mit der Niere. Eine verschleppte Erkältung führte letztendlich dazu, dass er auf eine Spenderniere angewiesen war. 1972 bekam er diese in Innsbruck. Er war einer der ersten Patienten, die diese Operation beschwerdefrei überlebt haben. Er hatte überhaupt keine Probleme, konnte auf den Berg gehen, ganz normal Sport betreiben. Er hat gelebt, wie der Gott in Frankreich. Natürlich musste er Medikamente zu sich nehmen und natürlich gab es immer wieder kleine Rückschläge, aber er hat immer gut gelebt.

Wie hat er sich mit dem Virus infiziert?

Vor zehn Tagen hatte mein Bruder einen Termin in der Urologie in Brixen wegen einer kleinen Untersuchung. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich auch viele Grödner im Krankenhaus auf, die mit dem Virus infiziert waren. Es kann zwar nicht zu hundert Prozent nachgewiesen werden, aber wahrscheinlich hatte er sich dort infiziert.

Wann traten erste Beschwerden auf?

Bereits kurze Zeit später ging es ihm schlechter. Er kontaktierte am Mittwoch seinen Hausarzt, der ihm sagte, er soll in das Krankenhaus von Sterzing gehen. Dort lag er zwei Tage, sein Zustand verschlechterte sich aber. Daraufhin wurde er auf die Intensivabteilung nach Bozen gebracht, weil es ihm deutlich schlechter ging. Nach einiger Zeit ging es ihm wieder besser: er hatte nur noch einen Husten, aber kein Fieber mehr und wurde zurück nach Sterzing verlegt. Am Samstag bekam er dann aber eine Nierenversagen. Die Niere wurde abgestoßen und arbeitete nicht mehr. Prinzipiell hätte er das aber überlebt. Er hätte zwar immer wieder zur Dialyse gehen müssen, aber er wäre nicht daran gestorben. Wegen des Virus wurde er aber am Sonntag erneut nach Bozen gebracht. Dort kollabierte er am Montag und wurde wiederbelebt. Er wurde in das Krankenhaus Meran gebracht, wo er am Vormittag verstarb. Ich habe das über meine Tochter erfahren, die Ärztin in Innsbruck ist.

Wissen Sie bereits, wie es nun weiter geht? Wird es eine Beerdigung geben, an der Sie teilnehmen können?

Das wissen wir nicht. Es heißt ja, dass eine Beerdigung nur im engsten Kreis stattfinden kann. Das ist derzeit aber noch alles in der Schwebe, ich kann dazu nichts Konkretes sagen.

Ihr Bruder litt also unter Vorerkrankungen…

Rein technisch gesehen gilt die Spenderniere schon als Vorerkrankung, er konnte damit aber alles tun. Die Niere ist eines der schwächsten Organe, dennoch würde ich es nicht als Vorerkrankung, sondern eher als Handicap bezeichnen.

Sie glauben, er hätte also ohne das Coronavirus überlebt?

Ja, ich glaube schon. Sein Tod ist nur dem unglücklichen Umstand geschuldet, dass er an diesem Tag im Brixner Krankenhaus war. Dennoch hatten wir als Familie immer eine positiv Einstellung. Es sah auch danach aus, als würde es besser werden. Erst sobald die Niere abgestoßen wurde, wurde er zum schwächsten Glied.

Viele werden sich jetzt fragen, warum sie bereit sind, Auskunft über diese Situation zu geben…

Der Grund weshalb ich dieses Interview mache und der Grund, weshalb ich mich jetzt auch ärgere, ist jener, dass die Leute auf die Zahlen und Vorgaben nicht reagieren. Ich glaube, in vier Wochen kann wieder jeder tun, was er will, aber jetzt gilt es die Vorgaben einzuhalten. Ganz egal, worum es sich handelt. Man muss daheim bleiben, die Hände waschen und den Abstand einhalten. Dasselbe mache auch ich. Vor allem den jüngeren Leuten muss man klar machen, dass die Situation keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Die Menschen müssen verstehen, dass vom Virus eine Gefahr ausgeht. Wir haben diese Gefahr jetzt erkannt und wenn sich alle an die Vorgaben halten, ist es nicht zu spät.

Interview: Markus Rufin

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (18)

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  • ich1979

    Also doch eine Vorerkrankung.

  • alsobi

    @Tageszeitungreaktion, was soll dieser Bericht? Wollte ihr die Menschen noch mehr verunsichern und Ängste schüren!!!!!

