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Kampf gegen die Wanze

Der alte und neue Obmann des Beratungsrings für Obst- und Weinbau heißt Manuel Santer.

Die 61 Delegierten bestätigten ihn bei der 59. Generalversammlung mit überwältigender Mehrheit in seinem Amt an der Spitze der weltweit größten Beratungsorganisation im Obst- und Weinbau. Auch seine beiden Stellvertreter, Michael Bradlwarter (Weinbau) und Peter Reisinger (Obstbau) wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Zahlreiche Ehrengäste aus der Obstwirtschaft haben als Zeichen der guten Zusammenarbeit an der Versammlung in Nals teilgenommen. Neben der Neuwahl standen am Donnerstag auch eine ganze Reihe von wichtigen Themen am Programm.

Manuel Santer startet mit einem Vorstandsteam in die nächste 4-jährige Amtsperiode, dem neben ihm und seinen beiden Stellvertretern, auch die Bezirksobmänner, ein Vertreter der italienischen Mitglieder sowie ein Vertreter der biologisch wirtschaftenden Betriebe angehören. „Wir garantieren unseren rund 6.000 Mitgliedern weiterhin eine unabhängige und objektive Beratung im Apfel-, Wein-, Kirschen- und Marillenanbau, so wie sich dies unsere Gründerväter vor 62 Jahren auf die Fahnen geschrieben haben“, sagt Obmann Manuel Santer. Für die Organisation arbeiten mittlerweile über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein kurzer Blick zurück und ein Blick nach vorne

Robert Wiedmer (Bereichsleiter Obstbau) blickte bei der Generalversammlung auf ein schwieriges Obstbaujahr zurück: Die Spätfröste, die Ausbreitung der Marmorierten Baumwanze und die etwas geringeren Erntemengen stellten die Obstbauern vor schwierige Herausforderungen.

In den frühesten Lagen haben die Apfelbäume bereits ausgetrieben. Aufgrund der milden Temperaturen in den letzten Wochen sind bei Pink Lady bereits grüne Knospenspitzen sichtbar.

Erfolge und Schwierigkeiten im Anbau

„Wir stellen derzeit bei verschiedenen Tagungen unsere Empfehlungen für die heurige Saison vor“, sagte Robert Wiedmer. „Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Fachkompetenz und Fingerspitzengefühl erfordert. Schließlich müssen die Früchte vor Krankheiten und Schädlingen geschützt werden und gleichzeitig sollen unnötige Behandlungen vermieden werden.“

Im Laufe der Jahre gab es diesbezüglich große Fortschritte. Immer genauere Wetterprognosen, die eigenen Daten der Wetterstationen und Prognosemodelle sowie eine unmittelbare Warnung mittels einer eigenen Applikation, Mail und SMS erlauben bei den bekannten Pilzkrankheiten und Schädlingen mittlerweile sehr präzise Einsatzzeitpunkte.

Kopfzerbrechen bereiten den Beratern und den Obstbauern neue Schädlinge wie die Marmorierte Baumwanze. Die Schäden nahmen im Vorjahr deutlich zu. Landesweit wurden von den Mitarbeitern des Beratungsringes 1.500 Apfelanlagen auf Wanzenbefall kontrolliert. Am meisten befallen waren die Sorten Granny Smith, Braeburn und Fuji. Im heurigen Jahr ist der Einsatz eines natürlichen Gegenspielers, der Samuraiwespe (Trissolcus japonicus), geplant.

Die Qualität der Kirschen war im Vorjahr sehr gut. Die Erntemenge war – trotz der Frostschäden – im langjährigen Mittel.

Bioanbau steigt

Die Fläche für den Bioanbau steigt stetig an und zugleich steigt die Nachfrage nach Beratung, stellte Ulrich Kiem (Bereichsleiter Bioanbau) fest. Mittlerweile betreuen fünf Beraterinnen und Berater die Mitglieder mit einer Gesamtfläche von etwa 2.300 Hektar Apfelanbau.

