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„Nicht grundlos geschlägert“

Im Garten des Hotels Bavaria in Obermais wurden zwei alte Zedern gefällt. Die Besitzer wurden dafür heftigst kritisiert. Nun gehen sie in die Offensive. 

von Karin Gamper

Es war an einem Donnerstag vor zwei Wochen: Im Kirchsteig in Obermais rückten Baumarbeiter an um zwei hochstämmige Zedern im Garten des Hotels Bavaria zu fällen. Die Aktion blieb nicht unbeobachtet: „Einige Passanten äußerten Kritik und teilweise wurden wir auch beschimpft“, sagt Elisabeth Berger, die Alleinverwalterin des Hotels. Auch bei der TAGESZEITUNG meldeten sich Personen, die sich wegen der Abholzaktion der über hundertjährigen und gar nicht krank wirkenden Zedern entrüstet zeigten. 

Nun geht die Besitzerfamilie in die Offensive. „Nichts liegt uns ferner, als grundlos Bäume zu schlägern“, stellt Elisabeth Berger klar. Sie sagt: „Für die Entfernung dieser zwei Zedern gab es triftige Gründe“. 

Wie Fotos dokumentieren, kam es in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 2019 im Kirchsteig zum Abbruch eines überhängenden Kandelaber-Arms, der mit voller Wucht in die Tiefe krachte. „Dies trotz der regelmäßigen Pflegemaßnahmen eines Fachbetriebs“, wie Berger betont. 

Dabei wurden der Begrenzungszaun, eine Straßenlaterne und der im Kirchsteig geparkte Pkw des Nachbarn stark ramponiert. Das hätte ins Auge gehen können: unter den Zedern führt nämlich der touristisch genutzte Sissi-Weg vorbei und der Kirchsteig ist auch ein Schulweg. „Die Versicherung weigert sich den Schaden am Pkw zu ersetzen, weil sie sich auf höhere Gewalt beruft“, erklärt Berger. Den Schaden werden die Hotelbesitzer deshalb wohl aus eigener Tasche zahlen.

Eine Woche nach dem Vorfall stellte Familie Berger beim zuständigen Gemeindeamt den Antrag zur Schlägerung der Bäume. Berger: „Wir sahen uns schlicht außerstande weiterhin dieses hohe Risiko für diese beiden Zedern zu übernehmen, Menschenleben zu gefährden und dafür im Ernstfall zur Rechenschaft gezogen zu werden“. Denn bei Schäden haftet der Eigentümer der Bäume: also die Familie Berger.

Die Gemeinde forderte eine zusätzliche Expertise. Elisabeth Berger: „Wir haben uns an einen Sachverständigen gewandt, der sich weigerte das Gutachten auszustellen, weil die Bäume nicht krank waren. Sehr wohl aber waren sie sehr alt und gerade deshalb gefährlich“. Daraufhin hat sich die Familie an das Forstinspektorat Meran gewandt. Dieses kommt in seinem Gutachten u.a. zum Schluss, dass von den beiden Zedern nicht zuletzt aufgrund der Präzedenzfälle eine „akute und lebensbedrohliche Gefahr“ für Passanten ausgeht und dass sie ein „nicht einschätzbares und unberechenbares Risiko“ darstellen.  

Was gibt es zum Fall der gefällten Zedern noch zu sagen? Dass im Garten des Hotels weitere zwölf hochstämmige Exemplare stehen und auch nicht angetastet werden. „Sie stellen keine Gefahr für die Hotelgäste und die Passanten dar“, präzisiert Berger. Und auch die zwei gefällten Zedern werden ersetzt: „Mit acht statt der geforderten vier Neupflanzungen, darunter auch eine Zeder“, wie die Alleinverwalterin betont. Und noch etwas hält sie fest: „Wir geben jährlich mehrere Tausende Euro  für Pflegemaßnahmen an unseren Bäumen aus, und allein die Schlägerung der zwei Zedern hat 8000 Euro gekostet. Diese Summe zahlt niemand nur so zum Spaß“.

Berger fordert deshalb ein Umdenken und appelliert an die Stadtverwaltung, die Bevölkerung über die Problematik rund um die exotischen Zierbäume aufzuklären: „Diese Baumart wurde Ende des 19. Jh. importiert, wodurch die Exemplare jetzt in die Jahre kommen und das Ende ihres natürlichen Lebenszyklus erreichen“. Gerade aufgrund ihrer Kandelaberform und der vielen horizontal verlaufenden Seitenäste sei diese Baumart bei Wind und Schnee im Alter gefährlich. Es ist für Elisabeth Berger daher nicht nachvollziehbar, „dass die Stadt aus Furcht vor der öffentlichen Meinung Fällungen selbst in Gefahrensituationen als problematisch“ betrachte. 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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