  • asterix

    Als transplantierter Nierenpatient hat er sicher Immunsoppressoren zur Verhinderung einer Abstoßungsreaktion der Niere vom eigenen Immunsystem gebraucht. Sein Immunsystem wurde zurückgefahren, also hatte er bei Corona Kontakt schon sehr schlechte Karten. Und ja, als eindeutiger Risikopatient hätte er das Krankenhaus ohne besondere Vorkehrungen gar nicht betreten sollen. Dann stimmt die Tageszeitungs – Meldung von ein paar Tagen so also auch nicht, wo behauptet wird, der Johann war kerngesund.

  • asterix

    Aber natürlich ändert das nix an den wichtigen Verordnungen die unbedingt einzuhalten sind. Zu Hause bleiben, Abstand halten, und wascht euch bitte so oft wie möglich GRÜNDLICH die Hände. Desinfiziert eure Smartphons und Schlüsselbunde, alle Türdrücker und Handläufe. Dieses Virus kann nicht fliegen, nicht kriechen und nicht überhüpfen. Wir Menschen verbreiten es mit unserem Verhalten. Dieses Virus kann sich nicht einmal selbst vermehren. Es brauch unsere Körperzellen dafür. Es vermehrt sich nicht auf Müll oder Speisereste, es überlebt dort nur eine gewisse Zeit. Also: Halten wir uns an die Vorschriften und der Feind hat keine Chance.

  • ille

    Warum wurden eigentlich damals Gröden und unsere anderen schwer betroffenen Wintersportgebiete nicht auch unter Quarantaine gestellt wie Ischgl und Heiligenblut?

  • franz1

    @ ille,

    damals war noch niemandem bewußt wann und wie schwer der Virus aufgrund sener Inkubationszeit zuschlagen kann.
    Heute sind wir a bissl gscheiter, doch viele spielen immer noch mit dem Eignen Leben und das der Anderen.
    Die einzige Wirkung den Virus zu siegen isch Abstand, Abstand und nochmal Abstand halten usw…….

    • fronz

      …bitte halt dann Abstand….

    • markp.

      @franz1

      Wann bezifferst du „damals“??

      Dass man die Schwere des Virus schon im Jänner, anhand der Vorkommnisse in China, als schwerwiegend einstufen konnte, lasse ich mal beiseite. Da glaube ich haben wir – inklusive mir – die Schwere nicht absehen können.

      Auch lasse ich beiseite, dass man aufgrund der Vorkommnisse in der Lombardei zum erstenmal hätte handeln können. War noch „weit“ genug weg. Da habe ich mir auch noch keine Gedanken gemacht.

      Aber spätestens, als das Robert Koch Institut Südtirol als Krisenherd einstufte, hätte man reagieren müssen. Und das war – wenn ich nicht falsch liege – Ende Februar. Da hätte man, anstatt stets zu betonen dass nur ein Terlaner positiv getestet wurde, sofort schalten sollen. Aber da hat die Landesregierung noch immer gezögert. Ich mach ihr keinen Vorwurf, nachher ist man immer schlauer. Aber dass sie noch immer nicht zugeben wollen, dass zu spät gehandelt wurde, nervt mich schon.

  • alsobi

    @markp.
    Merke dir eines, die Südtiroler Landesrgierung wird niemals etwas zugeben! Jeder einzelne von denen ist nur ein Spielball der Lobbyisten von HGV, Seibahnen, Frächter und Bauernbund. Aber nichts wehrt ewig und deswegen hoffe ich sehr das nach dieser Krise ein umdenken stattfindet, beginnend vom Volk aus!
    Den Autonomiestatus schnellstmöglich abschaffen und sich entweder zu Italien oder Österreich bekennen. Keine Sonderbehandlung und Subventionen die sowieo nur in die falschen Kanäle fliessen……etc etc etc.

    • kurt

      @alsobi
      Da hast du ,besonders im ersten Absatz Recht ,die Herrschaften wollten die Saison ihrer Lobbys nicht ruinieren ,was sie wirklich ruiniert haben kommen sie jetzt drauf ,sobald es zu spät ist ,das sind unsere Polit -Profis !!

    • ille

      @alsobi
      die ganze Krise sowie deren unkoordinierte Bewältigung sollte unseren Kontinent enger zusammenrücken lassen und nicht noch mehr in Nationalstaatendenken abdriften lassen.
      Mir kommt vor die einzelnen Staaten behindern sich gegenseitig als dass sie sich grenzüberschreitend helfen. Staatsgrenzen halten Viren und Krisen nicht auf, diese müssen sofort lokal im kleinen gelöst werden. Dazu braucht es eine kompetente zentrale EU Regieung und kleine schnell reagierende Regionen die sich untereinander helfen. Die EU muss sich neu erfinden und Südtirol seinen Platz darin einnehmen.

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