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Das „gestohlene“ Model

Auf Mila-Milchtüten wird ein Mann  bei der Heuarbeit gezeigt. Das Problem damit ist: Der Mann mit der Sense wurde nie gefragt. Jetzt hat er finanzielle Forderungen an die Genossenschaft Bergmilch gestellt. Und 3.000 Euro bekommen.

von Silke Hinterwaldner

Eines ist sicher: Sehr, sehr viele Leute in Südtirol, zudem  im gesamten norditalienischen Raum, kennen diesen Mann. Zumindest haben sie ihm beim Mähen mit der Sense zugesehen. Denn: Dieser Mann ist auf jedem Tetra Pak Heumilch der Mila abgebildet.

Während vorne wie bei allen Produkten eines der typischen Mila-Gesichter von Südtiroler Bauernhöfen zu sehen ist, steht das Foto des Mannes mit der Sense auf der grünen Wiese eher unscheinbar am Rande. Und doch hat sich bei der Genossenschaft Bergmilch in Bezug auf dieses Bild ein peinlicher Fehler eingeschlichen – für den jemand geradestehen muss.

Schwer zu sagen, wie lange es gedauert hat, bis dieser Mann mit der Sense gemerkt hat, dass er es ohne sein Wissen zu eher unscheinbarer Berühmtheit gebracht hat. Schwer zu sagen ist auch, ob er sich sehr darüber geärgert hat, dass sein Gesicht auf fast jeder Milchtüte hergezeigt wird. Fest steht nur, dass er den Fall nicht auf sich beruhen lassen wollte.

Robert Zampieri

Er hat sich an eine Richterin in Deutschland gewandt, die er offenbar gut kennt, um zu klären, wie viel er für die Rechte auf die Abbildung seines Antlitzes verlangen kann. Diese Richterin wiederum hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt: Die startete auf Twitter den Aufruf, man möge doch Vorschläge machen, wie dieser Konflikt finanziell beglichen werden könnte. Die Causa schilderte sie wie folgt:

„Datenschutzrechtler vor: Ein Freund der Familie (selbst Südtiroler) wurde in Südtirol (Italien) dabei fotografiert, wie er mit einer Sense Heu schneidet. Dieses Bild ziert nun die „Heumilch“-Packung einer in Italien sehr bekannten Molkerei. Der Freund wurde nie gefragt.“

Deshalb habe er sich anwaltschaftliche Hilfe in Deutschland gesucht. Daraufhin habe die Molkerei ihm ein Angebot gemacht: er solle einen Vorschlag für die finanzielle Entschädigung machen. Dabei war wohl schnell klar, dass der Südtiroler es nicht darauf anlegte, einen langwierigen Gerichtsstreit mit der Mila auszufechten. Er war offensichtlich auch nicht darauf aus, der Milch-Genossenschaft den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Vielmehr soll er sich letztendlich mit einer einmaligen Zahlung von 3.000 Euro begnügt haben. Kritik gibt es trotzdem: Warum, fragen sich einige Twitter-Kommentatoren, habe er zuerst bei der Heuarbeit geholfen, um dann finanzielle Forderungen an die bäuerliche Genossenschaft zu stellen. Damit schade er schließlich indirekt den Milchbauern.

Trotzdem ist wohl unbestritten, dass ein Großunternehmen wie die Bergmilch – beziehungsweise die mit dem Auftrag betraute Agentur – die Frage der Bildrechte genauer hätte prüfen müssen. Bei der Mila gibt man sich trotzdem  unaufgeregt. Auf eine Anfrage der TAGESZEITUNG antwortet Robert Zampieri, Geschäftsführer von Bergmilch Mila, kurz angebunden:

„Das sind derart nebensächliche Themen, dass mir die Zeit zu schade ist. Das ist eine Nicht-Story und betrifft den Herrn auf dem Bild und die Foto-Agentur, die das Bild verkauft hat. Mehr ist wahrlich nicht zu sagen. Weltbewegendes ist es nicht.“

Gegendarstellung

Die Bergmilch Südtirol begehrt folgende Gegendarstellung, die wir gerne abdrucken.

„Die Schlagzeile Das >gestohlene< Model“, erschienen in der Ausgabe vom 05.02.2020 auf der Titelseite der Tageszeitung. stellt nach Ansicht der Bergmilch Südtirol Gen. eine unrichtige und ausschließlich auf Effekthascherei ausgelegte Schlagzeile dar.

Fakt ist, dass die Bergmilch Südtirol für die Gestaltung der Verpackungen eine namhafte Marketingagentur beauftragt hat, welche für den gesamten Gestaltungsprozess verantwortlich zeichnet.

Die Bergmilch Südtirol wurde schließlich vor einigen Wochen von einer deutschen Anwaltskanzlei im Namen der abgebildeten Person mit einer allgemeinen, aber nicht weiter spezifizierten Schadensersatzforderung konfrontiert, da ihr Mandant für die Verwendung des Bildes scheinbar kein Einverständnis gegeben habe.

Diese Forderung wurde umgehend an die verantwortliche Marketingagentur weitergeleitet, welche erklärte, den Sachverhalt zu prüfen und gegebenenfalls den Aspekt der Nutzungsrechte dieses Fotos, welches von einer Südtiroler Onlinebildagentur erworben worden war, auf eigene Kosten zu regeln, was dann auch geschehen ist.

Die Bergmilch Südtirol war somit einzig Vermittlerin zwischen der anwaltlichen Vertretung der abgebildeten Person und der Marketingagentur und hat in dieser Funktion stets versucht eine gütliche Lösung zu erzielen.

Unverständlich ist daher, wie die Schlagzeile das „gestohlene Model“ verwendet werden konnte, wenn doch ganz offensichtlich nicht von einem Diebstahl die Rede sein kann. Noch dazu wird diese Formulierung mit der Bergmilch Südtirol in Zusammenhang gebracht, welche als eine der größten Genossenschaften des Landes stets bemüht ist, im Interesse und zum Wohl der eigenen Mitglieder und Kunden zu arbeiten. “

RA Hansjörg Buratti

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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