Ein Weinbaujahr mit besonders vielen Herausforderungen

Die verschiedenen Pflegemaßnahmen zeitgerecht zu erledigen, war im Vorjahr besonders wichtig, resümierte der Bereichsleiter für den Weinbau, Hansjörg Hafner. „Dafür haben sich Fleiß und Einsatz in den Weinbergen besonders gelohnt.“

Aufwändige Kontrollen bei der Kirschessigfliege

Jedes Mitglied des Südtiroler Beratungsrings hatte wiederum die Möglichkeit, Beeren aus seinen Rebanlagen auf Eiablagen der Kirschessigfliege untersuchen zu lassen. So haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr 2.730 Proben untersucht. Die Auswertung der insgesamt 136.500 Traubenbeeren unter dem Mikroskop ergab, dass auf der Hälfte der Proben keine Eiablagen zu finden waren. Eine Bestätigung dafür, dass ein flächendeckendes Monitoring dazu beitragen kann, Behandlungen zur Bekämpfung der Kirschessigfliege einzusparen.

Vergilbungskrankheiten werden überwacht

In Zusammenarbeit zwischen dem Pflanzenschutzdienst der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, dem Versuchszentrum Laimburg und den Weinbauberatern des Beratungsrings wurden wiederum die „Goldgelbe Vergilbung“ und die „Schwarzholzkrankheit“ landesweit überwacht. Zum Nachweis der Erreger der Vergilbungskrankheiten wurden von 663 symptomatischen Reben Blattproben entnommen und am Molekularbiologischen Labor des Versuchszentrums Laimburg untersucht. Dieses hat bei 16 Proben aus den Gemeindegebieten von Kaltern, Pfatten, Salurn und Auer den Erreger der Goldgelben Vergilbung nachgewiesen.

Trotz bewegter Zeiten dennoch zuversichtlich

Herbert Dorfmann (Europaparlamentarier) sprach in seinen Grußworten über die Verhandlungen des aktuellen Agrar-Budgets und andere Themen und Schwierigkeiten in Brüssel. Es wird mehr Geld für „Forschung und Entwicklung“ geben. Der Fonds wird mit 8 Milliarden Euro fast verdoppelt.

Eine kontinuierliche fachliche Beratung ist fundamental, sagte der Landesrat für Landwirtschaft, Arnold Schuler. Mittlerweile sei nicht nur der Anbau in der eigenen Anlage, sondern das gesamte Umfeld wichtig. Das stellt die Landwirte und auch den Beratungsring vor zusätzliche Herausforderungen: Die Erwartungen seitens der Mitglieder werden steigen, neue Schädlinge werden sich ausbreiten und es werden weniger Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen. Dennoch sieht Schuler zuversichtlich in die Zukunft. „Wir sind gut aufgestellt.“

Leo Tiefenthaler (Obmann Südtiroler Bauernbund) unterstrich in seinen Grußworten den Wert einer unabhängigen Beratung.

Dank an verdiente Mitarbeiter und Funktionäre

Bei der Generalversammlung wurde Manfred Lang für seinen 25- jährigen Einsatz als Obstbauberater im Bezirk Eisacktal geehrt. Zudem wurden Armin Dorfmann, Norbert Jageregger, Christian Genetti und Paolo Tessadri für ihren langjährigen Einsatz im Landesvorstand sowie Johann Spornberger für seine Tätigkeit als Rechnungsrevisor ausgezeichnet.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (3)

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  • ohnehirnlebtmanbesser

    Oh Beratungsring. Erst die Viren, Zecken, Bàren, Wòlfe, Pestizide, Glysophat…..und jetzt die Wanze. Mein schònes Sùdtirol……..Hirni

  • kleinlaut

    Diese miesen Giftmischer! Der Zweck heiligt die Mittel ganz besonders, wenn man zusätzlich brav in die Kirche geht und sich den Segen von oben erfleht. Wobei den Segen die Verbraucher nötiger hätten, die das vergiftete „Glump“ auf den Tisch bringen. Aber Hauptsache die Kasse stimmt…

  • silverdarkline

    Gift- und Scheissespritzer. Vaccaland lässt grüssen. „Unabhängige Beratung“?? Wenn es nicht zum Weinen wäre müsste man echt lachen.

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