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Kinderbetreuung am Bauernhof

Ein Forscherteam von Eurac Research untersucht in einer Fallstudie die Initiative der Sozialgenossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben”.

Kleinkinder naturnah auf Bauernhöfen betreuen: Diese Idee der Südtiroler Bäuerinnenorganisation „Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben” bietet Frauen am Hof neue Möglichkeiten und stärkt gleichzeitig die bäuerliche Tradition. Im Rahmen eines europäischen Projekts mit 19 Fallstudien von Schottland bis Marokko untersuchen Forscher, darunter die Experten für Regionalentwicklung von Eurac Research, wie sich soziale Innovation auf die Entwicklung von abgelegenen Gebieten wie Berg- und Wüstenregionen oder Inseln auswirkt.

Mit der Zeit Schritt halten und sich gleichzeitig auf die bäuerlichen Werte und Lebensart besinnen: Aus diesem Bedürfnis heraus ist die Idee einer Gruppe Südtiroler Bäuerinnen entstanden, Kinderbetreuung am Bauernhof anzubieten. Forscherinnen von Eurac Research haben die Erfahrungen der beteiligten Bäuerinnen und der Vertreterinnen der Sozialgenossenschaft gesammelt und untersucht, wie die Initiative entstanden ist, wie sich die neuen Aufgaben auf den Alltag der involvierten Bäuerinnen und auf ihr lokales Umfeld auswirken und inwiefern sich ihre Rolle in der Landwirtschaft verändert hat.

Aus den Interviews geht hervor, dass die Kinderbetreuung die Position der Bäuerin gestärkt hat. Während sie sich in Vergangenheit hauptsächlich um Hof und Familie gekümmert hat, definiert die neue Aufgabe ihre Rolle am Hof neu, führt zu einem Zusatzeinkommen und zu sozialer Anerkennung. Aufgrund der Mehrbelastung der Frauen kam es anfangs teilweise zu Spannungen bis die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie neu geregelt wurde.„Wir haben nicht nur Ausbildungskurse mit pädagogischem Schwerpunkt organisiert, sondern die Bäuerinnen auch in praktischen Angelegenheiten beraten, beispielweise zur Frage, wie viele Kinder sie höchstens betreuen sollen, ohne dass das Gleichgewicht zwischen Privat- und Berufsleben ins Schwanken kommt“, erklärt Karin Schölzhorn der Sozialgenossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben”.

Die Kinderbetreuung hat den Frauen erlaubt sich zu vernetzen, eine erzieherische Rolle in der Gesellschaft einzunehmen und gleichzeitig die bäuerliche Tradition zu bewahren. „Soziale Innovation im ländlichen Raum bedeutet Ideen zu entwickeln, die den sozialen Bedürfnissen entsprechen. Es bedeutet auch sich innerhalb der Gesellschaft zu vernetzen und zum Wohlergehen des Gebietes beizutragen“, sagt Cristina Dalla Torre, Expertin für Regionalentwicklung von Eurac Research. „Die Kinderbetreuung am Hof ist diesbezüglich ein Vorzeigemodell: Sie stärkt die Rolle der Frau am Hof, erlaubt Müttern den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt, bietet Kindern die Möglichkeit naturnah aufzuwachsen und ihren Eltern Unterstützung vor Ort”. Aus dieser Initiative ist eine weitere Dienstleistung der Sozialgenossenschaft entstanden: So bieten die Bäuerinnen auch die Betreuung von Senioren an, in Zukunft ist auch die Betreuung von beeinträchtigten Menschen angedacht.

Die Südtiroler Initiative ist nur eine von 19 Fallstudien, die Forscher europaweit analysieren, um zu verstehen, wie soziale Innovation die Entwicklung in entlegenen Gebieten fördert. So haben Experten etwa in Marokko eine Genossenschaft begleitet, die Arganöl produziert oder in Slowenien eine Initiative, bei der sich Menschen gemeinsam um die Waldbewirtschaftung kümmern.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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