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Anne Weber und Cécile Wajsbrot

Cécile Wajsbrot

Der Gedächtniskultur folgt das literarische Programm von Lana auch 2020 wieder. Nach dem Abend mit Sabine Mayr zu jüdischen Zeugnissen von Meran stellt Literatur Lana zwei Romane vor, die einerseits die Erinnerung an die deutsche und französische Geschichte aufrufen, andererseits ein existenzielles literarisches Spiel an eine persönliche Geschichte knüpfen: Anne Weber und Cécile Wajsbrot am 9. und 10. März in Lana. 

Anne Weber begibt sich auf eine persönliche Erkundungsreise, die in die fremde und faszinierende Welt ihres Urgroßvaters (1864 – 1924) und damit in die Abgründe und Höhenflüge einer ganzen Epoche führt. Florens Christian Rang – im Buch Sanderling genannt – war Jurist, Pfarrer in zwei Dörfern bei Posen, Schriftsteller und Philosoph. Er korrespondierte mit Hugo von Hofmannsthal, war befreundet mit Martin Buber und Walter Benjamin. Doch auf der Reise zu diesem Urgroßvater stellt sich immer wieder ein gewaltiges Hindernis in den Weg: die deutsche und familiäre Vergangenheit, wie sie nach Sanderlings Tod 1924 weiterging. Und damit die Frage, wie es sich lebt mit einer Geschichte, die man nicht loswerden kann. Was bedeutete es vor hundert Jahren, deutsch zu sein? Und wie ist es heute?
„Kann man sich aus einer Familie auch heraus schreiben?“

Anne Weber

Anne Weber, die seit vielen Jahren als Autorin und Übersetzerin in Paris lebt, stellt mit Cécile Wajsbrot auch deren jüngstes Buch vor. Die jüdische Autorin beschreibt in dem sprachmächtigen Roman auf beeindruckende und erschreckende Weise die Angst vor einer Wiederholung der Geschichte und beschäftigt sich in einer innovativen ästhetischen Form mit der deutsch-französischen Erinnerungskultur: Sie hatte ihr Leben dem Lesen und Schreiben gewidmet. Doch plötzlich zerbricht alles um sie herum, eine Diktatur breitet sich aus, das Schreiben wird unmöglich. Ihre einzige Ausdrucksmöglichkeit findet die Erzählerin in einem rätselhaft bleibenden »Soundblog«. Mysteriöse, beängstigende und philosophische Gedanken beschäftigen sie: Die neue Macht zerstört nach und nach auf heimtückische Weise jede Erinnerung und versucht, alle Spuren der Geschichte zu löschen. Wann und wie hat dieser Umbruch stattgefunden? Gab es Warnsignale? Ist sie selbst schuld daran, dass die Dinge geschehen? Wollte sie sich nicht aus der Vergangenheit befreien?

Anne Weber, geboren 1964 in Offenbach, lebt als Autorin und Übersetzerin in Paris. Zuletzt erschienen bei S. Fischer ›Kirio‹, ›Ahnen‹, ›Tal der Herrlichkeiten‹, ›August‹ und ›Luft und Liebe‹. Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Heimito-von-Doderer-Preis, dem 3sat-Preis, dem Kranichsteiner Literturpreis und dem Johann-Heinrich-Voß-Preis ausgezeichnet. Ihre Bücher schreibt Anne Weber auf Deutsch und Französisch.

Cécile Wajsbrot, geb. 1954, lebt als Romanautorin, Essayistin und Übersetzerin aus dem Englischen und Deutschen in Paris und Berlin. Sie schreibt unter anderem für die Zeitschriften »Autrement«, »Les nouvelles Littéraires« und »Le Magazine littéraire«.
2007 war sie Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2016 erhielt sie den Prix de l’Académie de Berlin.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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