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Der Zusatzvorsorge-Check

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Wie bei anderen Finanzinstrumenten ist es auch bei der Zusatzvorsorge unumgänglich, die Entscheidung gut zu überlegen oder falsche Entscheidungen zu korrigieren.

Es sind auch die kleinen Dinge, die auf Dauer den großen Unterschied ausmachen. Besonders bei der Altersvorsorge. Wer auf die Zusatzvorsorge setzt, ist sich meistens bewusst, dass es unerlässlich ist, die eventuelle Versorgungslücke im Alter zu schließen.

Wie bei vielen anderen Finanzinstrumenten, ist es dabei unumgänglich bei der Wahl dieser langfristigen Sparform die Entscheidung gut zu überlegen oder falsche Entscheidungen zu korrigieren. Fehlentscheidungen – und sind sie anscheinend nur von geringer Natur – können fatale Verluste bedeuten, so die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS).

Nachgerechnet

Die Entscheidung einem Rentenfonds beizutreten, ist im Vergleich zur Inflation und zum Verbleib der Abfertigung im Betrieb eine gute gewesen. Die Inflation in Bozen hat im Zeitraum 2014-2018/ 5,1% und 2009-2018/ 18,7% betragen. Die Abfertigung wurde jeweils sogar um 9,40% und 26,09% aufgewertet.

Die wichtigsten Zusatzrentenfonds Südtirols haben laut Covip folgende durchschnittlichen jährlichen zusammengesetzten Renditen erzielt:

Laborfonds

2014-2018

2009-2018

Garantierte Linie

0,35%

1,52%

Vorsichtig Ethische Linie

3,65%

4,61%

Ausgewogene Linie

3,76%

4,65%

Dynamische Linie

3,21%

4,96%

Raiffeisen OPF

2014-2018

2009-2018

Guaranty

Safe

2,01%

2,47%

Activity

2,24%

3,83%

Dynamic

1,72%

4,68%

Arca Previdenza FPA

2014-2018

2009-2018

Rendita

2,90%

4,09%

Crescita

3,17%

5,52%

Alta Crescita

2,96%

7,05%

Obiettivo TFR

0,18%

1,91%

Die bessere Rendite gegenüber der Abfertigung ist auch darauf zurückzuführen, dass der Sparer bei der Zusatzrente das Kapitalrisiko trägt. Doch zudem sind auch noch die Vorteile des Arbeitgeberanteils und jene der Versteuerung zu berücksichtigen, die erheblich sind.

Bei der Wahl des richtigen Zusatzrentenfonds ist die jeweilige Kostenstruktur genau unter die Lupe zu nehmen. Wie verschafft man sich aber einen diesbezüglichen Überblick bei den verschiedenen direkten und indirekten Kosten, die auf der Kapitalbildung lasten?

Den Kosten der Zusatzrentenfonds auf der Spur

Die Aufsichtsbehörde Covip schreibt vor, dass vor dem Beitritt zu einem Zusatzrentenfonds die entsprechende Kostenaufstellung in Form einer Grafik im Produktinformationsblatt aufscheinen und auch unterschrieben werden muss. Die Kosten werden mit dem sogenannten ISC, dem zusammenfassenden Kostenindikator, dargestellt. Und dies für jede einzelne Investitionslinie. Beispiele zeigen, dass bei einem um 1% geringeren ISC und entsprechend langer Laufzeit das Ergebnis der Kapitalbildung um 22% höher ausfällt. Also können höhere Kosten hohe Verluste beim Kapital und dementsprechend bei der Rente bewirken. Zum Glück kann, nach guter Überlegung, der Zusatzrentenfonds gewechselt und auch die angereifte Position mit übertragen werden.

So hat ein abhängig Beschäftigter mit einem Jahresbruttolohn von 26.000 Euro und einer Jahresbeitragszahlung von 2.400 Euro (volle Abfertigung und jeweils 1,1% Arbeitnehmer- und Arbeitsgeberanteil) nach 30 Jahren und einer eher hoch angesetzten durchschnittlichen Marktrendite von 4% in einem offenen Pensionsfonds (z.B. Raiffeisen, Arca, …) mit einem Spesensatz (ISC) von 1,35% ein Endkapital von 109.461,97 Euro. Die selbe Einzahlung in einen geschlossenen Pensionsfonds (z.B. Laborfonds) mit einem ISC von 0,35% ergibt ein Endkapital von 129.821,98 Euro, also um 20.360 Euro mehr. Und dies nur wegen der Spesenunterschiede!

Es ist klar, dass die Kostenstruktur nicht die alleinige Entscheidungsbasis für den Beitritt zu einem Zusatzrentenfonds ist. Es gilt jedoch kostspielige Fehlentscheidungen zu vermeiden. Zumal die Verluste auch einen Jahresnettolohn und mehr ausmachen können.

Für 2019 hat die Aufsichtsbehörde Covip kürzlich folgende Kostenindikatoren (ISC) für geschlossene Pensionsfonds wie Laborfonds, für offene Pensionsfonds wie Raiffeisen und für die individuellen Rentenversicherungspläne (PIP), also jene Pensionsformen, welche aus der Initiative der Banken und Versicherungen entstanden sind und bei welchen der Beschäftigte kein Recht auf den Anteil des Arbeitgebers hat, publiziert. Auf der Homepage Covip.it sind der ISC und die Renditen aller Zusatzrentenfonds veröffentlicht. Dies erleichtert den Vergleich.

