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„Der Irrsinn muss aufhören“

Das Gesetz zu den Kindersitzen mit Alarmgeräten sorgt weiterhin für Ärger. Nun wenden sich die drei Initiatorinnen der Petition „Irrsinn des Gesetzes – StopAntiAbbandono“ an den Südtiroler Landtag.

von Eva Maria Gapp

„Werte Politiker/innen und Volksvertreter, wir fragen uns, wie Sie ein derartig irrsinniges Gesetz einfach dulden, stillschweigen oder noch schlimmer: Gutheißen können.“ Mit diesen Worten beginnt der offene Brief, den die Initiatorinnen der Petition „Irrsinn des Gesetzes – StopAntiAbbandono“ Manuela Stuefer, Monika Bernard und Petra Scherlin nun an die Landesregierung, den Landtagsabgeordneten und Parteien geschickt haben.

„Wir wenden uns an die Politik, weil dieser Irrsinn endlich aufhören muss. Niemand hat beim Verfassen dieses Gesetzes an die möglichen Folgen für die Gesundheit und die körperliche Entwicklung der Kinder oder an die Schwierigkeit bei der praktischen Umsetzung durch Familien gedacht“, sagen die Mütter.

Die drei Mütter aus Eppan wehren sich nämlich vehement gegen das Gesetz, das die Nachrüstung aller Autositze für Kinder bis zum vierten Lebensjahr mit einem Alarmsystem vorsieht.

Die neue Alarmpflicht sorgt schon des Längeren für großen Ärger bei den Eltern. Deshalb haben die drei Eppanerinnen bereits im Dezember eine Petition gegen das neue Gesetz gestartet (Die TAGESZEITUNG hat berichtet). Rund 6.000 Unterschriften haben sie bislang gesammelt.

Doch nun fordern die Mütter auch die Politik dazu auf, dieses Problem konkret anzugehen und eine Abänderung des Gesetzes in Rom durchzusetzen.

„Kein Kind sollte im Auto sterben. Das ist uns allen klar und wichtig. Aber es ist ein Irrsinn zu glauben, dass es bei diesem Gesetz um acht tote Babys in 20 Jahren geht, wenn man bedenkt, dass in Italien im selben Zeitraum über 11 Millionen Babys geboren wurden! Das heißt, es zirkulierten im Schnitt jährlich 2.226.441 Kinder zwischen 0 bis 4 Jahren auf den Straßen Italiens“, so die drei Eppanerinnen. Das Gesetz mache also keinen Sinn.

„Das aktuelle Gesetz wird die Zahl der toten Babys in Fahrzeugen nicht verringern, es schützt die Kinder nicht vor der Gefahr, die durch mangelnde Sorgfaltspflicht der Elter entsteht. Außerdem führen Gesetze und Systeme wie diese dazu, dass die Menschen immer weniger nachdenken und an Eigenverantwortung verlieren, da sie sich vermehrt auf technologische Hilfsmittel verlassen und weniger auf sich selbst“, sind sich die drei Mütter einig.

Vielmehr glauben sie, dass dieses Gesetz in erster Linie der Wirtschaft zugutekommt: „Die Politik, Hersteller und Unternehmer reden uns ins Gewissen, jedoch liegt die Vermutung nahe, dass dieses Gesetz in erster Linie der Wirtschaft zu Gute kommt und nicht dem Wohle der Kinder: Man kann einfach die Zahl der Neugeborenen mit den Anschaffungskosten multiplizieren“, so die drei Mütter. Im Detail bedeutet das: „1,8 Mio. Kinder brauchen ab März 2020 einen „Sender“ unter ihrem Hintern. 1,8 Mio. Kinder brauchen zum Teil mehrere Sender, da sie nicht immer von derselben Person gebracht bzw. geholt werden“, sagen sie.

Zugleich finden sie es unverantwortlich, eine ganze Generation auf Sensoren zu setzen: „Wir haben nicht die Gewissheit, dass deren Strahlung wirklich gesundheitlich unbedenklich ist. Elektronische Geräte wie Handys, Fotoapparate, Laptops und vieles mehr, dürfen wegen möglicher Beschädigung und/oder Explosion der Batterien keinen hohen Temperaturschwankungen bzw. hoher Temperatur ausgesetzt sein. Diese kann bekanntlich in einem in der Sonne stehenden Fahrzeug durchaus 70°C erreichen. Und wir sollen unsere Kinder auf genau solche Geräte direkt setzen?“, fragen sich die drei Mütter.

Deshalb stellen sie die Frage: „Wie können Sie, werte Politiker, es verantworten, dass dieses Gesetz und das damit verbundene System uns durch hohe Strafen und drohenden Führerscheinentzug aufgezwungen und durchgesetzt wird?“

Für die drei Mütter ist das Gesetz „ein Zeichen der Hilflosigkeit und der Inkompetenz der zuständigen Politiker. Es geht völlig am eigentlichen Anliegen vorbei, schafft nur weitere Unsicherheiten und Ungerechtigkeiten.“ Von der finanziellen Belastung ganz abgesehen, so die Mütter. „Der zugesicherte finanzielle Beitrag von 30€ pro Kind kommt nicht einmal der Hälfte der betroffenen Familien zu Gute! Denn der Betrag von 15,1 Mio. Euro (Bezugsjahr 2019) und weiteren 5 Mio. Euro (2020) reicht bei weitem nicht aus. Denn 30 Euro x 1,8 Mio. Kinder = 54 Mio. Euro.“

Deshalb sind sie der Meinung, dass die Einführung eines Sicherheitssystems bei der Autoindustrie eingefordert werden muss, welche diese künftig serienmäßig in ihr Programm aufnehmen sollte, wie es bei Sicherheitsfragen bereits in der Vergangenheit passiert ist, und nicht bei den Eltern.

Zugleich fordern sie die Landespolitiker auf, sich für die Überarbeitung und Abänderung des Gesetzes „Anti Abbandono“ stark zu machen.

Nun knapp einen Monat vor Einsetzen der Sanktionen wüssten Familien vieles immer noch nicht, es blieben weiterhin zahlreiche Unklarheiten bestehen, etwa welche Geräte zulässig und gesetzeskonform sind oder ob die Kindersitze trotz Verwendung eines Zusatzgerätes weiterhin homologiert sind.

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