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Sum ergo sum – New Feminism

Fotografie von AliPaloma

Das Stadtmuseum Bruneck befasst sich mit dem Neuen Feminismus.

Ich bin, also bin ich – die neue Welle des Feminismus bekämpft nicht mehr nur die Unterwerfung der Rolle „Frau“ im Allgemeinen, sondern verlangt die geschlechtsunabhängige Gleichstellung aller Menschen. Der Mensch an sich soll zählen; frei von allen sozial geprägten sexistischen Vorurteilen. Der Neue Feminismus fordert: der Mensch zählt, nicht das Geschlecht.

Seit dem Feminismus in den 70er Jahren hat sich inzwischen in Hinblick auf die Gleichstellung der Frau Einiges verändert. Und doch stellen Gewalt, sexuelle Belästigung, die ungleiche Behandlung, das Thema Kindererziehung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor ein aktuelles Thema dar. Opfer dieser Unterwerfungen sind nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Die Opfer sind Menschen. Der Feminismus von heute ist keine Bewegung mehr gegen die Männer, sondern eine Bewegung, die sich für die Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen, unabhängig von seinem Geschlecht, einsetzt. Der Unterschied zwischen Mann und Frau, abgesehen von den biologischen Merkmalen, ist vor allem gesellschaftlich bedingt. Trotz der diversen Weiterentwicklungen innerhalb des Gesellschaftsbildes sind die Rollen „Mann“ und „Frau“, ob nun biologisch gesehen oder der Verhaltensweise nach, immer noch klischeehaft verankert, und werden mit bestimmten Eigenschaften attribuiert: der männliche Part steht für die Macht, die Unterwerfung, die Leitung, die Härte , den Schutz. Und der weibliche Part steht für die Nicht-Macht, das Unterworfensein, die Sentimentalität, die Weichheit und das Schutzsuchende. Diese Eigenschaften, die sozial erwünschten Rollen der Geschlechter, gilt es abzuschaffen. Im Neuen Feminismus geht es um die Macht über sich selbst. Jeder Mensch hat die Freiheit, sich unabhängig vom Geschlecht, selbst Eigenschaften zuzuschreiben und muss keinem Prinzip entsprechen.

Im Zuge des Projektes „Wege zum Museum“ haben sich mehrere Künstler mit der Thematik des genderneutralen Feminismus auseinandergesetzt. Ihre Arbeiten bespielen die Ausstellungsräume des Stadtmuseums Bruneck, sowie die alten Werkstatträume der ehemaligen Simma-Garage. An der Fassade des Museums wird der Besucher vom imposanten Kunstprojekt Solange-The Projectvon Katharina Cibulka begrüßt. Die Innsbrucker Künstlerin befestigt an Baustellen Staubschutzplanen mit aufgestickten Botschaften feministischer Forderungen. Greta Kofler und Marie Kallage bringen ihre künstlerischen Überlegungen auch durch das traditionelle Stickmuster zum Ausdruck. Sie hinterfragen mit ihrer Installation das von religiösen Deutungsmustern geprägte noch immer vorherrschende Menschenbild bzw. Rollenbild in der Gesellschaft. Ein weiterer Beitrag stammt von der aus Istanbul stammenden Künstlerin Nilbar Güres. In ihren Collagen setzt sie sich auf teils witzig herausfordernde, erotische und rätselhafte Weise mit Klischees gesellschaftlicher Sichtbarkeit von Frauen in unterschiedlichen kulturellen Feldern auseinander. Die Malereien mit dem Titel Zugvögelvon Barbara Tavella verweisen auf die Suche nach dem Frausein bzw. nach dem eigenen Sein. Von Andreas Zingerle sind drei großformatige Porträts ausgestellt, welche verschwommene, beinahe verschwindende Gesichter von brutal ermordeten Journalistinnen zeigen. Nora Pider macht mit ihrer Arbeit free bleeding auf das Tabuthema der Menstruation aufmerksam. Obwohl in letzter Zeit häufig darüber gesprochen wird und dies auch im politischen Kontext wiederzufinden ist, wird es in vielen Teilen der Welt zum Großteil noch immer tabuisiert. Von Bianca Tschaikner ist die Bildergruppe Gaia ausgestellt, die aus verschiedenen Zeichnungen und Drucken besteht. Am 06. Februar um 19.00 Uhr wird sie im Museum Geschichten aus ihrem Buch Meghalayavorlesen. Tschaikner lebte einen Monat lang bei dem Stamm der Khasi in Nordindien und hat beeindruckende und spannende Geschichten über diese Gesellschaft gesammelt. AliPaloma lässt von der Decke in der Simma-Garage ihre Skulptur Hidden Female Pleasureherabhängen. Die Skulptur stellt eine Anlehnung an die wissenschaftliche anatomisch korrekte Darstellung des weiblichen Lustorgans, der Klitoris, dar. AliPaloma setzt mit ihrer Arbeit ein wichtiges Statement in der seit der Antike hauptsächlich Phallus-orientierten Kunstwelt. Karin Ferrari hat sich von verschiedenen Dokumentarfilmen und Verschwörungstheorien auf YouTube inspirieren lassen, und zielt in ihrer Videoarbeit auf die verschiedenen Machtverhältnisse von Mann und Frau ab.

Die ausgestellten Fotografien von Werner Gasser stellen eine Hommage an die Brustwarzen, welche sowohl an weiblichen als auch männlichen Körpern zu finden sind, dar. Die Brustwarze ist das „letzte“ Weibliche am Mann. Auch der junge ambitionierte Designer für Naturmode, Michael Klammsteiner, hat sich mit dem Ausstellungsthema auseinandergesetzt und inszeniert die ewige Verbundenheit zwischen Mensch und Natur und die damit einhergehende Freiheit. Wil-ma Kammerer zeigt zwei identisch gleiche, fleischfarbene konvexe Arbeiten, um auf die Gleichwertigkeit der Geschlechter hinzuweisen. Die Ausstellung wird mit der Performance Kleine unvollständige Geschichte weiblicher Rollenbildervom Vokalensemble 2000 (unter der Leitung von Maria Craffonara und Kostümausstattung von Pamela Agostini) und dem Poetry Slam von Eeva Aichner eröffnet.

Mit dieser Ausstellung macht das Stadtmuseum Bruneck auf ein aktuelles und wichtiges Thema aufmerksam und die Künstler laden mit ihren vielschichtigen Arbeiten Jeden zum Nachdenken und Überdenken ein. Die Ausstellung ist bis 08. März geöffnet und wird mit einer gemeinsamen Veranstaltung mit den alljährlich stattfindenden Frauen. Gesprächen sowie einer Wiederholung der Eröffnungs-Performance abgeschlossen. (Stefanie Peintner)

 

Ausstellende Künstler: AliPaloma – Katharina Cibulka – Karin Ferrari – Werner Gasser – Nilbar Güres – Wil-ma Kammerer –  Michael Klammsteiner – Greta Kofler & Marie Kallage – Nora Pider – Barbara Tavella – Bianca Tschaikner – Andreas Zingerle

 

Eröffnung:Freitag, 31. Jänner 2020, um 18.00 Uhr im Stadtmuseum Bruneck

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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