Zusammenfassender Kostenindikator ISC laut Covip:

Investitionslinie

ISC – BEI EINER EINZAHLUNGSDAUER VON 10 JAHREN

Garantiert

(GAR)

ISC Durchschnitt geschlossener Pensionsfonds (FPN)

0,47

ISC Durchschnitt offener Pensionsfonds (FPA)

1,21

ISC Durchschnitt individueller Rentenversicherungspläne (PIP)

1,88

ISC Minimal

0,31

ISC Maximal

2,58

Vorsichtig

(OBB)

ISC Durchschnitt geschlossener Pensionsfonds (FPN)

0,36

ISC Durchschnitt offener Pensionsfonds (FPA)

1,10

ISC Durchschnitt individueller Rentenversicherungspläne (PIP)

1,95

ISC Minimal

0,16

ISC Maximal

2,81

Ausgewogen

(BIL)

ISC Durchschnitt geschlossener Pensionsfonds (FPN)

0,35

ISC Durchschnitt offener Pensionsfonds (FPA)

1,44

ISC Durchschnitt individueller Rentenversicherungspläne (PIP)

2,22

ISC Minimal

0,18

ISC Maximal

3,11

Dynamisch

(AZN)

ISC Durchschnitt geschlossener Pensionsfonds (FPN)

0,39

ISC Durchschnitt offener Pensionsfonds (FPA)

1,71

ISC Durchschnitt individueller Rentenversicherungspläne (PIP)

2,72

ISC Minimal

0,22

ISC Maximal

4,07

Werte erfasst am 31.12.2019 (Indicatore sintetico dei costi (ISC) valori medi – valori aggregati 31.12.2019)

Zum Vergleich die Kosten von Laborfonds, Raiffeisen Offener Pensionsfonds und Arca FPA:

Laborfonds

Mitgliedschaft 10 Jahre

Garantierte Linie

0,33%

Vorsichtig Ethische Linie

0,24%

Ausgewogene Linie

0,32%

Dynamische Linie

0,29%

Raiffeisen OPF

Mitgliedschaft 10 Jahre

Guaranty

1,16%

Safe

1,01%

Activity

1,22%

Dynamic

1,42%

Arca Previdenza FPA

Mitgliedschaft 10 Jahre

Obiettivo TFR

1,42%

Rendita

1,36%

Crescita

1,42%

Alta Crescita

1,61%

Quelle: alle Datentabellen von Covip.it, 12.2.2020

Fazit

Wer sich um einen Zusatzrentenfonds umschaut (dies gehört zu den Prioritäten des Sparens) oder bereits einem solchen beigetreten ist, sollte angesichts der niedrigen Zinsen auf dem Finanzmarkt und des hohen Risikos auf dem Aktienmarkt nicht allein auf die Vergangenheit schauen. Besser ist es, die eigene Risikobereitschaft und die Effizienz des Investitionsinstruments in den Mittelpunkt zur rücken, ohne die Kosten der verschiedenen Investitionslinien zu vernachlässigen. In Zeiten geringer bis negativer Erträge der Anleihen können hohe Kosten das Endergebnis gewaltig belasten.

Wer sich hingegen dem Ausstieg aus dem Zusatzrentenfonds nähert, sollte das sogenannte „Life-Cycle-Prinzip“ anwenden. Ein Umstieg in vorsichtige und garantierte Investitionslinien schützt das Kapital vor hohen Verlusten an den Börsen.

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Kommentare (6)

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  • leser

    Es wäre einmal wūnschenswert zu erklären wie man due pruvatvorsirge bezahlt wenn man eine familie mit 2 kindern eine wohnung bezahken muss und ein einkommen von 1400 hat
    Das haben es die öffis einfacher denen wird dueser part übernommen

  • holzmichl

    Leser

    hast vollkommen Recht, mit geht es genauso, meine Frau sowie ich arbeiten, aber Ende des Monats ist Ebbe in unserer Kasse, in der Zwischenheit kann ich mir nicht mal monatlich einen Pizza für die Familie leisten…. Urlaub… kein Thema, aber es gibt genügend Südtiroler diese über mein Schreiben lachen…. in italienisch würde man sagen “ penati voi“

    • leser

      Holzmichl
      Du musst dich nicht schämen
      Zum schämen ist due tatsache dass unsere vorzeigepolitiker die mittelschicht untergräbt und das das volk zu bettlern macht wobei sie sich vergolden

  • kira2000

    Alles mag stimmen was Sie schreiben, aber dass die „Öffis“ nix einzahlen ist ein Schmarren! Ich bezahle meine Anteile schön selber jeden Monat vom Gehalt so wie jeder andere Arbeitnehmer auch! Da übernimmt nix der Arbeitgeber, ausser den verpflichtenden Arbeitgeberanteil!!!

  • kira2000

    @leser – dass Rentner auch besteuert werden stimmt, aber hat nichts mit der Einzahlung in den Zusatzrentenfonds zu tun! Und genau so, wie alle Öffis ihre Steuern zahlen, tun es auch alle anderen Arbeitnehmer – Ihre Meinung, dass die Einzahlungen dafür vom Arbeitnehmer aus der Privatwirtschaft finanziert werden, ist an Ignoranz nicht zu überbieten!

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